Unterstützung die von Herzen kommt: Die Karakorum-Hilfe

"Ich bin dankbar für jede Spende und das Vertrauen in mich"

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2002 - Beginn der Vereinstätigkeit im Braldotal
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Schönau am Königssee - Seit vielen Jahren ist Barbara Hirschbichler eine passionierte Allroundbergsteigerin, die sowohl beim Sportklettern als auch in alpinen Wänden und beim Höhenbergsteigen Erfolge erzielen konnte. Ihre Freizeit verbringt sie nach wie vor in den Bergen. Ihr Herzblut hat sie aber vor 15 Jahren an eine kleine Region im Karakorum verloren:

Barbara Hirschbichler beim Radlfahren in den USA, 2015

Die Reichenhallerin, die in Schönau am Königssee lebt, unterrichtet am Karlsgymnasium in Bad Reichenhall Geographie und Englisch. Außerdem organisiert sie mit ihren Schülern regelmäßige Benefizveranstaltungen zugunsten der Karakorum Hilfe. Die nächsten beiden Benefizkonzerte finden am 28. April 2017 mit Hans Söllner und am 19. Mai 2017 mit Hans Well & den Wellbappn im Karlsgymnasium in Bad Reichenhall statt. Den Verein Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V. hat sie im Jahr 2000 gegründet.

Interview mit Barbara Hirschbichler

 BGLand24.de hat die sympathische Bergsportlerin getroffen und gefragt, wie diese Liebe zum Karakorum entstanden ist. 

Barbara, Du bist als Bergsteigerin in diese Region gekommen, was war der Grund für Deine damalige Reise. 

Ich bin eine Allround-Bergsteigerin und habe neben dem Sportklettern immer auch ziemlich extrem Ausdauersport betrieben - vor allem Skitouren, Berglaufen, Rennradfahren. Das war der Grund, warum mich mein Kletterpartner Alexander Huber im Jahr 1997 gefragt hat, ob ich nicht mal Lust hätte, auf einen 8000er zu gehen. 

Aufgrund meiner Tätigkeit als Lehrerin war das natürlich nicht so einfach, aber dann habe ich mich doch für ein halbes Jahr beurlauben lassen können, um zusammen mit Alexander nach Tibet zu reisen und auf den Cho Oyu zu gehen. Die Region hat mich so sehr fasziniert, dass ich zwei Jahre später zu einem weiteren 8000er, dem Gasherbrum II im Karakorum, fuhr. 

Im Jahr 2001 nahm ich dann für drei Jahre unbezahlten Urlaub und verbrachte die Zeit fast ausschließlich im Himalaya und Karakorum. 

Was hast Du dort alles gemacht? 

Ich war beim Bergsteigen und Trekken und habe bei den Einheimischen gelebt. So habe ich am eigenen Leib erfahren, wie hart die Bedingungen dort sind. Den Verein hatte ich schon im Jahr 2000 gegründet, aber als ich wieder daheim war, begann ich intensiv damit, Geld zu sammeln und Projekte zu realisieren. 

Wie kann man das Leben dort beschreiben? 

In den kleinen Bergdörfern leben in der Regel um die 300, 400 Leute auf engstem Raum zusammen. Sie sind Selbstversorger, und außer als Träger für Bergsteiger und Trekker gibt es keine Möglichkeit, Geld zu verdienen. 

Der Boden ist karg und die Familien müssen sehr hart arbeiten, um das Überleben im langen Winter zu sichern. Die Kindersterblichkeit ist enorm hoch. Als ich im Jahr 2000 das erste Mal im Braldotal war, gab es dort keine einzige Krankenstation und nur ganz wenige Schulen. 

Was wird dort angebaut, bzw. wovon lebt man dort?

Es wird hauptsächlich Weizen angebaut. Daraus entstehen dann Weizenfladen, die man unter dem Namen Chapati kennt. Getrunken wird außer Wasser nur gesalzener Buttertee. Jede Familie hat einige Yaks und Kühe sowie Schafe und Ziegen. 

Was ist Dein Ziel bei dieser Hilfe? 

Wir möchten Starthilfe leisten, um die Lebensverhältnisse insgesamt zu verbessern. Langfristig kann man nur dadurch verhindern, dass die Leute abwandern. Die Einheimischen sollen früher oder später natürlich ohne unsere Hilfe auskommen. 

Deshalb liegt unser Schwerpunkt seit Jahren auf der Bildung der Kinder. Abgesehen von Wasserleitungen, Transportfahrzeugen, Krankenstationen uvm. haben wir inzwischen zwei Wohnheime bauen können, eines für Buben und eines für Mädchen, die beide als großer Erfolg bezeichnet werden können. 

In einer der größeren Städte bauen wir gerade ein Studentenwohnheim. In den nächsten Jahren wollen wir noch eine höhere Schule im Braldotal errichten. 

Wie ist das Schulsystem dort? 

Die Dorfschulen gehen in der Regel nur bis zur 5. Klasse, und das Niveau ist sehr gering. Höhere Schulen gibt es nur in eingen größeren Orten, und diese sind eine gute Tagesreise von den Dörfern entfernt. Unsere Wohnheime bieten also den Kindern aus Bergdörfern Unterkunft und Verpflegung, damit sie eine höhere Schule besuchen können - übrigens auch Mädchen, deren Ausbildung uns ein besonderes Anliegen ist. 

Besteht nicht die Gefahr, dass die Kinder nach der Uniausbildung nicht mehr zurückkommen sondern merken, dass das Leben woanders leichter ist? 

Bisher hat das eigentlich gut funktioniert. Die ersten, die von uns gefördert wurden, haben ihre Ausbildung bereits abgeschlossen und sind als Lehrer, bzw. Ärzte wieder zurückgekommen. Wir gehen fest davon aus, dass zumindest ein Teil der Leute, die uns ihre Ausbildung verdanken, in ihrer Region Aufbauhilfe leisten werden. 

Herzlichen Dank

Bildergalerie - So schaut es im Karakorum aus

Schlusslied: Benefizkonzert 2016

Auch vor Ort im Karakorum gibt es viele Menschen, die sich für die Karakorumhilfe einsetzen. "Der Garant für den Erfolg aller unserer Projekte ist Ghulam Rasool, der sich in Baltistan unermüdlich um alles kümmert und dafür sorgt, dass Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden", so Barbara Hirschbichler. Und ergänzt: "Ohne diesen Vertrauensmann vor Ort wäre der Verein nicht vorstellbar. Ich bin dankbar für jede Spende, und vor allem auch für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Wir konnten in den Jahren seit Gründung des Vereins so unglaublich viel bewirken, dass ich mit großer Zuversicht in die Zukunft blicke.

Weitere Informationen zur Karakorumhilfe finden Sie unter himkara.de

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