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Protestaktion von Klimaaktivsten

Klimakleber blockieren Nordbahn des Münchner Flughafens

Klimakleber blockieren Nordbahn des Münchner Flughafens

In Nacht und Nebel durch den Königssee

Das 5,5-Kilometer-Abwasserrohr ist verlegt – gab es eine „Vertuschungsaktion“?

Für den Unterwassereinsatz geeignet und besonders robust: das Polyethylen-Rohr kurz vor der Verlegung.
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Für den Unterwassereinsatz geeignet und besonders robust: das Polyethylen-Rohr kurz vor der Verlegung.

In einer Nacht-und-Nebelaktion ist eine 5,5 Kilometer lange Abwasserleitung im Königssee verlegt worden. Bei den Naturschutzverbänden beklagt man das Vorgehen als „Vertuschungsaktion“. Gesetzliche Vorschriften seien nicht eingehalten worden. Ein parallel verlegtes Glasfaserkabel sorgt zudem für Erstaunen. 

Schönau am KönigsseeRita Poser, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz Berchtesgadener Land, ist wütend. Wütend über die Art und Weise, wie die Aktion vonstattenging: „Wir wurden viel zu spät informiert, um eine Stellungnahme abgeben und die Sachlage beurteilen zu können“, sagt die Bischofswieserin auf Nachfrage von BGLand24.de. Auch Ilse Englmaier, Gutachterin für Natur- und Artenschutzrecht sowie 2. Vorsitzende beim Landesverband für Amphibien- und Reptilienschutz in Bayern, findet derzeit kaum ein gutes Wort für die Verantwortlichen im Umweltministerium und im Landratsamt. „Was hier am Königssee abgelaufen ist, kann man in Worten kaum beschreiben“, schimpft sie.

Erst versprochen – dann gebrochen

Tatsächlich hatten sowohl Gemeinde als auch das zuständige Planungsbüro im Vorfeld zugesichert, der Termin zur Verlegung der Leitung würde rechtzeitig öffentlich angekündigt werden. Für Pressevertreter stand in Aussicht, die Aktion zu begleiten. Weder das eine, noch das andere traf ein. „Die wussten schon, warum sie das nicht taten“, sagt Rita Poser. Der Königssee gilt als „äußerst schützenswerter Bereich“, sagt Englmaier: FFH-Gebiet, Nationalpark, Biosphärenreservat, EU-Vogelschutzgebiet. Mehr Schutzstatus als hier gibt es selten.

Trotz mehrfacher Nachfrage: Umweltministerium wie verstummt

Dass man auf die Belange der Naturschutzverbände nur wenig Rücksicht genommen habe, dazu wollte sich das Umweltministerium auf mehrfache schriftliche und telefonische Nachfrage nicht äußern. Dort verwies man an das Landratsamt, das zuständig sei. Im Landratsamt heißt es: „Die Verbändebeteiligung erfolgte im Rahmen der Prüfung des Einvernehmens durch das Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz.“ Fragen hierzu seien also an das Umweltministerium zu richten. Für die verspätete Verfahrensbeteiligung sieht sich niemand zuständig

Bürgermeister Rasp verteidigt sich – Englmaier hat kein Verständnis

Kann es als Zufall gewertet werden, dass der Genehmigungsbescheid in der Nacht auf einen Samstag erteilt wurde? Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp, der Auftraggeber der Abwasserleitung, sagt: „Wir mussten das Zeitfenster und das gute Wetter nutzen.“ Kein Verständnis hat dafür Ilse Englmaier: „Natürlich gibt es immer das Argument, etwas unverzüglich und sofort umzusetzen“, sagt sie. Doch in diesem Fall hätte der Naturschutz Vorrang gehabt

Um 2 Uhr morgens legte der Bautrupp, Spezialisten aus Schottland, los. In etwas mehr als 24 Stunden war die kilometerlange Abwasser-Druckleitung in der Mitte des viel befahrenen Touristensees versenkt und von Betongewichten beschwert worden. Schließlich galt das rund zwei Millionen Euro teure Unterfangen mit Spezial-Pontons als abgeschlossen. 

Warum war eine Verlegung notwendig?

Die Verlegung war notwendig geworden, nachdem im Dezember vergangenen Jahres ein Leck in der seit 1988 im See verlegten Leitung gefunden worden war, die St. Bartholomä und Salet mit der Seelände verbindet. Über eine unbestimmte Zeit war Schmutzwasser von der Halbinsel St. Bartholomä in den Königssee geflossen. Wie viel, weiß niemand. Zu Umweltschäden sei es nicht gekommen, das Abwasser im Königssee war nicht nachweisbar, bestätigte damals eine Sprecherin des Nationalparks Berchtesgaden. 

Künftig soll die Abwasserleitung besser überwacht und Druckabfälle aufgrund von Leckagen sofort registriert werden. „So viel Wasser wie auf St. Bartholomä einfließt, muss an der Seelände auch wieder rauskommen“, bestätigt Bürgermeister Rasp und verspricht eine regelmäßige, automatisierte Prüfung, die bei Abweichungen Alarm schlägt. Derzeit würden noch die erforderlichen An- und Umschlüsse erstellt, heißt es aus dem Landratsamt Berchtesgadener Land. 

Bund Naturschutz reicht Beschwerde ein

Eine provisorische Abwasserleitung, die seit Sommer entlang des Seeufers des Königssees verlegt ist, soll wieder rückgebaut werden. Bis zu 100 Kubikmeter Abwasser flossen während der touristischen Hochsaison pro Tag durch. Der Bund Naturschutz hat mittlerweile schon Beschwerde beim Umweltministerium eingereicht. Man behält sich vor, den Klageweg auf europäischer Ebene zu gehen. „Wir werden uns erst einmal austauschen.“

Eine Sache hat Rita Poser besonders verwundert: Denn parallel zur Abwasserleitung wurde auch ein Glasfaserkabel durch den Königssee verlegt. Davon sei nie die Rede gewesen. Erst im Genehmigungsbescheid haben die Naturschutzbehörden davon erfahren.

kp

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