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Alarmstufe „B4“: Feuer auf Bauernhof bei Babensham ausgebrochen

Alarmstufe „B4“: Feuer auf Bauernhof bei Babensham ausgebrochen

„Ohne Bobbahn fehlt ein Stück sportliche Identität“

Spitzenpolitikerinnen informieren sich an der Kunsteisbahn am Königssee über Wiederaufbaupläne

Grünen-Spitzenpolitikerinnen informieren sich an der Kunsteisbahn am Königssee über Wiederaufbaupläne
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In der Ruine des früheren Startgebäudes informierten Zweckverbandsvorsitzender Dr. Bartl Wimmer (von rechts) und BSD-Vorstand Alexander Resch die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Tina Winklmann, über die Zerstörungen und aktuellen Pläne zum Wiederaufbau der Kunsteisbahn am Königssee.

Noch ein Jahr nach der Unwetterkatastrophe am 17. Juli 2021 zeugen Geröll, zerfetzte Dächer und offene Leitungsrohre von der Zerstörungskraft, mit der ein Murenabgang die Bob- und Rodelbahn am Königssee außer Betrieb gesetzt hat.

Schönau am Königssee - Sie ist die älteste und traditionsreichste Kunsteisbahn der Welt und Herzstück des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD), der seinen Sitz in Berchtesgaden hat. Das Bundesleistungszentrum hat wesentlichen Anteil am Erfolg der deutschen Bobpiloten, Skeletonis und Rennrodler. Die zur Weltelite zählenden Athleten haben dem Land bei den diesjährigen Olympischen Winterspielen in Peking einen wahren Medaillenregen beschert.

Sichtlich bewegt lässt sich Tina Winklmann, sportpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, im oberen Teil der Bobbahn, das Ausmaß der Zerstörung zeigen. Sie will sich zusammen mit der Traunsteiner Grünen-Landtagsabgeordneten Gisela Sengl, die den Landkreis Berchtesgadener Land mitbetreut, über den Stand der Wiederaufbaupläne zu informieren und konkrete Hilfsmöglichkeiten ausloten. Hannes Rasp, Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee, und BSD-Vorstand Alexander Resch zeigen beiden Abgeordneten Handyfotos von damals.

Wie die Experten berichten, wird der obere Teil der Bahn mit dem Herrenstart wohl nicht mehr aufgebaut werden können. Er soll im Bereich des Bob- und Damenstarts passend integriert werden. „Wir müssen die Bahn so schnell wie möglich wiederaufbauen, sonst bricht uns der ganze Nachwuchs weg. Auch die mit dem Leistungszentrum verbundene Infrastruktur an Förderschulen und -einrichtungen für die Top-Sportler ist gefährdet“, erklärt Resch im Beisein von Hans-Wolf von Schleinitz, BSD-Vize und Präsident des Bayerischen Bob- und Schlittenverbands.

Nach den derzeitigen Plänen soll die Bob- und Rodelbahn als umweltverträglicher und nachhaltiger Vorzeigebetrieb wiederaufgebaut werden. Bund und Land haben dafür bereits 53,5 Millionen Euro aus dem Aufbauhilfefonds zugesagt. Dr. Julian von Schleinitz, ehemaliger Rennrodler und Data Scientist bei BMW, hat eigens dafür ein Konzept entwickelt, mit dem sich mittels neuer Photovoltaikanlagen, Betriebsoptimierung und angepassten Trainingszeiten der Energieverbrauch deutlich reduzieren lässt. Die neue Anlage soll möglichst CO2-neutral und mit Ökostrom des Verbunds Watzmann Natur Energie betreiben werden. In diesem haben sich fünf Gemeinden zusammengeschlossen. Im Sommer könnte der erzeugte Öko-Strom künftig sogar für die Elektromobilität genutzt werden.

Noch aber sind viele Hürden zu bewältigen. Zum einen hat der BUND Naturschutz mit einer Klage gedroht. Zum anderen will man noch die Ergebnisse eines geologischen Gutachtens abwarten. Es soll die Georisiken im Umfeld des Grünsteins angesichts zunehmender Extremwetterereignisse besser abschätzbar machen. „Wir brauchen unbedingt auch einen wirksamen Schutz für die Anlieger unterhalb der Anlage“, ergänzt Bürgermeister Hannes Rasp.

Dr. Bartl Wimmer, Kreistagsfraktionssprecher der Grünen im Landkreis BGL und ursprünglich Kritiker der Wiederaufbaupläne, kann sich inzwischen angesichts einer umweltverträglich betriebenen Anlage durchaus für einen Neustart erwärmen. Nach der Millionenzusage im letzten Jahr ziehe sich das Verfahren allerdings durch Entscheidungsprobleme in den Ministerien und Behörden „unerträglich in die Länge“. Ein Baubeginn erst ab 2025 gehe für ihn auch als Vorsitzender des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden sowohl aus sportpolitischer wie auch aus touristischer Sicht „völlig am Ziel vorbei“.

Einig sind sich sowohl die Sportfunktionäre wie auch die Lokalpolitiker, dass die Finanzspritzen für Betrieb, Unterhalt und Modernisierung der Bob- und Rodelbahn „künftig nicht mehr im bisherigen Verhältnis vom BSD oder dem Landkreis getragen werden können“. Hier seien Bund und Freistaat stärker in der Pflicht.

„Spitzensport gibt es nicht ohne Nachwuchs aus dem Breitensport und der profitiert von den Erfolgen der Top-Athleten als Motivation und Vorbildwirkung“, zieht Tina Winklmann nach ihrem Besuch am Königsee als Resümee. Dazu gehöre auch die passende und zeitnahe Förderung von Bundesleistungszentren aus Landes- und Bundesmitteln, „um die Kommunen nicht zu überfordern“. Hier wolle sie nachhaken, so Winklmann.

Für einen Wiederaufbau der Kunsteis Bob- und Rodelbahn am Königssee will sich auch die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl starkmachen, dabei aber noch die Ergebnisse des geologischen Gutachtens abwarten. „Die Zerstörungen sind immens. Die Bob- und Rodelbahn samt ihrer Erfolge sind tief in der Region verwurzelt. Ohne sie fehlt uns ein entscheidendes Stück sportlicher Identität.“

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