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Klage gegen Königssee-Hotel

Hotelprojekt mit vielen Kritikpunkten: Naturschutzbund vor Verwaltungsgericht gegen Bebauungsplan

Ein Modell der Neubauten am Königssee in früher Fassung. Oben im Bild: der Königssee.
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Ein Modell der Neubauten am Königssee in früher Fassung. Oben im Bild: der Königssee.

Das Hotelprojekt am Königssee mit mehr als 600 geplanten Betten beschäftigt erneut die Richter: Der Bund Naturschutz in Bayern und der Landesbund für Vogelschutz haben vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einen Normenkontrollantrag eingereicht, wie Kreisvorsitzende Rita Poser auf Nachfrage bestätigt.

Schönau am Königssee - 129 Seiten umfasst die vorliegende Antragsbegründung. Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp bedauert die Entwicklung, wie er in der jüngsten Gemeinderatssitzung sagte. Das Projekt könnte sich dadurch deutlich verzögern.

Mit dem Großprojekt unweit des Königssee-Ufers verfolgt die Gemeinde einen Plan, der schon seit vielen Jahren auf dem Tisch liegt: Ein großes Hotel an einem der beliebtesten und besucherstärksten Seen Bayerns. Doch die Verwirklichung wird sich nun erst mal verzögern, nachdem der von der Gemeinde im April dieses Jahres erlassene Bebauungsplan von den Umweltverbänden angegriffen wurde. Aus Sicht der Kläger enthalte der Bebauungsplan „viele Mängel, die sich auf dessen Wirksamkeit durchschlagen dürften”, heißt es.

Hochwassergefahr wird mit Bebauungsplan „nicht gelöst“

Mit dem Bebauungsplan hatte die Gemeinde Schönau am Königssee die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Errichtung des seit Jahren im Gespräch befindlichen Hotels geschaffen, dessen Stammhaus über 20 Meter hoch und rund 100 Meter lang sein soll. „Aufgrund der im Gebiet bestehenden Hochwassergefahr soll der Pletzgraben ausgebaut und weiter verrohrt werden. Die mit diesem Ausbau verbundenen Fragestellungen wurden aber nicht im Bauleitplanverfahren geklärt, sondern auf ein separates Planfeststellungsverfahren verlagert”, heißt es in einem Schreiben der Rechtsanwaltskanzlei Baumann, die Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz vertritt. 

Die Umweltverbände üben etwa Kritik, dass das Thema der Hochwasserproblematik im Rahmen des Bebauungsplans „nicht gelöst wird”. Die Problematik werde auf ein Planfeststellungsverfahren verlagert, dessen Ende noch nicht in Sicht ist. Zudem werde nicht sichergestellt, „dass die Festsetzungen des Bebauungsplans mit der Fachplanung zum Ausbau des Pletzgrabens übereinstimmen”, heißt es im Anwaltsschreiben. 

Kritik: Ensemble im „traditionellen Stil“ durch Vorhaben möglicherweise „erheblich verändert“

Bund Naturschutz-Vorsitzende Rita Poser: Gemeinsam mit dem Landesbund für Vogelschutz geht sie nun gerichtlich gegen den Bebauungsplan vor.

Rita Poser hatte bei mehreren Gelegenheiten Kritik am geplanten Hotelgebäude geäußert. Auch damit soll sich nun der Bayerische Verwaltungsgerichtshof beschäftigen. Das Stammhaus mit 135 Zimmer füge sich nicht in die Umgebung des geplanten Standortes ein, der eine Minute vom Königssee entfernt liegt. Der nebenan liegende, als Naturdenkmal ausgezeichnete Löwenstein mit einer Höhe von knapp 16 Meter würde vom Hotel deutlich überragt werden. Der Ortsteil mit denkmalgeschütztem Ensemble sei durch eine „kleinteilige Bebauung im traditionellen Stil” geprägt. Allerdings, so die Kritik der Umweltverbände, würde das Vorhaben die bauliche Struktur „erheblich verändern”. Einwände des Landesamtes für Denkmalpflege seien nicht hinreichend berücksichtigt worden, heißt es in der Antragsbegründung - vor allem in Bezug auf das ehemalige Bahnhofsgebäude an der Seestraße.

Die Befürchtung von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz: eine massive Bebauung mit „überdimensionierten Baukörpern, die die schützenswerte Blickbeziehung vom Königssee dauerhaft beeinträchtigen” würden. 

„Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft”

Etliche Bund Naturschutz-Vertreter hatten erst kürzlich während der Jahreshauptversammlung des Kreisverbands Berchtesgadener Land ihren Unmut über das Projekt laut kundgetan. Mit der vertretenden Anwaltskanzlei fühlt man sich auf gutem Posten, immerhin kann man Erfolge vorweisen, so etwa in der Sache Villa Schön. Das Grundstück, auf dem mehrere Wohnhäuser verwirklicht werden sollten, gilt seit der Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshof als Außenbereich. Landratsamt und Gemeinde hatten das Areal dem Innenbereich zugeordnet.

Rita Poser begrüßt die Tatsache, dass das Königssee-Gelände eine neue Nutzung erhalten soll. Ablehnend steht sie allerdings einer radikalen Veränderung des Orts- und Landschaftsbildes am besucherstarken Königssee gegenüber, der mit einer besonderen „Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft” überzeuge. 

Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp bedauert die erneute gerichtliche Auseinandersetzung mit den Umweltverbänden: „Wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht bei dem Hotelprojekt. Wir haben versucht, es auf dem richtigen Weg zu halten.” Etliche Änderungen wurden getroffen, alle geplanten Waldzimmer gestrichen, „es gibt nun eine gestaffelte Höhenentwicklung”. Die Klage werfe das Projekt zeitlich zurück. „Jetzt steht alles erst mal wieder. Solange, bis das Gericht entscheidet.” 

kp

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