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Hautnah dabei - Teil 1 der Reportage

„Keine Angst, aber eine gehörige Portion Respekt“: Feuerwehrler berichtet über Einsatz im BGL

Feuerwehren aus dem Landkreis Traunstein beim Hochwasser in Schönau am Königssee im Einsatz
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Gemeinsam mit den Freiwilligen Feuerwehren aus Surberg, Albertaich, Heiligkreuz und Engelsberg machten sich die Einsatzkräfte aus Chieming im Konvoi auf den Weg nach Schönau am Königssee.

Am 17. Juli wurde das Berchtesgadener Land von heftigem Starkregen heimgesucht, die Feuerwehren waren auch am Sonntag noch im Dauereinsatz. Teilweise wurden Wehren aus über 70 Kilometer Entfernung alarmiert - wie beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr Chieming, die in Schönau am Königssee gegen die Wassermassen kämpfte. OVB24-Volontär Sebastian Aicher ist selbst ehrenamtlich bei den Chieminger Floriansjüngern aktiv und berichtet in einer zweiteiligen Reportage über seine Eindrücke des Einsatzes.

Schönau am Königssee/Chieming - „Stell dir vor, es brennt und keiner kommt“, so heißt der Werbeslogan der Feuerwehren in Deutschland. Doch „wir“ kommen nicht nur, wenn es brennt - auch beim krassen Gegenteil wie bei Hochwasser-Einsätzen sind wir im Einsatz. Wir? Richtig. Wir, die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren. Ich selbst bin inzwischen seit zehn Jahren bei der Feuerwehr Chieming tätig. Angefangen hat meine Laufbahn bei der Feuerwehr bereits 2011, damals noch in der Jugendfeuerwehr. Seit 2013 bin ich im aktiven Dienst tätig und habe dementsprechend schon einige Einsätze hinter mir. Am vergangenen Wochenende kam wieder einer dazu - im Rahmen des verheerenden Hochwassers im Berchtesgadener Land.

„Wir wussten, dass etwas auf unsere Region zukommt“

Doch erst einmal der Reihe nach... Schon am Freitag (16. Juli) wurde vor heftigem Starkregen in der Region gewarnt, ich selbst habe hier auf dem Portal am Abend in einer Vorausmeldung noch die Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für das Berchtesgadener Land weitergegeben. Es war also klar, dass etwas auf unsere Region zukommt, doch in welchem Ausmaß es sein wird konnte zu dieser Zeit noch niemand ahnen.

Anfangs blieb es allerdings lange ruhig für uns hier in Chieming. Als Gerätewart unserer Wehr habe ich trotzdem am Samstagnachmittag vorsichtshalber nochmal das bei Hochwasser-Einsätzen wichtige Equipment wie Pumpen und Stromaggregate durchgecheckt, damit im Ernstfall auch wirklich sofort alles startklar wäre. Am späten Nachmittag, beziehungsweise frühen Abend, wurden dann die ersten Einsätze in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land bekannt. Während es im Großraum Reit im Winkl aufgrund der starken Niederschläge zu kleineren Überflutungen kam, wurde Bischofswiesen wie bereits vor gut einem Monat erneut Opfer einer Sturzflut.

Bereits gegen 21.20 Uhr bestätigte Kreisbrandrat Josef Kaltner gegenüber BGLand24.de weit über 100 Einsätze im Landkreis aufgrund der Wassermassen. Natürlich habe ich das Geschehen im Berchtesgadener Land den Abend über genauestens verfolgt, schließlich war auch noch genug Zeit dafür, bei uns in Chieming war es ruhig und kein Eingreifen durch uns Feuerwehrler erforderlich.

Alarmierung gegen 23.30 Uhr

Das änderte sich jedoch gegen 23.30 Uhr schlagartig, als unsere Funkmeldeempfänger auslösten. Gemeinsam mit den Freiwilligen Feuerwehren aus Surberg, Albertaich, Heiligkreuz und Engelsberg wurden wir als Unterstützung für die Einsatzkräfte ins Berchtesgadener Land alarmiert. Mit unserem Mehrzweckfahrzeug sowie unserem Löschfahrzeug fuhren wir zuerst zur Sammelstelle im Gewerbegebiet Aiging im Gemeindegebiet Nußdorf im Chiemgau. Bereits auf den rund zehn Minuten Anfahrt dorthin wurde natürlich viel spekuliert. Für uns war eigentlich klar, dass es angesichts der Nachrichtenlage wohl in Richtung Bischofswiesen gehen wird, doch es sollte anders kommen.

Am Bereitstellungsplatz in Aiging angekommen bekamen wir schließlich unser konkretes Ziel mitgeteilt. In der Gemeinde Schönau am Königssee solle es wohl auch zahlreiche Einsätze geben, am dortigen Feuerwehrhaus würde man uns bereits erwarten. Im Konvoi machten wir uns dann also mit insgesamt sieben weiteren Fahrzeugen um etwa 0.45 Uhr auf die Reise. Über Traunstein ging es auf die A8 bis Piding, von dort aus über Bad Reichenhall und Ramsau bis nach Schönau - etwa anderthalb Stunden dauerte die Anfahrt. Und natürlich wurde auch während dieser Zeit viel diskutiert und spekuliert. Wie mag es wohl dort in Schönau aussehen? Was erwartet uns dort? Müssen wir vielleicht sogar mit Toten rechnen?

Keine Angst, aber eine gehörige Portion Respekt

Ausnahmslos jeder von uns hatte zuerst einmal die schrecklichen Bilder aus Nordrhein-Westfahlen und Rheinland-Pfalz im Hinterkopf, wo in manchen Gebieten nach einer Flut-Katastrophe ganze Ortschaften zerstört wurden. Unweigerlich damit verbunden waren dementsprechend auch die Gedanken an die vier Feuerwehrmänner, welche gekommen waren um den Betroffenen zu helfen, jedoch im Anschluss nicht mehr zurück zu ihren Familien kehren konnten und im Einsatz auf tragische Weise verstarben. Es war also auch eine gewisse Anspannung in unserem Einsatzfahrzeug zu spüren. Es ist nicht so, als hätten wir Angst vor dem anstehenden Einsatz gehabt, aber eine gehörige Portion Respekt war durchaus dabei.

Diesen Respekt verstärkte auf der Fahrt nach Schönau außerdem die Meldung über ein erstes Todesopfer im Landkreis Berchtesgadener Land nach dem folgenschweren Starkregen. Während man in den sozialen Medien und auch auf den Nachrichtenseiten bereits erste Bilder und konkrete Informationen über die Lage in Bischofswiesen sehen konnte, hatten wir weiterhin noch keine Anhaltspunkte über die Situation in unserem Einsatzgebiet unweit des Königssees. War es dort eventuell sogar noch schlimmer als in Bischofswiesen, sodass wie in NRW das Mobilfunknetz zusammengebrochen war? Oder kam in Schönau das Wasser vielleicht erst später und es gibt deshalb noch keine öffentlichen Informationen? Diese und viele andere Gedanken kreisten in unseren Köpfen.

Blaulichter zucken durch die stockfinstere Nacht

In der stockfinsteren Nacht fiel es uns teilweise schwer, uns zu orientieren - schließlich sind die Straßen jenseits von Bad Reichenhall für uns Chieminger Feuerwehrler nicht wirklich unsere „Hausstrecke“. Wir folgten dem Konvoi einfach, die grellen Blaulichter erhellten die Nacht immer wieder für Bruchteile von Sekunden. Die Blicke aus dem Mannschaftsraum wechselten immer wieder von einem Fenster zum anderen. Kann man vielleicht irgendwo etwas neben der Straße erkennen, was bereits erste Rückschlüsse auf das Ausmaß der Naturgewalt zulassen könnte? Je weiter wir ins Berchtesgadener Land kamen, umso höher stand das Wasser in Wiesen und umso öfter kamen wir an Stellen, auf denen Kies und Dreck auf die Straßen gespült wurde. Kleinere Bäche unweit der Straßen hatten sich stellenweise schon zu reißenden Flüssen entwickelt und die Anspannung stieg weiter an.

Anfahrt erschien endlos

Gegen 2.15 Uhr waren wir dann nach schier endlos erscheinender Fahrt endlich in Schönau am Königssee angekommen. Das dortige Feuerwehrhaus war unsere erste Anlaufstelle, dort waren bereits zahlreiche Einsatzfahrzeuge und warteten wie auch wir auf erste Aufträge. Direkt neben dem Gerätehaus wurde auch bereits fleißig gearbeitet und gepumpt. Offenbar machte das Wasser auch vor einem Autohaus nicht halt, im Hinterhof waren einige Pumpen zu hören, etwa vier bis fünf Schläuche gingen quer über die Ausstellungsfläche zwischen den Autos hindurch. Nach wenigen Minuten wussten unsere Führungskräfte über die Lage Bescheid und wir erhielten unseren ersten Auftrag.

Dass wir an einer Einsatzstelle im Verlauf der Nacht beziehungsweise des Morgens noch über vier Stunden verharren sollten, wussten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht. Ebensowenig wussten wir, wie dankbar die Betroffenen uns gegenüber sein werden und welche Gespräche mit den Anwohnern uns in Erinnerung bleiben werden. Mehr dazu gibt es in einem zweiten Teil dieser Reportage.

aic

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