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„Noch einmal vor Zuschauern fahren“

Bob-Pilot Hansi Lochner hat nach Doppel-Silber bei Olympia neue Ziele

Im Grunde ist es für Bob-Pilot Hansi Lochner in China optimal gelaufen. Entsprechend ist die Freude darüber, das große Ziel endlich erreicht zu haben.
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Im Grunde ist es für Bob-Pilot Hansi Lochner in China optimal gelaufen. Entsprechend ist die Freude darüber, das große Ziel endlich erreicht zu haben.

Mit Schmerzen im linken Oberschenkel, den er mittlerweile nicht mehr über die Hüfte angehoben bekommt, holte Bob-Pilot Johannes Lochner aus Schönau am Königssee zweimal Olympia-Silber in Peking – im kleinen Zweier- und im großen Vierer-Schlitten. Jetzt hat der 31-Jährige drei zentrale Wünsche.

Schönau am Königssee Erstens gesund werden – eingehende Untersuchungen, woher die Verletzung rührt, mit der er fast die ganze Saison unterwegs war, folgen in diesem Frühjahr –, zweitens „noch einmal vor Zuschauern fahren“, drittens „den Franz schlagen“. Damit meint Hansi Lochner natürlich den unnachahmlichen Francesco Friedrich, der seit mittlerweile über vier Jahren die Szenerie in den Bobbahnen dieser Welt beherrscht.

„Ich möchte nochmal an eine Bahn kommen und dieses ganz besondere Flair spüren. Zwei Jahre hatten wir das jetzt nicht. Die Zuschauer fehlen, die Freunde und die Familie. Wir fahren auf den immer gleichen Bahnen und hängen nur noch in Innsbruck, Winterberg und Altenberg rum. Ich würde so gern wieder eine coole Tour durch Nordamerika erleben.“ Zum Glück hat er all das bereits „erlebt“, dazu 2017 eine Heim-WM „zum Niederknien“ inklusive Titel im Vierer, mit tausenden Menschen an der Königsseer Bahn.

Lochners Wunsch, nochmal vor Fans zu fahren, assoziiert die Vermutung, er könnte weitermachen. Doch die Karriere-Fortsetzung steht aktuell komplett in den Sternen. Ob es für ihn im Schlittensport weitergeht, ist völlig offen. Die oft im „Olympia-Zyklus“ abgeschlossenen Sponsoren-Verträge liefen mit dem Ende der Spiele in China aus, das Leasing für den Bob-Transporter und die Teamfahrzeuge ebenfalls, die Finanzierung ist offen. Zudem sollen die Bobs im Sommer „angepasst“ werden, der Weltverband IBSF strebt eine größere Chancengleichheit an. Im Grunde soll damit die – durch deutlich mehr Akribie erreichte – deutsche Dominanz „eingebremst“ werden.

„Wir, mein Team und ich, würden mit den Materialtests quasi bei Null anfangen“, sagt Lochner. Ob er sich das alles nochmal antut, vor allem angesichts seiner beruflichen Situation, ist die große Frage: „Ich werde jetzt in Ruhe alles analysieren und im Sommer entscheiden, was ich mache.“ Bei einer dreiwöchigen Reise durch Costa Rica und die USA im April/Mai mit Freundin Hannah möchte er den Kopf freikriegen und danach wissen, was folgen soll

Italien 2026 ist fix kein Thema

Bislang steht im Hause Lochner lediglich fest: „Bis Olympia 2026 in Italien fahr ich sicher nicht weiter. Peking waren meine letzten Spiele“. Alterstechnisch hatte Lochner „ein wenig Pech“, weil er 2014 noch Anschieber bei Matthias Böhmer war. 2026 wäre er 35, das ginge zwar noch – der gleich-„alte“ Friedrich will bis dahin weitermachen –, doch beim Schönauer spielen eben viele andere Dinge mit rein.

Sein Elektrotechnik-Studium hat er im Oktober letzten Jahres abgeschlossen, den Master in der Tasche. Jetzt geht‘s darum, beruflich ein solides Standbein zu schaffen. „Seit dem Herbst gab‘s für mich nur noch Olympia, alles andere habe ich ausgeblendet und auf die Zeit nach den Spielen geschoben. Es hat sich gelohnt. Jetzt muss ich für mich eruieren, was möglich und machbar ist.“ Weitere vier Jahre Energie in die Bob-Leidenschaft stecken kommt für Lochner nicht mehr infrage: „Unter anderem, weil die Bahn am Königssee so brutal fehlt, fürs Training vor der Haustür, für den schönsten Weltcup der Saison.“

In China lief’s optimal, wie Hansi Lochner sagt, weil Francesco Friedrich in einer eigenen Liga fährt: „Den Franz schlägst du nur, wenn er Fehler macht und du selbst einen absoluten Traumlauf hinlegst.“ Das war im ersten Vierer-Durchgang so, aber eben „nur“ einmal. Deshalb ist der Schönauer mit zweimal Silber absolut mit sich im Reinen. „Ich wollte endlich diese Olympia-Medaille, jetzt sind‘s sogar zwei“, strahlt er im Saison-Bilanz-Gespräch übers ganze Gesicht.

„Im Vierer war‘s wie in einem ganz normalen Rennen“, erzählt er. Im Zweier davor, noch ohne irgendetwas in der Hand, seien ihm schon „brutal viele Gedanken“ durch den Kopf geschossen, am Start, im Rennen. „Es ist krass, weil du an so viel Sch… denken musst, dass jetzt endlich mal alles passen und nichts schiefgehen sollte. Das kannst irgendwie nicht abstellen.“

Als er schließlich die erste Medaille zusammen mit Anschieber Florian Bauer in der Tasche hatte, war der Rest Genuss pur – mit Bauer, Christopher Weber und Christian Rasp im Vierer gelang gleich nochmal Platz 2. „Aber vor jedem Lauf denk ich mir schon ,oiso Lochner, zammreiß‘n jetzt‘, das ist klar“, lacht der gebürtige Berchtesgadener. Zwischen Tag eins und zwei „schlief ich wie ein Baby, das ist bei mir nie ein Problem“.

Plakativer Empfang daheim: Am Donnerstag steigt ab 18 Uhr das „offizielle, öffentliche Wiedersehen“ in Berchtesgaden mit allen heimischen Olympioniken im Kurgarten.

Physios machten ihn wieder locker

Mit „schiefgehen“ meint der 14-fache Weltcupsieger seine Oberschenkel-Blessur, die ihn schon seit dem zweiten Weltcup-Wochenende in Altenberg Anfang Dezember plagte. Und so hing über seinem Olympia-Start stets das Damoklesschwert des möglichen Scheiterns. Beim letzten Weltcup vor Peking in St. Moritz konnte er kaum noch laufen, doch irgendwie bekamen ihn die Physios immer wieder hin. Nach jedem Lauf lag Lochner auf der Massagebank und „wurde locker gemacht“. Vermutlich strahlt irgendwas vom Rücken aus. „Bei Olympia machte die Verletzung sicher zwei drei Hundertstel am Start aus“, weiß der für den BC Stuttgart Solitude startende Pilot, der im Gesamt-Weltcup Vierter geworden war.

Der bei Hansi Lochner so wichtige Wohlfühl-Modus war in China gegeben, trotz der Umstände in einem schwierigen Land. „Ich wusste schon nach der ersten Begehung bei unserem Lehrgang im Oktober, dass diese Bahn für mich passt – ohne, dass ich einmal dort gefahren wäre.“ Das Drumherum hatte er sich viel schlimmer vorgestellt, darum war es für ihn in Ordnung, weil „alles viel besser“ war: „Die Zimmer ordentlich, das Essen gut. An der Bahn selbst hat sowieso alles gepasst, wir hatten nur ein einziges Mal eine zeitliche Verzögerung beim Training.“

Er sei sogar traurig gewesen, als alles vorbei war und das Flugzeug wieder Richtung Heimat abhob – wenngleich das Nachhause-Kommen nach so langer Zeit natürlich ebenfalls einzigartig ist. Eltern und Freunde fuhren spontan nach München, um ihren Hansi in die Arme zu nehmen, nachdem die Anreise nach Salzburg aufgrund eines Unwetters in letzter Minute geplatzt war. Emotionale Momente.

Die WM 2023 in St. Moritz würde ihn freilich „extrem reizen“, auf dieser einzigartigen Natureisbahn, die Jahr für Jahr „anders steht“ und deshalb eine ganz besondere Herausforderung darstellt. „Vor allem, wenn sie mit Zuschauern stattfinden sollte, wäre das ein unvergleichbares Karriereende – und natürlich würde ich dann auch sehr gern den Franz schlagen wollen. Gerade St. Moritz ist ein Ort, an dem Überraschungen möglich sind“. Der WM-Titel an der Wiege seines Sports wäre für Hansi Lochner ein Traum und der perfekte Abschluss.

bit

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