Andrang am "Influencer-Becken" am Königssee weiterhin groß

Nationalpark Berchtesgaden wütend auf sorglose Influencer: "Ja, spinnts ihr?"

Schönau am Königssee - Die Gumpen am Königssee-Wasserfall sind ein Social-Media-Hotspot. Auch Influencer tragen zur großen Bekanntheit des "Natur-Pools" bei. Vielen ist die Gefahr hierbei nicht bewusst. Nun macht der Nationalpark Berchtesgaden seinem Ärger Luft: 

Neben Selfies (Selbstporträts) und Fotos von leckerem Essen findet man auf Instagram auch immer wieder spektakuläre Aufnahmen aus der Natur. Allein unter dem Hashtag "#nature" gibt es über 522 Millionen Beiträge auf der Foto-Plattform. Auch unsere Region hat viele schöne Ecken zu bieten, die auch gerne als Fotomotiv dienen. 


Vor allem im Chiemgau und im Berchtesgadener Land gibt es zahlreiche Seen und auch Berge, an bzw. auf denen gerne mal ein Foto für die sozialen Medien geknipst wird. Auch der Königsbachwasserfall im Nationalpark Berchtesgaden wird immer öfter von sogenannten Influencern entdeckt

Doch die Foto-Jäger riskieren dort oft ihr eigenes Leben. Denn um zu dem Wasserfall und den Gumpen zu gelangen, müssen die Personen durch alpines Gelände. Doch das hält auch ungeübte Wanderer oft nicht davon ab, das "Influencer-Becken" zu besuchen. Auch dass es dort bereits mehrere Unfälle und auch Todesfälle gegeben hat, scheint die meisten nicht zu interessieren. 


Yvonne Pferrer teilt Fotos vom "Influencer-Becken" im Nationalpark Berchtesgaden

Ebenfalls Influencerin Yvonne Pferrer war am Donnerstag, 4. Juni, am Königsbachwasserfall. Die 25-Jährige, die über 1,2 Millionen Follower auf Instagram hat, teilte zahlreiche Fotos und Videos auf der Suche nach dem "Natur-Pool" in dem sozialen Netzwerk

"Also ich muss sagen, ich hatte noch keinen Ort wo ich so Angst hatte, wie an diesem Pool. Es geht dort einfach direkt runter", so Yvonne in ihrer Instagram-Story, direkt nach ihrem Bad in einer der Gumpen des Königsbachwasserfalls. 

Dass sie sich mit dem Aufstieg und dem Bad in Gefahr gebracht hat, ist ihr offenbar bewusst. "Achtung! Diese Wanderung und dieser Ort ist wirklich gefährlich", weist sie ihre Community mehrfach hin. 

"Lösche den Post. Verzichte dringend auf eine Wegbeschreibung"

In der Folge ist auch der Nationalpark Berchtesgaden auf Yvonne aufmerksam geworden. "Wir haben deinen Post seit gestern gesehen und die Kommentare beobachtet (...) Dir sollte bewusst sein, dass diese Bilder vom Wasserfall auf Instagram auf die Natur, Tiere und Pflanzen, die Besucher und Deine Follower sehr schlimme Folgen nach sich zieht. (...) Sei verantwortungsvoll mit Deinen Mitmenschen und der Natur. Lösche den Post. Verzichte dringend auf eine Wegbeschreibung", heißt es in einer Instagram-Story des Nationalparks, in der die 25-Jährige direkt angesprochen wird. 

In dem Post der 25-Jährigen ist auch ein Video zu sehen, welches offenbar mit einer Drohe aufgenommen wurde. Der Einsatz von Drohnen im Nationalpark Berchtesgaden ist jedoch untersagt. Die Aufnahmen werden daher aktuell geprüft. 

Yvonne Pferrer hat auf die Bitte bislang nicht reagiert. Noch ist der Instagram-Post und auch ihre Story öffentlich zu sehen. Auch hat sie sich bislang noch nicht dazu geäußert (Stand: Freitag, 5. Juni, 17.15 Uhr).

Nationalpark macht seinem Ärger Luft

Auf Facebook macht der Nationalpark Berchtesgaden seinem Ärger weiter Luft: "Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer bereits zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet – viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live."

Auch dass es am Königsbachwasserfall bereits Tote gab, macht der Nationalpark in seinem Facebook-Post klar. Aber auch dass die Foto-Jäger die Natur mitten im Nationalpark zerstören und Berge von Müll hinterlassen, sei kein offenes Geheimnis. "An alle Influencer: Mit Euren teilweise enormen Reichweiten habt Ihr viel Einfluss auf viele Menschen. Bitte seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge - das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz." 

Zwei Tote bei tragischem Unfall am Königsbachwasserfall

Im April 2019 kam es an dem Social-Media-Hotspot zu einem tragischen Unfall. Zwei Männer aus dem sächsischen Bautzen kamen dabei ums Leben. Die beiden 21-Jährigen waren offenbar in einer Gumpe wenige Meter über dem Königssee baden gegangen und dann aufgrund des vielen Schmelzwassers nicht wieder herausgekommen.

Durch einen sehr hohen Sauerstoffanteil und starken Wasserdruck müssen sich Strudel gebildet haben, die die beiden Männer unter Wasser gezogen haben. Ihr Begleiter setzte einen Notruf ab, doch auch die Einsatzkräfte konnten sie nicht mehr retten.

jg

Rubriklistenbild: © Collage (Screenshot Instagram/Screenshot www.facebook.com/hdb.bgd)

Kommentare