Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Wir wollten mal unser eigenes Ding durchziehen“

„Berchtesgadener Goassen“ wollen als Ziegen verkleidet für Stimmung im Fasching sorgen

Aus Holz geschnitzt: die Ziegen-Maske als Wiedererkennungszeichen für den Berchtesgadener Fasching. Rechts Sabine Strobl, BÖF-Landespräsidentin (links), Tanja Mißfeldt und der mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnete Andreas Heilmann.
+
Aus Holz geschnitzt: die Ziegen-Maske als Wiedererkennungszeichen für den Berchtesgadener Fasching. Rechts Sabine Strobl, BÖF-Landespräsidentin (links), Tanja Mißfeldt und der mit dem Bundesverdienstorden ausgezeichnete Andreas Heilmann.

Früher waren sie Berchtesgadens Prinzenpaar, seit sieben Jahren sind Andreas Heilmann und Partnerin Tanja Mißfeldt die “Berchtesgadener Goassen”. Weil die Faschingsgilde im Ort aufgelöst wurde, geht es nun in Ziegenkostümierung in die fünfte Jahreszeit. Bei der Jahreshauptversammlung gab es eine ganz besondere Ehrung für einen Narren: den Bundesverdienstorden.

Schönau am Königssee - Andreas Heilmann fehlen die Worte. Er schnappt nach Luft, verschluckt die Worte. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich bin fertig”, sagt er schließlich. Soeben hat er den Bundesverdienstorden erhalten. Nicht etwa die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland, sondern jene, die der Bund Österreichischer Faschingsgilden (BÖF) zu vergeben hat. „Für Verdienste um den Fasching in Österreich” steht auf der „Ordensurkunde”. Überreicht hat das gestaltete Stück Blech Sabine Strobl, Präsidentin der „1. Großen Salzburger Gesellschaft Faschingsgilde”, der ältesten Faschingsgilde Österreichs, die gleichzeitig stellvertretende BÖF-Landespräsidentin ist. 

Berchtesgadener Goassen sind ein Unikum

Als Berchtesgadener Goassen sind Andreas Heilmann und Tanja Mißfeldt weit und breit ein Unikum. Mit geschnitzten Ziegenmasken und gehüllt in eine Latzhose mit rot-blauen Filzstreifen erinnert die Kostümierung farblich an das rot-blaue Wappen Berchtesgadens sowie an die in der Versenkung verschwundenen Faschingsfreunde Rot-Blau, die sich als letzte verbliebene Faschingsvertreter Berchtesgadens vor ein paar Jahren aufgelöst hatten. Hinter sich her ziehen die Goassen eine Holzfigur auf Rädern, den „Gustl”

„Wir wollten mal unser eigenes Ding durchziehen und die Extrigen sein“ - das hat Andreas Heilmann mal über seine Rolle als offizielle Faschingsziege gesagt. Seit mehr als 40 Jahren ist der Mittfünfziger im Fasching aktiv. Für ihn ist es die schönste Zeit des Jahres. Verkleiden ist für den Hausmeister der Gemeinde Schönau am Königssee große Leidenschaft.  

Das Ziegen-Duo setzt alles daran, „die fünfte Jahreszeit” im ansonsten faschingsmuffligen Berchtesgaden fortzuführen, koste es, was es wolle. Denn der Fasching hat es im Schatten von Schützen- und Trachtenvereinen in der Region schwer. 

Gruppe soll in Zukunft wachsen

Die Truppe Gleichgesinnter, die die beiden um sich schart, ist noch überschaubar, soll aber in Zukunft wachsen. „Während Corona ist faschingstechnisch leider nicht viel passiert”, sagt Andreas Heilmann. Im Hintergrund werkelte er mit seiner Partnerin an einem neuen Orden, der auch als Gastgeschenk für andere Vereine fungiert. Auch das Goassen-Outfit wurde ordentlich aufgehübscht. „Alles Handarbeit”, bekräftigt Heilmann. Einen Faschingsruf gibt es neuerdings auch: „Goassen: meck, meck.” Natürlich existiert auch eine passende Ziegenglocke als klingendes Wiedererkennungsmerkmal. Bei der Jahreshauptversammlung durften die Anwesenden schon mal ihr Können im Meckern als waschechte Geiß unter Beweis stellen. 

Mit dem Faschingsruf stellen sie sich dieses Jahr auch bei den Besuchen befreundeter Faschingsgilden vor, so etwa bei den Faschingsfreunden Blau-Weiß Kammer in Traunstein. Überhaupt soll die anstehende Faschingszeit für die beiden Goassen terminintensiv werden: Kindergartenbesuche im Ziegengewand, Narrensegnung in Salzburg, Nachtumzug in Kuchl, Besuche bei den Bock-Narren in Würzburg, Prinzenpaarvorstellungen - und auch das Schönauer Rathaus soll zum Faschingsbeginn am 11. November erobert werden. 

Weil es um den Fasching im Südosten Bayerns nicht gut bestellt ist, setzt man seit längerem auf eine Zusammenarbeit mit den benachbarten österreichischen Narren. Auf deutscher sowie österreichischer Seite ist man um gegenseitige Treffen bemüht

Wenn es nach Andreas Heilmann geht, soll auch die junge Generation vom Faschingsfieber infiziert werden: Tochter Valeska hat bereits ein eigenes Goassen-Kostüm und will in der närrischen Zeit unterstützen. Sie wäre dann die dritte Goass im Bunde.

kp

Kommentare