Tote Kälber im Nationalpark Berchtesgaden

Eine "Spielwiese für Ideologen" oder "absurde Anschuldigungen"?

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Der Streit um die toten Kälber spitzt sich immer mehr zu
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Schönau am Königssee - Der Verein "Wildes Bayern e.V." reagiert auf die Erklärungen des Nationalparks Berchtesgaden und hält diese für "weder schlüssig noch realistisch“. Auch unsere Leser äußern sich zu den Vorwürfen.

Zuletzt verhärteten sich die Fronten zwischen der Nationalparkverwaltung und dem Verein „Wildes Bayern e.V. in Person um Dr. Christine Miller. Großer Streitpunkt zwischen beiden Parteien ist die Ursache für die gefundenen verendeten Kälber rund um den Königssee. Während die Wildbiologin davon ausgeht, dass Hirschkühe erlegt wurden und die Kälber infolgedessen führungslos waren und verhungerten, bestreitet der Nationalpark Berchtesgaden diese Vorwürfe vehement und beruft sich auf einen natürlichen Vorgang.

Der Streit verschärfte sich durch weitere Stellungnahmen. Sogar rechtliche Schritte gegen Dr. Miller lässt der Nationalpark derzeit prüfen. Im Gegenzug veröffentlichte "Wildes Bayern e.V." eine Pressemitteilung, in der der Verein die Argumente der Nationalparkverwaltung als „weder schlüssig noch realistisch“ einstuft und versucht, diese mit Fakten zu widerlegen. Die ganze Pressemitteilung können sie hier nachlesen.

Die Meinungen unserer Leser

Im Laufe der Berichterstattung über diese Vorfälle erreichten die Redaktion von BGLand24.de zudem einige interessante Leserbriefe, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Christian Blas aus Traunstein:

Der Nationalpark Berchtesgaden beherrscht eine Ausrottungsstrategie. So lässt sich auf den jährlichen Hegeschauen unschwer erkennen, dass die Verantwortlichen so ziemlich alles töten, was sich bewegt. Es wundert also nicht, dass dieser Nationalpark wissenschaftlich eine Lachnummer ist.

So ganz anders als der Schweizer Nationalpark, in dem eine interdisziplinäre, international renommierte Forschung, deren Datengrundlagen und Erkenntnisse in herausragenden Publikationen veröffentlicht werden, existiert, in dem jeder alles fragen kann und darauf immer eine qualifizierte Antwort erhält, in dem sich ein artenreicher Wald - trotz eines hohen Verbisses - bestens verjüngt.

Unser Nationalpark ist auch nicht das, was wir alle darunter verstehen möchten, denn Natur findet wo anders statt. Er ist eine Spielwiese für Ideologen, die sich ohne Kontrolle austoben dürfen und deren Wahn die Schalenwildarten zu Schädlingen erklärt. Es wunderte mich also nicht, dass eine engagierte Wildbiologin und nicht die beamteten Schützen auf ihren luftverpestenden Quads die toten Tiere fanden.

Sepp Jostl aus Bad Reichenhall:

Das Bayerische Jagdgesetz stellt den Abschuss führender Alttiere unter Strafe. Wer also eine Hirschkuh tötet, die ein Kalb führt, begeht eine Straftat. Wenn der begründete Verdacht auf eine Straftat besteht, sollten Polizei und Staatsanwaltschaft eigentlich im öffentlichen Interesse eine Ermittlung durchführen (zumindest sollte das in einem funktionierenden Rechtsstaat so sein). Warum geschieht das nicht? Nationalpark und "Wildes Bayern" müssten sich nicht mehr wochenlang mit wechselseitigen Anschuldigungen überziehen, wenn die Fakten einmal auf dem Tisch liegen.

Auch wenn der Nationalpark offenbar keiner Kontrolle wie der restliche Jagdbetrieb unterliegt: Abschusslisten wird er vermutlich doch führen, und das vermutlich auch im Revier Königssee. Ebenso wird der Nationalpark auch Buch führen, an wen er wie viel Wildpret verkauft. So könnte die Nationalparkverwaltung eigentlich ganz leicht beweisen, dass nicht mehr Alttiere als Kälber erlegt wurden.

Thomas Gräber:

Das erklärte Ziel lautet Wald vor Wild! Ich befürchte, dass die Wildbiologin mit ihrer Vermutung leider Recht behält. Die Fakten sprechen für sich. Traue nie einer Bilanz/Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast...

Sepp Bucher:

Diese Anschuldigungen sind ja lächerlich, wenn nicht sogar absurd. Bin viel unterwegs in Nationalparks und auch anderen Jagdrevieren und wenn überall so professionell und tiergerecht gejagt würde wie im Berchtesgadener Park, dann würde viel Tierleid und Qual erspart. Das ist ein Vorzeigejagd-Betrieb. Außerdem fragen sie doch mal diese Frau Dr. Miller, was denn mit den Füchsen, den Adler, dem ganzen Kleingetier passiert, wenn es keine Tiere gibt die als Futter dienen? Das ist ein Teil der Natur. Dann dürfen wir Menschen auch kein Fleisch mehr essen.

Eines muss ich ihnen dennoch sagen. Es ist sehr bedauerlich, dass sich die Medien wie Aasgeier auf solche Geschichten werfen. Es bleibt hier immer etwas an den Beschuldigten hängen, auch wenn zigmal festgestellt wird, dass sie keinen Fehler begangen haben. Das wiederum öffnet Tür und Tor für jedermann, ehrlich und hart arbeitende Menschen mit Dreck zu bewerfen.

Ich habe einen Leserbrief gelesen, indem wird die Leiterin der Stabstelle (!) aufs Äußerste beschimpft und persönlich angegriffen. Bitte wo sind wir denn? Vor allem was hat die Stabstelle mit den Vorgängen im Jagdrevier zu tun? Aber ist ja nichts neues. Das billigste Fleisch vom Aldi kaufen und wehe, wenn es um Tierschutz geht, dann in der erste Reihe stehen und unbescholtene Bürger verleumden.

Ich bitte Sie hier, zuerst sorgfältig zu recherchieren und dann erst Ihre Berichte zu schreiben und nicht auf jeden noch so absurden Gedanken mancher aufzuspringen. Es ist mir wirklich ein Anliegen solche Institutionen wie den Nationalpark Berchtesgaden zu schützen und hoffe, dass die Zuständigen weiterhin so gute Arbeit leisten wie bisher. Hochachtungsvoll

Claudia Rauchegger:

Warum werden dann nach Anfragen die Abschusszahlen nicht herausgegeben? Meine Meinung ist, dass hier wieder alles vertuscht werden soll. Wie ja viele Jäger auch dazu stehen, Wald vor Wild. Traurig, es gehört doch zusammen.

Sollte es aber die Wahrheit sein, dass die Mütter geschossen worden sind, gehört im Nationalpark bei der Jägerschaft ganz schön aufgeräumt. Das wäre so was von abartig. Ich hoffe, dass es nicht so ist wie heuer im Winter in Österreich, wo von ganz oben angeordnet wurde, nicht zu füttern.

Christoph Frucht - Dipl.Ing. Forst(univ) – aus Obersinn:

Zwar bin nur hochschulstudierter Forstmann, wie z.B. Herr Wotschikowsky - auch der ist kein Wildbiologe - aber was da, für uns in Unterfranken, „unten“ vorgeht, ist schon heftig. Von namhaften Wildbiologen ist längst eindeutig erforscht, dass Rotwildkälber bis zum nächsten Kind Ihrer Mutter, der Hirschkuh, deren Führung bedürfen, ihr folgen, sogar noch im nächsten Jahr, als Schmaltier der Mutter mit deren neuem Kalb. 

Sodass eine Dreiergruppe: Alttier (= Mutter, Hirschkuh mit dem Kalb vom vorvorigen Jahr, dem Schmaltier und dem neuen Kalb) häufig zu beobachten ist. Wenn gerade in der Zeit, in der die Natur dem Stoffwechsel, die Herzfrequenz und die Körpertemperatur beim Rotwild runtersetzt, eben weil im Winter - und der Winter 2018/19 war sehr schneereich - da haben sogar Berufsjäger das eine oder andere Stück Rotwild aus dem Schnee gegraben, weil die Tiere durch den hohen Schnee nahezu unbeweglich waren und gerade dann fehlt die Energiezufuhr durch Nahrungsaufnahme, dann kann nur die Erfahrung der Hirschkuh dem Kalb helfen, an Futter (=Energie) zu kommen.

Kein Kalb kann sich allein an einer Fütterung oder auch an einer Stelle, wo allenfalls noch das eine oder andere Gräslein erreichbar wäre, behaupten. Ein Kalb wird von allen anderen Rudelmitgliedern dort vertrieben. Wenn also die "Mama" fehlt, geht's den Kälbern im Winter schlecht. Die weiß, wo man allenfalls noch was findet und sie schützt das Kalb, wenn andere Mitglieder der Hirschfamilie es vom Futterplatz vertreiben wollen. Fehlt gerade in dieser Zeit die Führung der Mutter, ist das Kalb zum Tode verurteilt.

Wenn man also die Hirschkuh vor dem Kalb erlegt, hat man "zwei Fliegen mit einer Klappe" erschlagen. Ein Gedanke, der dem ÖJV sehr entgegen kommt, denn "Hauptsache die Schädlinge verrecken" hat einmal der Baron Rotenhan in der ÖKO Jagdzeitschrfift des ÖJV veröffentlicht.

Klar wir brauchen vor allem im Alpenraum den Waldschutz dringend als Erosionsschutz, aber der Zweck heiligt nicht die Mittel und auch für die Jagd ist der Tierschutz oberstes Gebot.

Für mich als "Fernbeobachter" der Vorgänge "da unten" ist es erstaunlich, dass sich da der Tierschutz noch nicht gemeldet hat, denn bei der Häufung von "Rotwildkinderleichen" um lebensspendendes Wasser mit evtl. jetzt schon zu nutzendem Graswuchs, drängt sich der Verdacht schon heftig auf, dass da die führenden Alttiere fehlen.

Abgestürzt sind die aber sicher auch nicht ! So liegt der Schluss sehr nahe, dass im Zuge der Rotwild-Bestands Verminderung das eine oder andere Alttier erlegt wurde, vielleicht sogar versehentlich, weil man so ein winterlich schwaches Stück als Schmaltier ansprach, aber auch ein Versehen ist strafbar!

jz

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