Nach Unglück im Berchtesgadener Land

Lawinengefahr! Wie risikoreich ist jetzt eine Bergwanderung? 

Landkreis - Ein schreckliches Unglück erschüttert die Region: Am Donnerstag wurde ein 24-jähriger Niederländer von einer Lawine in den Tod gerissen. 

Bei einer Wanderung mit seiner Familie wurde der Urlauber auf etwa 1650 Höhenmetern von einem Schneebrett erfasst. Er stürzte 60 bis 80 Meter in die Tiefe und erlitt dabei tödliche Verletzungen. Der junge Niederländer war der erste Lawinentote der Saison. 

Nun fragen sich viele in der Region: Wie gefährlich ist es am Wochenende in die Berge zu gehen? 

Für den Raum Rosenheim besteht aus Sicht von Florian Seebacher von der Oberaudorfer Lawinenkomission kein erhöhtes Risiko. Gegenüber Radio Charivari erklärte Seebacher, dass im Alpenvorland und Mangfallgebirge noch keine Gefahr besteht. Die Schneehöhen seien schlicht noch nicht ausreichend, weil die Berge nicht mehr als 1.900 Höhenmeter messen. Jedoch seien insbesondere die Nordseiten der Berge schon schneebedeckt, darauf sollten sich Wanderer einstellen. 

Bis zu 50 Zentimeter Neuschnee in den Hochlagen

In den Hochlagen der Bayerischen Alpen fiel in den vergangenen Tagen 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee. In den Berchtesgadener Alpen gab es sogar bis zu einem halben Meter Neuschnee, meldet der Lawinenwarndienst Bayern

Michael Hallinger

Im Interview mit AKTIVNEWS berichtet der Leiter der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei, Michael Hallinger, dass die Schneefallgrenze zuletzt auf 1600 Meter gesunken war. Um Einsätze für die Rettungskräfte zu vermeiden, sollten nicht ausgebildete oder wenig erfahrende Bergsteiger Touren unterhalb dieser Schneefallgrenze anstreben. 

Warnung an unerfahrene Bergsteiger

Nach dem wochenlangen regnerischem Wetter versprechen die kommenden Tage eigentlich goldenes Herbstwetter. Doch Vorsicht ist geboten! Mit den ansteigenden Temperaturen und der Sonneneinstrahlung kann es vor allem in felsigen Steilgeländen in den Hochlagen zu weiteren Schneelawinen kommen.

Die Bergwacht Berchtesgaden warnt vor "Nasschnee-Rutschen". Die Situation erinnere an die Witterungsverhältnisse Ende April. In einer eigentlich milden Zeit kam es zu einem späten Wintereinbruch. So seien auch jetzt wenig erfahrene Bergsteiger Gefahren ausgesetzt. "Es ist rutschig, es drohen Lawinen und Steinschlag und der teilweise tiefe Schnee fordert wesentlich mehr Kondition und zusätzliche Kleidung", weiß Einsatzleiter Thomas Pöpperl. 

Der Vorsitzender der Alpenvereinssektion Bad Reichenhall, Robert Kern, bittet deshalb: "Wenig oder unerfahrene Bergsteiger sollten deshalb in niedrigere, schneefreie Höhenlagen ausweichen, die gerade im Herbst mit der Laubverfärbung der Bäume einen reizvollen Wandergenuss bieten und sich unbedingt eingehend über Wetter- und Schneeverhältnisse bei alpinen Auskunftsstellen, bei einschlägigen Wetterportalen, bei Bergführern oder Hüttenwirten erkundigen."

Bergrettung Salzburg: Warnung vor Touren über 2000 Metern

Auch die Bergrettung Salzburg warnt vor Touren in Gebirgssteigen über 2000 Metern. Mit dem Neuschnee der letzten Tage liegt auf diesen Höhen teilweise bis zu einem Meter Schnee - hochwinterliche Verhältnisse also, berichtet die Bergrettung in einer Pressemeldung. So könnten zahlreiche hochalpine Steige derzeit auf Grund der Witterungsbedingungen und der erhöhten Schneebrettgefahr nicht begangen werden. 

Bernd Tritscher, Pinzgauer Bezirksleiter der Bergrettung, empfiehlt im Zweifelsfall bei den Hüttenwirten nach den Bedingungen vor Ort nachzufragen. 

Auch Gletscherbereiche seien nur für sehr erfahrene Bergsteiger begehbar, denn es bestehe eine erhöhte Gefahr von Spaltenstürzen. 

Zurück zur Übersicht: Schönau am Königssee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser