Naturpools sind gefährlicher Instagram-Hotspot

Nach Aufnahmen am Königssee-Wasserfall: Jetzt ermittelt die Polizei

Schönau am Königssee - Die Naturpools am Königsee-Wasserfall sind ein gefährlicher Instagram-Hotspot. Auch Influencerin Yvonne Pferrer aus Köln posierte hier für ein Foto. Da die 25-Jährige auch Drohnenaufnahmen postete, ermittelt nun die Polizei: 

Ein Instagram-Foto von Influencerin Yvonne Pferrer sorgt weiterhin für Wirbel. Die 25-Jährige, die über 1,2 Millionen Follower hat, teilte am Freitag ein Foto von sich, welches sie in einer der Gumpen am Königsbachwasserfall zeigt. Mit einem schwarzen Bikini bekleidet posiert Yvonne in dem Naturpool. Dass sie sich mit dem Aufstieg und dem Bad in Gefahr gebracht hat, schien sie sich dabei durchaus bewusst. So schrieb sie in dem Post: "Achtung! Diese Wanderung und dieser Ort ist wirklich gefährlich".


In der Folge wurde auch der Nationalpark Berchtesgaden auf Yvonne aufmerksam und richtete sich in einer Instagram-Story direkt an die 25-Jährige: "Dir sollte bewusst sein, dass diese Bilder vom Wasserfall auf Instagram auf die Natur, Tiere und Pflanzen, die Besucher und Deine Follower sehr schlimme Folgen nach sich zieht. (...) Lösche den Post. Verzichte dringend auf eine Wegbeschreibung."


Offenes Gespräch mit dem Nationalpark Berchtesgaden

Ein paar Tage später ist das Foto noch immer auf dem Profil von Yvonne Pferrer zu finden. Auch eine weitere Aufnahme, welche ebenfalls an der Gumpe am Königsbachwasserfall aufgenommen wurde, ziert nun ihren Instagram-Feed.

Die Reise-Influencerin, die mit ihrem Freund gerade die schönsten Ecken Deutschlands erkundet, aktualisierte aber die Bildbeschreibung ihres ersten Fotos und entfernte die Ortsmarke: "Nachdem wir diesen wunderschönen und einzigartigen Ort besucht haben, hat der Nationalpark Berchtesgaden mit uns das offene Gespräch gesucht um auf folgende Problematik aufmerksam zu machen: Der Ort stellt zu große Gefahren dar. Müll und Trampelpfade greifen negativ ins Ökosystem ein. Der Nationalpark möchte also nicht, dass noch mehr Menschen hierherkommen! Uns ist die offene Kommunikation wichtig und wie immer möchten wir euch auch diese Info weiter geben, um damit die Natur zu schützen."

Drohnenflug über Naturschutzgebiet: 2.500 Euro Strafe droht

In dem Post der 25-Jährigen ist auch ein Video zu sehen, welches offenbar mit einer Drohne aufgenommen wurde. Der Einsatz von Drohnen im Nationalpark Berchtesgaden ist jedoch untersagt. Verstöße gegen die Nationalparkverordnung werden mit Anzeigen, Platzverweisen oder Geldbußen geahndet. Drehgenehmigungen für den Nationalpark werden lediglich für dokumentarische Zwecke erteilt. 

Strafbar ist das Verhalten von Yvonne Pferrer - das Veröffentlichen der Aufnahmen vom Nationalpark Berchtesgaden - an sich nicht. Verantworten muss sich wahrscheinlich nur die Begleitperson, die die Aufnahme mit der Drohne gemacht hat. Gerhard Richter, Pressesprecher des Landratsamts Berchtesgadener Land, bestätigte gegenüber dem Berchtesgadener Anzeiger, dass die Angelegenheit am 5. Juni der Unteren Naturschutzbehörde gemeldet wurde - die Polizei ermittelt. 

Grundsätzlich muss die Person, welche in diesem Gebiet eine Drohne oder ein anderes Fluggerät unzulässig betreibt, startet oder landet, mit einem Bußgeld von 50 bis zu 2 500 Euro rechnen.

Nationalpark macht seinem Ärger Luft

In einem Facebook-Post machte der Nationalpark Berchtesgaden seinem Ärger gegenüber sorglosen Influencern bereits Luft: "Der Wasserfall am Königssee ist dem Überfall durch Influencer bereits zum Opfer gefallen. Das früher ruhige und abgelegene Naturparadies leidet – viele Einheimische gehen wegen der Massen gar nicht mehr hin. Die Gumpen werden im Netz getaggt, gepostet, geliked, am besten gleich live."

"Bitte seid Euch bewusst, dass ihr durch solche Postings die Natur zerstört. Campieren, Lagerfeuer, Müll, Drohnenflüge - das ist alles im Nationalpark verboten. Warum? Weil Tiere gestört werden und die Pflanzenwelt leidet. Seid verantwortungsvoll mit Euren Mitmenschen und unserer einzigartigen Natur. Löscht Eure Posts und stellt keine neuen ins Netz." 

Auch dass es am Königsbachwasserfall bereits Tote gab, stellte der Nationalpark in seinem Facebook-Post klar. Zwei junge Männer aus Sachsen kamen im April 2019 bei einem tragischen Unfall an dem Social-Media-Hotspot ums Leben

Eine Antwort des Nationalparks Berchtesgaden, ob weitere Maßnahmen geplant seien, die dem Instagram-Hype ein Ende setzen, steht bislang noch aus. 

jg/mz

Rubriklistenbild: © Collage (dpa/Screenshot www.facebook.com/hdb.bgd)

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