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Zurück im Massentourismus

Lange Schlangen, sengende Hitze, Parkplatzmangel - Besucheransturm am Königssee

Der Tourismus boomt wieder. Noch fehlen aber die Tagesgäste. Die Belegungszahlen der touristischen Betriebe orientieren sich aber am Jahr 2019.
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Der Tourismus boomt wieder. Noch fehlen aber die Tagesgäste. Die Belegungszahlen der touristischen Betriebe orientieren sich aber am Jahr 2019.

Nach den Jahren des Verzichts ist der Königssee wieder Ausflugsziel Nummer eins. Die Auslastung der Beherbergungsbetriebe sei vergleichbar mit dem Vor-Corona-Jahr 2019, heißt es beim Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden. Besuch an einem Ort, an dem Masse über alles geht.

Schönau am Königssee – Wenn mehr als 2300 Parkplätze nicht mehr reichen, pachtet sich Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp zusätzlich das Grafenbauerfeld. Der Großparkplatz Königssee ist weit und breit der größte Parkplatz in der Region. Im Juli 2019 zählte die Gemeinde hier 54000 Parkende. Vergangenen Juli, bei der letzten Erhebung, lagen die Belegungszahlen zwar noch 16 Prozent unter Vor-Corona-Niveau. Und trotzdem tun sich Urlauber an sommerlichen Augusttagen mittlerweile wieder schwer, einen Parkplatz zu finden. „Es ist richtig viel los”, sagt eine Mitarbeiterin der Touristinformation.

Werner Herbst will sein Auto tanken. Er braucht Strom. Am Königssee gibt es insgesamt drei Ladesäulen. Alle sind besetzt. „Ein paar mehr könnten es schon sein”, wünscht sich der Urlauber aus dem hohen Norden. Dann eben nicht tanken, sondern direkt zum See. 

Vom Parkplatz aus schiebt sich die Masse durch die Seestraße in Richtung Seelände.

Voll belegt: der Parkplatz am Königssee

Die Seestraße ist die längste touristisch geprägte Flaniermeile weit und breit. Hier hat die Eiskugel die magische Zwei-Euro-Marke bereits erreicht. Im Vergleich dazu gibt es das Schnitzel mit Pommes für unschlagbare 8,90 Euro. Es gibt bayerische Brotzeitservietten, Holzschilder mit klugen Sprüchen („Hier wird gegrillt, gechillt und Bierchen gekillt”) und Magnetbildchen für den heimischen Kühlschrank. Sonnenhüte und Wanderstöcke dienen zur Verwendung, Mini-Glöckchen inklusive Bimmelfunktion zur Erinnerung. Auf fast jedem Objekt steht der “Königssee”-Brand geschrieben, ist eingraviert oder draufgeklebt. „Ich möchte ein Erinnerungsstück vom Königssee nach Hause mitnehmen”, sagt Magda Bromm, die sich für eine hölzerne Silhouette eines Königssee-Schiffes entschieden hat. 

Die Seelände ist das Ziel eines jeden Touristen. Dort erwarten 18 Elektroboote die Gäste zur Überfahrt über den Königssee. 50 Mitarbeiter hat Marcus Weisbecker, Prokurist der Bayerischen Seenschifffahrt, in der Hauptsaison für den Fahrbetrieb abgestellt. Er sagt: „Natürlich entwickeln sich die Zahlen besser als in 2021. Das liegt alleine schon daran, dass wir vergangenes Jahr aufgrund der Pandemie an 163 Tagen den Fahrbetrieb einstellen mussten.” Heuer ist für die Bayerische Seenschifffahrt also eine Bewährungsprobe. Es ist ein Versuch, an das Jahr 2019 anzuknüpfen, in dem noch alles normal war. Dicht gedrängt sind die Warteschlangen vor den Stegen. Vier Elektroboote, darunter die namensgleiche „Königssee”, liegen zeitgleich an der Seelände. In sengender Hitze warten die Gäste, das Boot betreten zu dürfen. Heute geht es Knall auf Fall, eine Überfahrt folgt auf die nächste. Dennoch kann man bei der Schifffahrt Königssee noch nicht an das Jahr 2019 anknüpfen.

„Im Mittel werden etwa 800 Personen weniger pro Tag befördert - und dies bei besten Wetterbedingungen”, sagt Marcus Weisbecker. Zwischen 4000 und bis zu 6000 Personen können pro Tag mit den Booten transportiert werden. Der Königssee tue sich vergleichsweise aber noch schwer, weiß der Prokurist. Das für den Touristensee wichtige Gruppengeschäft verläuft weiterhin schleppend. Der Auslandsmarkt ist weit vom ursprünglichen Niveau entfernt, auch wenn die Belegungszahlen im Zweckverband anderes vermuten lassen. Vor allem fehlen die asiatischen Touristen, die aufgrund von Corona ausgeblieben waren und weiterhin auf sich warten lassen. 

Am Ammersee, Starnberger See und Tegernsee, ebenfalls zur Bayerischen Seenschifffahrt gehörend, läuft es deutlich besser, sagt Weisbecker, der alle bayerischen Schifffahrtsseen im Blick hat. „Hier können wir bereits wieder an die Werte von 2019 anknüpfen.” Bei den Schifffahrten Ammersee und Starnberger See ist der Auslandsmarkt zudem von nachrangiger Bedeutung. “Die beiden Seen leben in erster Linie vom Tagesausflügler aus München und Augsburg.”

Unter Touristikern erkennt man zwar ein Licht am Ende des Tunnels: Bei den Tagesgästen stellen die Verantwortlichen des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden aber noch ein deutliches Minus fest. „Vor allem das Busreisegeschäft ist noch lange nicht wieder bei 100 Prozent”, weiß Teresa Hallinger, Abteilungsleiterin Destinationsmanagement. 

Im Corona-Jahr 2020 hatte der Tourismus Oberbayern München bei einer Tourismusberatung in München eine Analyse in Auftrag gegeben, die den Wirtschaftsfaktor von Urlaubenden für das Berchtesgadener Land beleuchtet. Auf 42 Seiten legen die Experten die Zahl der Tagesausflügler für den Landkreis dar (6,3 Millionen), summierten die Anzahl der Übernachtungen in Hotels und Pensionen (3,8 Millionen) und errechneten den touristischen Gesamtumsatz (587,3 Millionen Euro). Laut Analyse erwirtschafteten die Tagesgäste vor Corona allein einen Umsatz von 165 Millionen Euro. Damals lautete die Prognose: „Die Tourismusbranche trifft es extrem hart und sie wird eine lange Erholungsphase benötigen.”

Ist die touristische Rekonvaleszenzphase vorüber? Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp will nicht klagen. Im Gegenteil: „Die vergangenen Tage waren sehr gut.” Extrem viele Besucher, die Parkplätze von Jennerbahn und Königssee als Maßgeber waren voll belegt. Am Königssee ist die Hölle los. Wenn die nächsten Wochen so weitergehen, dann kann man schon zufrieden sein, sagt er. 

kp

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