Bund Naturschutz kritisiert Verantwortliche hinsichtlich Baustopp

"Jennerbahn versucht eigene Fehler zu vertuschen"

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Schönau - Der Neubau der Jennerbahn ist seit Monaten ein Dauerstreitthema zwischen den Verantwortlichen der Berchtesgadener Bergbahn AG und dem Naturschutz. Nun hat die Redaktion von BGLand24.de ein Schreiben vom Bund Naturschutz erhalten:

Auf der Bürgerversammlung der Gemeinde Schönau am Königssee informierten Bürgermeister Hannes Rasp und Verantwortliche der Jennerbahn zum aktuellen Stand des Baustatusses der Jennerbahn und warum die Bauarbeiten nicht im Zeitplan sind, bzw. die Jennerbahn in diesem Jahr nur im Teilbetrieb starten kann.

Der Bund Naturschutz kritisiert die Verantwortlichen nun in einem Leserbrief an BGLand24.de, dass die genannten Gründe nicht der Wahrheit entsprechen:

Leserbrief im Wortlaut (Bund Naturschutz - Rita Poser):

"Kürzlich wurde auf der Bürgerversammlung von Bürgermeister Hannes Rasp der Streit mit Vertretern des BUND Naturschutz (BN) wegen des Birkhuhns als Grund für die Verzögerungen am Bau und Fertigstellungstermin der Bergstation genannt. 

An anderer Stelle wird vom Vorstandsvorsitzenden Michael Emberger das Birkhuhn für die Verzögerung als Ursache erkannt und erklärt, das Birkhuhn habe der Jennnerbahn AG eine Menge Geld gekostet. Da diese und ähnliche Behauptungen hartnäckig wiederholt werden und dann irgendwann zur Tatsache gemacht werden, möchte der Bund Naturschutz die Sachlage noch einmal richtigstellen. 

Das Birkhuhn ist eine besonders streng geschützte Art von europäischer Bedeutung. Sowohl in Bayern als auch Deutschland findet sich der Vogel auf der Roten Liste als vom Aussterben bedrohte Art. In der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) der Jennerbahn AG heißt es dazu: ‚Die Nutzbarkeit der weithin offenen Balzplätze kann auch im Baujahr durch eine günstige Wahl der Bauzeiten, d. h. außerhalb der Balz-, Brut- und Aufzuchtsmonate sowie der Wintermonate, somit unter Berücksichtigung des Birkhuhns bevorzugt im Juli und August (nach Frühjahrsbalz und Brut, aber vor der Herbstbalz) gewährleistet werden. Eine vorhabensbedingte Schädigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten ist nach der Umplanung nicht mehr zu konstatieren.‘ 

Die Vermeidungsmaßnahmen zum Schutz des Birkhuhns wurden von der Jennerbahn AG mit der dafür zuständigen Regierung von Oberbayern abgestimmt und sogar reduziert, denn während der Brut- und Aufzuchtsmonate sowie während der Wintermonate durfte gearbeitet werden, zum Teil mit zeitlichen Beschränkungen. 

Der Bund Naturschutz ist der Jennerbahn AG gegenüber wiederholt kompromissbereit gewesen und ihr auch beim Erörterungstermin im Januar 2018 bei Gericht entgegengekommen. Zum Beispiel hat der Bund Naturschutz den Eilantrag zur Klage gegen die Baugenehmigung einstellen lassen, das heißt ohne dieses Entgegenkommen wäre an der Bergstation ein Schwarzbau bis zur Erteilung einer neuen Baugenehmigung gestanden. Es ging dem Bund Naturschutz entgegen allen Behauptungen nicht darum, das Projekt zu verhindern oder jetzt zu blockieren. Aber Artenschutz ist eine Größe, die in einer hochsensiblen Natur direkt neben und teilweise auch im Nationalpark einfach Vorrang hat und eben nicht nur auf dem Papier und in Schönreden. Gerne hätte es der Bund Naturschutz eine Nummer kleiner gehabt, das ist unbestritten. Da stimmen auch sehr viele Einheimische und Touristen mit dem Bund Naturschutz überein.

Das bedeutet aber nicht, dass es einfach hingenommen wird, wenn die vom Antragsteller selbst verfassten Natur- und Artenschutzmassnahmen zu reinen Papiertigern herabgestuft werden sollen, zumal unklar ist, welche Auswirkungen künftig verlängerten Betriebszeiten und Massentourismus in dem kleinteiligen Gebiet auf die lokale Birkhuhnpopulation haben werden. Für den Bund Naturschutz stellt sich die Situation so dar, dass eigene Fehler der Jennerbahn AG bei der Größe der Bergstation und vor allem in den Planungsabläufen – unter anderem Wintereinbruch - wider besseres Wissen nun dem Bund Naturschutz und dem Birkhuhn angelastet werden sollen. Dies sollte die Jennerbahn AG bei künftigen Äußerungen bedenken". 

So das Schreiben von Rita Poser, 1. Vorsitzende Bund Naturschutz

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