Nach Meinungsbild von Kinderarzt aus Berchtesgadener Land

Maskenpflicht bei Schülern: Kontroverse Leser-Debatte über Sinn und Unsinn

Kinder sitzen mit Maske im Schulunterricht - Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn aus Schönau am Königsee bezieht dazu Stellung
+
Kinder- und Jugendarzt Dr. Michael Horn aus Schönau am Königsee nimmt Stellung zur Maskenpflicht an Schulen - und sieht sich sogleich mit entsetzen Eltern-Ansichten konfrontiert. Unsere Leser debattierten Für und Wider zum Thema Maskenpflicht bei Kindern.

Schönau am Königssee - Maskenpflicht für Kinder im Unterricht ab der fünften Klasse - durchaus sinnvoll in den Augen eines Kinderarztes aus dem Berchtesgadener Land und auch einiger Elternteile. Doch viele hinterfragen diese Ansicht sehr kritisch. Ein Überblick:

Es gibt jene, die die Wirkung der Maske massiv in Frage stellen. Gerade für Kinder sei das „unzumutbar“, wie uns in Erfahrungsberichten geschildert wurde. Und es gibt andere, die das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Corona-Pandemie als vernünftig und sinnvoll erachten. Zu letzteren gehört Dr. Michael Horn, Kinder- und Jugendarzt aus Schönau am Königsee. Er appellierte jüngst im Gespräch mit BGLand24.de an die Vernunft der Menschen, die Maßnahmen der Regierung mitzumachen und ist sich sicher, dass das Tragen einer Maske für Kinder unbedenklich sei.


Auch für eine knappe Mehrheit der Leser ist die Maskenpflicht im Unterricht für neun Tage legitim. Das zeigt das Ergebnis unserer Umfrage. Dem gegenüber stehen rund 44 Prozent an Stimmen, die sich gegen das Tragen der Masken an Schulen aussprechen - unter anderem, weil sich die Kinder nicht auf den Unterricht konzentrieren könnten.

In Rosenheim müssen ab Montag, 14. September, auch Grundschüler ab der ersten Klasse im Unterricht Masken tragen. Der Grund: In der Stadt ist seit Längerem der kritische Warnwert von 50 Neuansteckungen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschritten. Diese Verpflichtung gilt bis 18. September.


Auf unseren Facebook-Seiten wird das Thema indes kontrovers diskutiert: Ramona Henfling beispielsweise sieht die Schuld bei ihren unvernünftigen Mitbürgern: „(...) Hätte sich die gesamte Bevölkerung vorbildlich verhalten, hätte man die Kinder verschont lassen können. Jetzt muss eben mit den Konsequenzen gelebt werden. Übrigens den Erfahrungen nach zu urteilen haben meist die Eltern ein Problem und nicht die Kinder ...“

Bettina Marchner stellt den Sinn der Maskenpflicht allgemein in Frage: „Ich trage meine Maske, dies vorneweg. Trotzdem: Seit Monaten Maskenpflicht, trotzdem gingen die Zahlen schon vorher runter und jetzt haben wir die zweite Welle und wieder ein Ansteigen der Zahlen - trotz Masken. Ich sehe zwischen der Maßnahme und den Zahlen keinen Zusammenhang. Weder in die eine noch in die andere Richtung. Und ob es mehr Infizierte ohne Masken gäbe ist genauso eine Vermutung wie die Aussage, dass es weniger Infizierte mit Maskenpflicht gibt."

Dieter Wilke bemängelt drei Dinge in Bezug auf das Tragen der Masken: „Ich habe schon Freunde nicht erkannt, weil Augen und Stirn als Erkennungsmal nicht ausreichten. Verständigungsschwierigkeiten „Wos host gsogt?“ Und einige Masken habe ich aussortiert, weil sie Segelohren erzeugten.“ Blond Jbo kommentiert: „(...) Auf Facebook sind einfach zu viele Experten unterwegs. Wozu Jahre lang Medizin studieren? Bissl Dr. Google, eine Prise Verschwörung, reichlich Blödheit und schon hat man die wirklichen Experten in unserer Gesellschaft. Da können alle Ärzte, Virologie, Gesundheitsforscher etc. einpacken!“

Maskenpflicht bei Kindern im Unterricht - Das sagen Befürworter:

Monika Ihsen stellt sich hinter die Ansicht von Dr. Horn aus Schönau: „Ich feier den Arzt. Endlich mal wer, der gesunden Menschenverstand erkennen lässt. An alle jammernden Muttis, nehmt euch mal ein Beispiel an den Kindern. Die kommen damit klar und leben ihr Leben." Mirly Jung schlägt sich ebenfalls auf die Seite des Kinderarztes: „Das stimmt, es handelt sich um eine neue Situation, in der der Mensch seinen Widerstand überwinden muss. So steht es im Bericht geschrieben. Trifft voll auf mich zu."

Kathrin John erklärt, sie arbeite in der Intensivpflege mit Maske, Schutzkittel und Handschuhen schon lange vor Corona - und lebe immer noch: „Maske tragen ist für mich eine Sache der Einstellung. Wenn ich grundsätzlich mit meinen Gedanken dagegen bin, rebelliert vielleicht auch mein Körper (...)“ Britta-Bianca Hüniger meint: „Alles nur Gewohnheit. Ich hab es mir auch schlimmer vorgestellt den ganzen Tag mit Maske (...). Die Kinder haben kein Problem damit." „Luxuskind“ schrieb unter dem Artikel auf rosenheim24.de: „Unser Kinderarzt und unser Hausarzt sagen genau das Gleiche. Ich glaube ja lieber Leuten vom Fach als irgendwelchen Hysterikern im Internet."

Maskenpflicht bei Kindern im Unterricht - Das sagen Gegner:

Satani Blue hingegen sagt: „Mein Sohn ist echt kein Weichei und hat von Anfang die ganze Sache mit Corona sehr ernst genommen. Aber auch er hat große Probleme in der Schule die ganze Zeit die Maske zu tragen klagt auch über Kopfschmerzen und Müdigkeit. In meinen Augen ist die Maske im Unterricht nicht zumutbar.“ Auch Sandra Gläser unterstreicht: „Kinder das zuzumuten ist eine Frechheit. Jedes Schulkind beklagt sich wegen Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen. Da sag ich ‚Nein‘ zu Masken im Unterricht.“

Bernd Geffken ist sich sicher, dass es zu diesem Thema auch bei Kinderärzten durchaus unterschiedliche Meinungen gebe: „Als Chirurg trage ich die Maske in erster Linie als Eigenschutz und erst in zweiter Linie zum Schutz des Patienten. Und nahezu jeder Chirurg ist froh nach einer OP die Maske abnehmen zu können. Das Tragen einer Maske insbesondere bei langen und schwierigen Operationen ist nämlich durchaus anstrengend, aber natürlich notwendig und sinnvoll. Ob das allerdings auch für das Tragen der Masken für Kinder im Unterricht gilt, bezweifle ich doch sehr. Ich halte es für schlichtweg nicht zumutbar."

„Bloßned“ kommentiert unter dem Artikel auf chiemgau24.de: „Die Kinder- und Jugendärzte teilen nicht alle die Ansicht des Dr. Horn. Ich plädiere dafür, dass die Ärzte sich ein Meinungsbild untereinander verschaffen und dann aus fachlicher Sicht begründet und einheitlich handeln."

Gesichtspunkte aus Studien, offenen Briefen von Ärzten und Meinungen von Verbänden:

Andere Kinderärzte vertreten eine Meinung, die der von Dr. Horn aus Schönau am Königsee entgegensteht - so zum Beispiel Dr. Martin Hirte und Dr. Steffen Rabe aus München, die sich mit einem offenen Brief an Ministerpräsident Dr. Markus Söder sowie an Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo wandten. Die Fachärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin sehen die Maskenpflicht im Unterricht als „schwerwiegenden Eingriff in die seelische Integrität der Schulkinder“ und argumentieren: „Die Wirksamkeit der Alltagsmasken gegen die Ausbreitung respiratorischer Viren wie SARS-CoV-2 ist hoch umstritten. Untersuchungen zu körperlichen und seelischen Nebenwirkungen der Masken zeigen, dass diese keineswegs immer harmlos sind." Die Rede sei von Nebenwirkungen wie erhöhtem Atemwiderstand, Wärme- und Feuchtigkeitsansammlung, CO2-Rückhaltung, Klaustrophobie und Angstzuständen.

Gerade Kinder seien für eine zwischenmenschliche Kommunikation auf nonverbale Signale wie die Mimik des Gegenübers angewiesen. Die Behinderung des zwischenmenschlichen Austauschs durch Verdecken des Gesichts erschwere die Verständigung, verringere die Gesprächsbereitschaft und störe die emotionalen Beziehungen. „Ein normales Schulleben ist unter diesen Bedingungen nicht vorstellbar, und für viele Schüler wird der Schulalltag zur Qual", lautet das Fazit der Münchner Ärzte, die abschließend fordern, Maskenpflicht und Abstandsregeln an Schulen abzuschaffen, von Quarantänemaßnahmen und Schließungen von Klassen oder Schulen abzusehen und den Rahmenhygieneplan komplett zu überarbeiten.

Ein Leser wies uns überdies auf eine Dissertation der TU München von 2004 hin, die vor Rückatmung von Kohlendioxid unter OP-Masken warnt, gleichzeitig aber auch feststellt, dass ein Abfall der Sauerstoffsättigung dabei nicht nachgewiesen worden sei. Ein weiterer Leser verwies auf einen Informationsbrief zum Hygieneplan an Schulen. Darin enthalten sind Hinweise auf mögliche Gesundheitsrisiken durch das Tragen von Masken wie die Hyperkapnie, ein erhöhter Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut. Darüber hinaus sei nicht bewiesen, dass Mund-Nasen-Bedeckungen einen verlässlichen Schutz vor COVID-19 bieten würden - ob für einen selbst oder andere Menschen.

Der Bayerische Elternverband (BEV) hält die Maskenpflicht im Unterricht indes für „angemessen und vertretbar“, die Schüler würden mit großem Verantwortungsbewusstsein und positivem Beispiel vorangehen, wie es in einer Pressemitteilung des Verbands heißt. Seitdem aber bringen aufgebrachte Eltern die Leitungen des BEV an ihre Kapazitätsgrenzen.

Ihr Vorwurf: Der BEV hätte das Tragen von Masken im Unterricht gefordert, was aber nicht zutrifft. „Natürlich wollen Eltern mit dem Maskenprotest ihre Kinder lediglich vor Nachteilen bewahren“, sagt Martin Löwe vom BEV. Er sei überzeugt, dass der Nutzen von Masken ihre möglichen Nachteile bei weitem überwiegt und mahnt, beides im rechten Verhältnis zueinander zu betrachten. 

mb

Kommentare