Nach Wirbel um Influencer: Verantwortlichen reicht es

Nationalpark Berchtesgaden macht ernst: "Infinity-Pool" bald gesperrt

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Schönau am Königssee - Der "Infinity-Pool" am Königsbach-Wasserfall soll gesperrt werden. Nach dem anhaltenden Wirbel der vergangenen Wochen war dieser Schritt erwartet worden

Eigentlich kaum vorzustellen, dass so ein pittoreskes Plätzchen für einen derartigen Wirbel sorgen kann: Die Rede ist vom Königsbach-Wasserfall - und noch genauer vom sogenannten "Infinity-Pool". Schon seit längerem stürmten Influencer das Plätzchen, um ihren Aufenthalt vor malerischer Kulisse mit Fotos festzuhalten. Vor wenigen Wochen erst teilte eine bekannte Influencerin - sie hat über eine Million Follower auf Instagram - ein Bild von sich im "Infinity-Pool". Was für manche ein gelungener Schnappschuss sein mag, ließ den Ruhepuls der Nationalpark-Verantwortlichen deutlich steigen. 


Denn: Der Aufstieg zum Pool gilt als außerordentlich gefährlich. Zwar wies die Influencerin auf diesen Umstand hin. Dennoch reagierten die Verantwortlichen des Nationalparks deutlich und baten die Influencerin, den Post - und vor allem auch die Wegbeschreibung - zu löschen. Schließlich kommt es rund um den Gumpen immer wieder zu Rettungseinsätzen. Zudem kamen an dem Social-Media-Hotspot bereits Menschen ums Leben.

Auch ist es die Sorge um die Natur, die die Verantwortlichen umtreibt: Denn die Instagram-Nutzer halten sich oftmals nicht an den geltenden Naturschutz. "Zum Königsbachfall gibt es mittlerweile ein Spinnennetz von Wegen", bedauerte Nationalpark-Sprecherin Carolin Scheiter unlängst gegenüber BGLand24.de. Auch von zunehmenden Vermüllungen ist da die Rede. 


Insgesamt besehen war die Situation für die Verantwortlichen nicht mehr tragbar. Jetzt ziehen sie die Reißleine: Via Verordnung soll der "Infinity-Pool" gesperrt werden. In einer Presseaussendung begründen sie den Schritt:

"Über die sozialen Medien wurde dieser ehemals versteckte, ruhige und naturschutzfachlich wertvolle Ort weit abseits des offiziellen Wegenetzes im Schutzgebiet weltweit bekannt gemacht. Nun besuchen jährlich tausende Fototouristen die Gumpen am Wasserfall. Weitläufig zertretene Vegetation sowie illegale Feuerstellen, Müll, Lärm, Zelten und Kameradrohnen. Rund um den Gumpen sind bis heute rund drei Kilometer neue Trampelpfade im Bergwald entstanden, hinzu kommen zahlreiche Rettungseinsätze für in Not geratene Besucher."

>>>Hier nachlesen: Nach Aufnahmen am Königssee-Wasserfall: Jetzt ermittelt die Polizei<<<

Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden strebt nun in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein Betretungsverbot für den Bereich des „Infinity Pools“ am Königsbach-Wasserfall an, um eine Erholung der Vegetation zu ermöglichen. Das Königssee-Ufer sowie die unteren Terrassen am Wasserfall sollen weiter zugänglich bleiben.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Über den so genannten „Natural Infinity Pool“ am Königsbach-Wasserfall im Nationalpark Berchtesgaden haben die Medien in den vergangenen Monaten vielfach berichtet. Über die sozialen Medien wurde dieser ehemals versteckte, ruhige und naturschutzfachlich wertvolle Ort weit abseits des offiziellen Wegenetzes im Schutzgebiet weltweit bekannt gemacht. Nun besuchen jährlich tausende Fototouristen die Gumpen am Wasserfall. Die Folgen: Weitläufig zertretene Vegetation sowie illegale Feuerstellen, Müll, Lärm, Zelten und Kameradrohnen. Rund um den Gumpen sind bis heute rund drei Kilometer neue Trampelpfade im Bergwald entstanden, hinzu kommen zahlreiche Rettungseinsätze für in Not geratene Besucher. 

Die Nationalparkverwaltung Berchtesgaden strebt nun in Abstimmung mit dem Landratsamt Berchtesgadener Land ein Betretungsverbot für den Bereich des „Infinity Pools“ am Königsbach-Wasserfall an, um eine Erholung der Vegetation zu ermöglichen. Das Königssee-Ufer sowie die unteren Terrassen am Wasserfall sollen weiter zugänglich bleiben. Vertreter verschiedener regionaler Organisationen, Behörden, Gemeinden sowie der Polizei kamen bei einem Runden Tisch in der Nationalparkverwaltung überein, dass die Situation am Königsbach-Wasserfall so nicht länger tragbar sei und unterstützen des Vorgehen. Das Landratsamt Berchtesgadener Land wird nun eine entsprechende Verordnung erarbeiten, auf deren rechtssicherer Basis Zugangsbeschränkungen für das künftige „Vegetationsschutzgebiet“ definiert und bei Nichtbeachtung Bußgelder verhängt werden können. Dieser Prozess wird mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Nationalpark-Ranger sind ab sofort vermehrt im Bereich des Königsbach-Wasserfalls unterwegs und kontrollieren die bereits bestehenden und mit entsprechenden Bußgeldern zu ahndenden Verbote wie Zelten und Biwakieren, Feuer machen, den Einsatz von Drohnen oder das Hinterlassen von Müll.

Pressemitteilung der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden

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