Nach offizieller Eröffnung der Jennerbahn

Bund Naturschutz: Einigung bei Jennerbergstation auf der Zielgeraden

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Seit dem Wochenende auch offiziell eröffnet - die neue Jennerbahn.
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Schönau am Königssee - Am Freitag (5. Juli) ist die Jennerbahn offiziell eröffnet worden. Seit dem Pfingstwochenende ist sie bereits komplett in Betrieb. Der Bund Naturschutz begrüßt jetzt den Erlass eines Änderungsbescheids durch das Landratsamt.

"Der „Änderungsbescheid“ ist richtig bezeichnet eine „Nachtragsbaugenehmigung“, umgangssprachlich auch „Tektur“ genannt, die faktisch bei fast allen Bauvorhaben Anwendung findet. Hintergrund ist, dass sich – speziell bei so einem großen Projekt – in der Bauausführung leichte Änderungen zum Ursprungsplan ergeben, da sich in der Planung gemachte Annahmen in der Ausführung tatsächlich anders darstellen. Diese werden dann in einem Tektur-Antrag als Veränderungen dargestellt und die Genehmigung hierfür beantragt", erklärte der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG, Franz Moderegger. 

Konkret handele es sich in erster Linie um eine deutliche Reduzierung des Baukörpers, die Darstellung des Ausstellungsraumes mit barrierefreier Aufzuganbindung für den Nationalpark Berchtesgaden und das Betriebskonzept für die Jenneralm entsprechend den Absprachen mit dem Bund Naturschutz (BN) und den Genehmigungsbehörden. "Mit Bescheid vom 03.07.2019 wurden all diese Veränderungen von der zuständigen Behörde, dem Landratsamt Berchtesgadener Land, unter Beteiligung aller im Verfahren anzuhörenden Institutionen, inkl. Bund Naturschutz und anderen, genehmigt", so Moderegger.

Genau diese Tatsache begrüßt der Bund Naturschutz. Es habe zahlreiche Gespräche zwischen der Berchtesgadener Bergbahn AG, den Behörden und den Naturschutzverbänden auf der Suche nach tragfähigen Kompromissen zum Schutz der sensiblen Landschaft und des streng geschützten Birkhuhns sowie einer wirtschaftlichen Nutzung gegeben. "Es war langes Ringen erforderlich um die Natur und die Birkhühner im Nationalpark zu schützen und eine touristische Überlastung am Jenner zu verhindern. Aber mit dem Änderungsbescheid des Landratsamtes sind wir auf einem guten Weg", äußerte sich Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz.

"Alles geht am Jenner"

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"Unser oberstes Ziel ist es den Menschen unsere wunderschöne Bergwelt und die Natur näher zu bringen, auch denen die nicht das Privileg haben – sei es aus physischen oder psychischen Einschränkungen – sich diese Erlebnisse erwandern zu können. Wir konnten in der kurzen Zeit schon viele Menschen mit Beeinträchtigungen in unserer Bergstation begrüßen. Alle waren ausnahmslos begeistert und dankbar diese Möglichkeit bekommen zu haben", betonte der Vorstand der Berchtesgadener Bergbahn AG in diesem Zusammenhang. "Da dies alles natürlich nicht zum Nulltarif zu bekommen ist, steht hinter einem solchen Vorhaben auch der Anspruch zur Wirtschaftlichkeit. Dies wiederum bedingt die Einrichtung und Auslastung wirtschaftlicher Betriebe wie auch unserer Restaurants und des sonstigen Raumangebotes (z.B. Seminarraum/Trauungszimmer)."

"Da die neue Bergstation direkt auf der Grenze bzw. sogar im Nationalpark errichtet wurde und der neue Slogan der Berchtesgadener Bergbahn AG lautete: „Alles geht am Jenner“ SPORT FREIZEIT EVENT SEMINAR war für den Natur‐ und Artenschutz das Schlimmste zu befürchten", erklärte Rita Poser, Vorsitzende der BN Kreisgruppe Berchtesgadener Land, dazu. Inzwischen steht als Slogan nur noch „Alles geht am Jenner“, und die Nebenbestimmungen des Nachtragsbescheids geben den Naturschützern die berechtigte Hoffnung, dass kein Eventzentrum entstehen wird.

Moderegger bestätigte: "Mit diesem Bescheid wurde auch die mit dem Bund Naturschutz besprochenen und in einem Kompromiss vereinbarten Abendveranstaltungen sowie die dazugehörigen Rahmenbedingungen genehmigt und festgelegt (Betriebskonzept Jenneralm)."

Weiterer Schutz für die Natur

Weiterhin fordert der BN noch einige weitere Verbesserungen zum Schutz der Natur: "Zum einen wird seit der Schlammlawine das Oberflächenwasser zum Hugo‐Beck‐Haus auf die andere Seite in den Nationalpark eingeleitet. Dort werden großflächig alpine Matten und Latschen mit Kies überfrachtet. Diese Art des Oberflächenwasserabflusses entspricht nicht den Anforderungen einer ordentlichen Bauausführung. Zum anderen kam es zur Ablagerung von Bauschutt und überschüssigem Flüssigbeton auf dem Balzplatz des Birkhuhns, an der alten Jennerwiesenbahn. Abgesprochen war dort eine Geländeauffüllung mit bestimmten Vorgaben, damit der Balzplatz auch künftig vom Birkhuhn aufgesucht wird", heißt es in einer Presseaussendung des BN. "Wir haben die Bilddokumentation dazu an das Landratsamt gegeben und wir erwarten ein bauaufsichtliches Einschreiten zur Herstellung geordneter Zustände", so Rita Poser.

Franz Moderegger nahm dazu konkret Stellung: "

Was diese Punkte angeht kann ich nur anmerken, dass wir uns natürlich immer noch in der Bauausführung befinden. Insbesondere was die Her- und Fertigstellung der Außenanlagen im Bereich der Bergstation (Jennerbahn und Mitterkaserbahn) und der Mitterkasertalstation angeht.

Die Zwischenlagerung von Aushub- und Überschussmaterial ist vor allem zur Reduzierung der Fahrtätigkeit auf der Baustraße vorgenommen worden. Die naturschutzbedingten Einschränkungen zur Benutzung der Baustraße zum Schutz der Birkhuhnbalz wurden von uns stets penibelst eingehalten."

Der BUND Naturschutz kritisiert die Ablagerungen auf dem Balzplatz des Birkhuhns und die Leitung des Oberflächenwassers am Hugo-Beck-Haus.

Natürlich würden diese Ablagerungen entsprechend den vorgesehenen, genehmigten Plänen beseitigt und renaturiert bzw. planmäßig angelegt werden. Dies gelte auch durch von Oberflächenwasser verursachte, kleinere Vermurungen. "Da ich nicht beurteilen kann von wann das Bild ist, kann es sich hier auch um ein kleines Restschneefeld handeln, das oberflächlich mit Kies bedeckt ist. Nach abschmelzen der Restschneemenge ist normalerweise schnell nichts mehr davon zu sehen. Sofern es doch eine kleine Vermurung darstellt, ist diese auf die noch nicht beendeten Bauarbeiten (noch unbefestigtes Kiesmaterial wurde/wird bei starken Regengüssen abgeschwemmt) zurück zu führen", so der Bergbahn-Vorstand. Mit Fertigstellung würden auch diese oben genannten Problematiken beseitigt. "Ich möchte betonen, dass die Entsorgung des Oberflächenwassers bauseits (Dachflächen, Terrassen etc.) entsprechend den Vorgaben ausgeführt wurde."

Beim Dr. Hugo Beck Haus ist es durch einen Schlagregen zu einem punktuell extrem hohen Wasseraufkommen aus dem Bereich Spinnergraben gekommen, was zu einer Ausspülung des zu diesem Zeitpunkt noch nicht geschlossenen Kabelgraben geführt hat. "In Folge wurde lockeres Material aus diesem Graben aus- und in Richtung „Beck-Haus“ weggespült. Ein Zusammenhang mit der Oberflächenentwässerung unseres Bauvorhabens ist hier nicht zu erkennen. Der Kabelgraben ist verfüllt, befestigt und auf dem Weg der Renaturierung", bekräftigte Moderegger.

cz

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