Lockdown am Jenner

Schönauer Hüttenwirt: „Dann habe ich vielleicht wieder Nächte, wo ich durchschlafen kann“

Die coronabedingten Schließungen kosten den Menschen in der Region viel Kraft. Einige Branchen sind besonders stark betroffen, so auch die Gastronomie. Der Sonderfall der Berghütten in den Alpen kann dabei leicht übersehen werden.

Schönau am Königssee - Lockdown-Müdigkeit herrscht an allen Ecken und Enden Deutschlands, doch die bisher längsten Ausgangsbeschränkungen gibt es im Berchtesgadener Land. Mitte Oktober 2020 verhängte Ministerpräsident Söder gemeinsam mit Landrat Bernhard Kern einen “Sozusagen”-Lockdown für den Landkreis. Bisher hat er noch kein Ende, denn zwei Wochen später ging er in einen Lockdown “light” über, welcher immer weiter verschärft wurde. Bis jetzt haben noch immer die meisten Geschäfte, Schulen, die Hotellerie und Gastronomie geschlossen. 

Geschlossen hat auch das Dr. Hugo-Beck-Haus, eine beliebte Berghütte am Jenner in den Berchtesgadener Alpen. Eigentlich lockt die Hütte Sommer wie Winter zahlreiche Wanderer und Skibergsteiger an. Aktuell bietet das Dr. Hugo-Beck-Haus jedoch nur einen “To-Go-Service” für vorbeikommende Bergsportler. Denn die Gastronomie hat nach wie vor geschlossen

“Der Lockdown aus der Sicht eines Hüttenwirtes”

Dem Hüttenwirt Patrick Walser reicht es jetzt. Im Herbst habe man noch fleißig in ein Hygienekonzept investiert, schreibt er auf seiner Hütten-Website, um die Wintersaison noch zu retten. Gebracht haben die Investitionen nichts. Die neu gekauften Tische und Trennwände kamen noch nicht einmal zum Einsatz, denn eine Wintersaison wie man sie kennt, gab es nie.

Der “To-Go”-Verkauf, der je nach Corona- und Wetterlage auf der Hütte angeboten wird, stünde mit den Einnahmen jedoch “in keiner Relation” mit den Ausgaben. Essen und Trinken ist außerdem auf dem Grundstück der Hütte verboten, auch die Toiletten müssen geschlossen bleiben. Gäste dürfen die Speisen also nur abholen. 

Man sollte dabei nicht außer Acht lassen, dass sich die Hütte natürlich in den Bergen befindet. Einfach mal schnell was zu Essen bestellen wie in einer Stadt passiert hier eher nicht. Zumindest eine kleine Wanderung ist mit jeder Essens-Abholung verbunden. 

Wo bleibt die Perspektive?

Corona-Hilfen hat auch Walser für seine Berghütte erhalten. Bei Fixkosten von rund 6.000 Euro seien sie aber auch nur “ein Tropfen auf dem heißen Stein”. Und wie geht es jetzt weiter? Einen Kredit habe der Wirt aufgenommen, schließlich sei ihnen auch eine Perspektive versprochen worden.

Nach den neuesten Bestimmungen der bayerischen Regierung dürfen Gastronomen frühestens ab 22. März ihren Außenbereich für Gäste öffnen. Die Öffnungsschritte sind dabei abhängig von der jeweiligen 7-Tages-Inzidenz. Ist der Wert in den letzten 14 Tagen stabil bei 50 oder niedriger gewesen, darf die Außengastronomie öffnen. Liegt der Wert zwischen 50 und 100 ebenfalls für 14 Tage, darf der Außenbereich ebenfalls geöffnet werden. Jedoch müssen die Gäste vorher einen Termin buchen, ihre Kontaktdaten zur Nachverfolgung angeben und gegebenenfalls sogar ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen. Hinzu kommt, dass ab einer 7-Tages-Inzidenz von über 100 auch die Außengastronomie wieder schließen muss.

Maßnahmen auf der Berghütte umsetzbar?

Walser bringt es auf den Punkt: „freilich, ich stelle meine Mitarbeiter wieder ein und sag, dass wir den Dienstplan nur für zwei Tage im Voraus schreiben können. Und sie rechnen müssen, dass es sein kann, dass wir am nächsten Tag nicht mehr aufsperren dürfen“.

Dazu kommt die spezielle Lage der Berghütte. In der Regel planen Gastronomen vor und kaufen Lebensmittel für einen bestimmten Zeitraum ein. In den Bergen erfordert dies noch einmal mehr Planung, schließlich ist der Weg zum nächsten Lebensmittelgeschäft weit beschwerlicher als in einer Stadt im Tal.

Auch zu der geplanten Tischreservierung und dem notwendigen negativen Corona-Testergebnis hat der junge Wirt eine Meinung: „Jetzt auch noch ein Testergebnis vorlegen lassen, das wird uns die Gäste vertreiben“, und natürlich könne man vorher einen Tisch bestellen, „bei einer Gastronomie am Berg, wo man genau sagen kann, wann man vom Berg wieder zurück ist - und sich schon in der Früh entscheidet, wo man hingeht“, fügt er ironisch hinzu.

Die Bestimmungen möchte der Wirt umsetzen, eine Perspektive sei es für ihn aber nicht. Für ihn wäre es mit diesen Bestimmungen besser, er sperre seine Hütte zu und suche sich einen neuen Job, wie er in dem Blogeintrag weiter schreibt.

Würde er sich einen anderen Job suchen ...

  • „… dann hob i vielleicht wieder Nächte wo i durchschlofn ko
  • … muas I ma ned jeden Dog Gedanken machen wie i des übersteh
  • … wie vui Schuidn i nu auf mi nehmen muas
  • … wie i mit meinen Mitarbeiter weiter moch
  • … wie des ois weiter geht“

Sein Wunsch ist, dass die Politik mehr für kleine Betriebe macht und hofft, dass „endlich mal eine vernünftige Perspektive geboten wird“.

ce

Rubriklistenbild: © Berchtesgadener Land Tourismus

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