Tote Hirsch-Kälber im Nationalpark Berchtesgaden

Fronten verhärten sich: Jagdverein attackiert Wildbiologin

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Der Fund von einigen toten Hirschkälbern im Gebiet des Berchtesgadener Nationalparks sorgt für Diskussionen.
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Schönau am Königssee - Der Streit um die toten Kälber im Nationalpark Berchtesgaden geht in die nächste Runde. Unterstützung bekommt der Nationalpark nun vom ökologischen Jagdverein (ÖJV).

Was war passiert: Der Verein "Wildes Bayern e.V." in Person um Dr. Miller beschuldigte den Nationalpark Berchtesgaden, Hirschkühe erlegt zu haben. Die Folge wäre die Verwaisung einiger Kälber gewesen, die ohne ihre Mütter verhungert seien. Daraufhin forderte Dr. Miller mehr Kontrolle und Transparenz im Nationalpark.

Auf der anderen Seite bestreitet der Nationalpark diese Vorwürfe vehement und spricht von einem natürlichen Vorgang. In der Folge veröffentlichte die Nationalparkverwaltung eine zweite Stellungnahme zu den Geschehnissen. D es Weiteren prüft der Nationalpark rechtliche Schritte gegen Dr. Miller, um gegen die Unterstellung einer Straftat vorzugehen.

Nun hat aber auch der ökologische Jagdverein (ÖJV) eine Pressemitteilung verschickt, nachdem Dr. Miller dem Nationalpark vorgeworfen hat, jede frei werdende Förster- oder Berufsjägerstelle werde von einem Mitglied des ÖJV besetzt. Somit macht sie den Jagdverein mitverantwortlich für die Vorfälle. Intention der Erklärung des ÖJV ist es, gegen die „Stimmungsmache und haltlosen Vorwürfe des Vereins „Wildes Bayern e.V.“ vorzugehen.

Wald oder Wild?

In ihrer Pressemitteilung unterstützt der ÖJV (ca. 1.000 Mitglieder in Bayern) den Nationalpark Berchtesgaden. So sei der Fund von verendeten Tieren als normal einzustufen, die Nationalparkverwaltung habe ein beispielloses Wildtiermanagement und Dr. Miller würde sich nur um die Tiere sorgen, nicht um den Lebensraum des Wildes. Letzter Punkt ist wohl der entscheidende Streitfaktor: Die Frage Wald oder Wild spaltet Natur- und Tierschützer.

Aufgabe der Jagd sei es laut ÖJV „in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise [...] Schalenwild wie Rehe wegen ihrer Schäden im Wald reguliert werden“. Der Konflikt mit ökologisch denkenden Jägern sei vorprogammiert gewesen.

Dieser Streit beruht laut ÖJV auch auf der Tatsache, dass Dr. Miller mangelnde Fachkenntnis habe. Sie würde mit fragwürdigen Behauptungen vorgehen. So seien namhafte Wildbiologen, wie beispielsweise Ulrich Wotschikowsky, Jagdexperten und viele Verbände bereits von ihr abgerückt.

Die ganze Pressemitteilung des ÖJV können Sie hier lesen.

Bayerischer Jagdverband vs. ÖJV

Auf Nachfrage beim Bayerischen Jagdverband e.V. (BJV), dem größten in Bayern mit knapp 50.000 Mitglieder, wollte sich dieser nicht zu den Vorfällen äußern. Bisher seien nur Behauptungen aufgestellt worden, die weitere Untersuchungen bedürfen.

Auf der Internetseite des BJV distanziert sich der Verein jedoch klar vom ÖJV. Zwar müsse der Naturschutz ein fester Bestandteil in den nächsten Jahren bleiben.„Allerdings identifizieren wir uns bei aller Aufgeschlossenheit nicht mit Kreisen aus dem extremen Öko-Lager, wo man glaubt, die Zukunft der Jagd mit völlig irrelevanten Ideen abhandeln zu müssen“.

Wildbiologin kontert Nationalpark

Trotz der erneuten Stellungnahme des Nationalparks bleibt Dr. Miller bei ihrer Meinung. Vor Veröffentlichung ihrer Pressemitteilung habe die Wildbiologin mit verschiedenen Fachkollegen die Plausibilität verschiedener Szenarien diskutiert. „Ich bleibe deshalb bei meiner begründeten Vermutung, dass die aufgefundenen Kälber führungslos waren“, so Dr. Miller weiter. Es sollte daher ihrer Meinung nach wirklich untersucht werden, ob Alttiere ohne ihre zugehörigen Kälber im Park erlegt wurden.

Die angebliche Gesprächsbereitschaft der Nationalparkverwaltung sei für Dr. Miller nicht vorhanden: „Fakt ist, dass meist erst nach mehrmaligem, hartnäckigem Nachfragen und dem Einschalten übergeordneter Dienststellen am Umweltministerium ein Teil der gestellten Fragen beantwortet wurden. Detaillierte Fragen zu den Strecken wurden nicht beantwortet“.

Sie und ihr Verein werden weiterhin darauf drängen, dass diese Transparenz in einem Schutzgebiet höchster Kategorie endlich hergestellt wird. "Statt über einen dritten Nationalpark zu sprechen, sollten wir in Bayern schauen, dass wir den zweiten wenigstens einigermaßen hinkriegen“, so Dr. Miller.

Leser für mehr Kontrolle

Das Thema spaltet auch unsere Leser. Knapp 62 Prozent (Stand: 14. Mai) fordern bei einer Umfrage mehr Kontrolle für den Nationalpark Berchtesgaden und unterstützen so die Ansichten von Dr. Miller.

Schreiben auch Sie uns ihre Meinung. Leserbriefe bitte per E-Mail an jens.zimmermann@ovb24.de.

jz

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