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Nach Unwetter: “Die Politik muss ihre Zusagen einhalten”

Bürgermeister von Schönau am Königssee zieht Bilanz nach dem Katastrophenalarm

Unwetter in Bayern
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Ein Bild, das um die Welt ging. Der Landkreis Berchtesgadener Land hatte nach starkem Regen wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen.

Der Schaden ist groß, sagt Bürgermeister Hannes Rasp. Etliche Häuser seien betroffen. Das sagte er während der Gemeinderatssitzung in Schönau am Königssee und bilanziert, was alles zerstört wurde.

Schönau am Königssee - Knapp zwei Wochen nach dem Hochwasser steht fest: Der Starkregen hat mehr zerstört als gedacht. “Es sind Millionenschäden bei Privatleuten, weitere Millionenschäden an der Infrastruktur, die wir zu beklagen haben”, so Rasp, der auf die Unterstützung der Politik hofft. “Die Minister, die zu Besuch waren, haben uns alle finanzielle Hilfen versprochen, nun müssen sie ihr Wort halten.” Denn alleine könne die Gemeinde mit 5500 Einwohner das alles sowieso nicht stemmen. 

Ein Problem sei der verursachte Schaden im Tourismus, das Buchungsverhalten von Gästen: “Viele denken, sie könnten nicht mehr bei uns Urlaub machen.” Das schlägt sich in Stornierungen nieder. “Wir hatten zwar eine Katastrophe, aber es ist alles erreichbar.”

100 Häuser, einige noch immer unbewohnbar, erwischt von Muren und Schlammlawinen: “Die Vorberg-, Fischmichl- und die Hochwaldsiedlung haben es am schlimmsten abgekriegt.” Die Leute, die dort wohnen, hätten nun Angst. “Wir müssen Vertrauen schaffen”, sagt Gemeinderat Stefan Pfnür. Denn wie die Ausläufer des rund 1300 Meter hohen Grünsteins in Zukunft gesichert werden können, darüber ist nichts bekannt. Der Bürgermeister ist sich sicher: “Die Planungszeiten werden kurz ausfallen. Eine Verbauung muss noch heuer stattfinden.”

Die Gemeinde beklagt mehrere Straßen, deren Oberdecken weggerissen worden sind, Rutschungen und Murenabgänge am Grabenweg und Stangerberg. 50 Meter Weg des Mariensteigs sind zudem zerstört. Dass der beliebte Königsseer Fußweg, direkt an der Ache gelegen, nun nicht mehr begehbar ist, weil er auf rund 150 Meter komplett weggespült worden war, ist ein Rückschlag für die Gemeinde und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, um diesen wiederherzustellen. 

Ein Haustrakt des Hotel Hubertus, einen Steinwurf von der Ache entfernt, musste gesperrt werden, bleibt weiterhin gesperrt: Das Wasser hatte die Uferbebauung unterspült, Teile davon weggerissen. 32 Zimmer dürfen nicht vermietet werden, auch das Schwimmbad bleibt erst einmal geschlossen. Das Wasserwirtschaftsamt ist im Einsatz, sichert mit Wasserbausteinen den Hang. “Ich habe dem Chef des Wasserwirtschaftsamtes eine Mail geschrieben und um zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen gebeten”, sagt Rasp.

Dort, wo am wenigsten um finanzielle Beteiligung gebangt werden muss, ist die Kunsteisbahn am Königssee. Zwar erinnert der Austragungsort für Bob- und Rodelwettkämpfe im oberen Bereich noch immer an eine Bombendetonation, doch Bauarbeiter und Helfer sind dort im Dutzend im Einsatz. Hannes Rasp sagt: “Gut, dass die Rodelbahn da war. Ansonsten hätte die Mure die Unterlieger massiv erwischt.”

Die Spendenbereitschaft sei gewaltig, weiß der Gemeindechef. Von örtlichen Geldinstituten initiierte Spendenkonten könnten bereits sechsstellige Summen verbuchen. “Auch bei uns gehen Spenden ein.” Die Gemeinde hat nun 150 Trocknungsgeräte im Landkreis Rottal-Inn geordert, die an Privatpersonen vergeben werden sollen. Angedacht sind diese für feuchte Häuser und Wohnungen als Trocknungshilfe. 

Dass der Zusammenhalt in der Bevölkerung groß ist, das bestätigt nicht nur Hannes Rasp: Die Hilfen seien unkompliziert vonstatten gegangen, “alle Nachbarn, aber auch die Landwirte haben angepackt - und sind mit schwerem Gerät angefahren.” Große Unterstützung habe die Gemeinde unter anderen von zwei Feuerwehrmannschaften aus Garmisch-Partenkirchen erfahren. Zweiter Bürgermeister Richard Lenz sagt: “Jeder Beteiligte hat zum Gelingen seinen Beitrag geleistet.”

Mit einer unbestätigten Meldung aus der Gerüchteküche wollte Bürgermeister Hannes Rasp am Ende der Sitzung dann noch aufräumen: “Es herrschte nie Gefahr, dass die Königsseeschleuse bricht.” Der Pegelstand des Königssees sei schon mal höher gewesen. “Solchen Gerüchten müssen wir künftig besser entgegenwirken.” 

kp

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