Paar will sich nach Urlaubsabbruch testen lassen - keine Einrichtung fühlt sich zuständig

Touristen mussten aus BGL abreisen: Ein Königreich für einen Corona-Test

Ehepaar Weiss Berchtesgadener Land
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Das Ehepaar Weiß wollte nach dem plötzlichen Ende ihres Urlaubes einen Corona-Test machen. Es folgte ein Marathon.

Schönau am Königssee - Petra und Stephan Weiß aus Steinen, Baden-Württemberg, wollten eigentlich einen entspannten Urlaub im Berchtesgadener Land verbringen. Dann kam ihnen der Lockdown in die Quere. In einer Nachricht an BGLand24.de erzählt das Paar ausführlich von den Schwierigkeiten, die ihre „erzwungene“ Abreise und die anschließenden Bemühungen nach einem Corona-Test zur Folge hatte.

Die Touristen wollten sich nach dem vorzeitigen Abbruch ihres Urlaubes in ihrer Heimat testen lassen. Was dann geschah, gleicht einer Odyssee: „Wir haben die Anordnungen respektiert, sind schweren Herzens am dritten Urlaubstag aus Schönau am Königsee abgereist, wo wir nur draußen zufällige Kontakte mit anderen Spaziergängern beziehungsweise Wanderern hatten und wollten der Aufforderung des bayerischen Staatskanzleichefs Herrmann nachkommen und uns zu Hause testen lassen“, so das Paar.


Nach Urlaub im Berchtesgadener Land: Reise durch Zuständigkeitsdschungel

Daraufhin begaben sich Petra und Stephan Weiß auf die Reise durch den Zuständigkeitsdschungel der Ämter und Arztpraxen, um sich auf Corona testen zu lassen. Schließlich kamen sie ja aus einem Risikogebiet.


Die Reise beginnt für das Ehepaar an einem Mittwoch, 8 Uhr. Nach ihrer Heimkehr versuchen die zwei Baden-Württemberger, beim zuständigen Ordnungsamt Informationen über das weitere Vorgehen einzuholen. Dort werden sie gebeten, sich an das Gesundheitsamt oder an Hausarzt zu wenden. Ein weiterer Anruf beim einem Arzt ergibt, dass sich die beiden nicht an die Fieberambulanz wenden dürfen. Ein Termin bei der einer Abstrichstelle müsse gemacht werden, so der Arzt.

Beim Ausfüllen des Online-Formulars fällt den Eheleuten auf, dass sich Reiserückkehrer aus deutschen Riskiogebieten nur durch eine Weiterleitung durch das Gesundheitsamt testen lassen dürfen.

Leitungen im Gesundheitsamt sind überlastet

Ein Anruf beim Gesundheitsamt schlägt fehl, da die Leitungen überlastet sind. Also schickt das Ehepaar Weiß eine Mail mit der Bitte um Hilfe. Währenddessen meldet sich das Gesundheitsamt: Für Reiserückkehrer seien keine Maßnahmen erforderlich oder vorgesehen. Die beiden sollen sich ganz normal verhalten. Um auf Nummer sicher zu gehen, ruft das Ehepaar erneut beim Ordnungsamt an. Der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung reagiert „fassungslos“ ob der Anweisung des Gesundheitsamtes.

Endlich ein Test!

Die beiden sollen sich unbedingt testen lassen, redet er eindringlich auf das Ehepaar ein. Schlussendlich gelingt es Petra und Stephan Weiß, einen Termin bei einem Arzt zu ergattern. Ein Abstrich wird gemacht. Die Eheleute gehen derweil in Quarantäne, bis das Ergebnis vorliegt. „Jetzt verbringen wir die ganze Zeit zu Hause, meiden jegliche Kontakte, unsere Töchter haben uns eingekauft und die Sachen vor die Türe gestellt.“ Mittlerweile hat das Paar einen negativen Test erhalten.

Das Ehepaar will wieder kommen

Ein Gedanke treibt die beiden aber um: „Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die bayerische Regierung hätte Vorort diese 2500 rausgejagten Touristen testen lassen, anstatt sie nach Hause zu schicken und sie den überall verschiedenen Maßnahmen auszusetzen?“

Die beiden glauben nicht, dass sich alle Reiserückkehrer diesem Marathon durch die verschiedenen Einrichtungen ausgesetzt haben, um zu einem Test zu kommen. „Und dann wundert man sich, dass bundesweit die Zahlen so ansteigen.“

Dem Berchtesgadner Land will das Paar allerdings auch in Zukunft die Treue halten: „Wir wünschen euch allen im schönen Berchtesgadener Land von Herzen alles Gute, kommt gut durch den Lockdown und wir kommen ganz bestimmt wieder“

fgr

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