Schluss, aus und vorbei...

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Elvira Zimmermann in der Schlecker-Filiale in Bischofswiesen

Bischofswiesen – Zwei Jahrzehnte hat Elvira Zimmermann in der Schlecker-Filiale in Bischofswiesen gearbeitet. Nun müssen sie und zwei weitere Kolleginnen ihren Arbeitsplatz räumen.

„Eine Kündigung haben wir noch nicht erhalten“, sagt sie. Wut auf ihren Arbeitgeber verspüre sie keine. Sie ist sich trotzdem sicher, dass es nicht so weit hätte kommen müssen. Eine Frage bleibt: Wird sich ein neuer Arbeitgeber finden?

Schlecker-Schließung in Bischofswiesen

Die Regale im Schlecker-Markt in Bischofswiesen wirken wie leergefegt. „Die Leute haben uns vergangenen Freitag überrannt“, sagt Zimmermann. Irgendwie wirkt sie fassungslos. Trotzdem lacht sie. „So viel war noch nie los, die ganzen 20 Jahre nicht“. 600 Kunden waren an diesem Tag da – und haben den Laden einkaufswagenweise ausgeräumt: „Unglaublich“.

Zur Belohnung von oben durfte die Filiale eine Stunde früher geschlossen werden. Elvira Zimmermann ist die Filialleiterin im Bischofswieser Schlecker-Markt, dem letzten verbliebenen im gesamten Berchtesgadener Talkessel. Die Märkte in der Nachbargemeinde hatten schon lange bevor von der Insolvenz überhaupt berichtet wurde, ihre Pforten geschlossen. Gelernt hat Zimmermann den Beruf der Industriekauffrau. Sie ist zufrieden in dem, was sie bei Schlecker tut. „Zehn Jahre habe ich noch bis zur Rente“, sagt sie. Und wenn es nach ihr ginge, hätte sie die Restzeit liebend gerne in diesem Unternehmen verbracht.

Allerdings: Sie kann es sich nicht aussuchen. Maximal bis zum 29. Juni haben die Schlecker-Filialen bundesweit geöffnet. Je nachdem wie lange die Ware ausreicht. Schon jetzt sind die Regale größtenteils leer, hie und da ein paar Pflegeprodukte, Reinigungsutensilien, wenige Getränkedosen, die einsam in den steril-weißen Regalen lagern. „Wir wissen schon jetzt kaum mehr, was wir noch verkaufen sollen“, sagt Zimmermann.

Warum es denn mit Schlecker soweit kommen musste? „Man hat den Zeitpunkt versäumt, zu investieren“, sagt sie. Schon vor Jahren hätte man damit beginnen, das Image aufpolieren müssen. Das Image war es, das bei Schlecker nie sonderlich gut war. Ein Markt wie der in Bischofswiesen lebte in vielerlei Hinsicht von den Angestellten. Alle sind langjährige Mitarbeiterinnen. Zimmermanns Kolleginnen bringen es auf zwölf und 14 Jahre.

Die Bindung zu den Kunden stimmte. Was nach der Schließung ansteht, weiß keine von ihnen. Zimmermann ist aber optimistisch, dass sich etwas finden wird. Trotz ihres Alters: „Ich weiß, was ich kann“, sagt sie. Das Alter stehe doch nur auf dem Papier. Außerdem sei sie flexibel, sie hat ein Auto, selbst Salzburg als Arbeitsort stelle kein Problem dar. Ein Ramsauer Hotel hat bereits angefragt, ebenso ein neu eröffneter Lebensmittelhändler aus Berchtesgaden, der noch Personal benötigt.

„Die Menschen sind auf uns zugekommen“, erzählt Zimmermann, dankbar für die Unterstützung, die sie in den vergangenen Wochen auch von ihren treuen Kunden erfahren hatte. „Wir haben sehr viele Stammkunden“. Was vielleicht daran liegen mag, dass man sich nicht scheute, auch mal die Batterien der Taschenlampe auszuwechseln, dort wo andere nur die Ware über den Scanner ziehen.

Trotz des Schlecker-Aus‘ ist die Stimmung im Laden gelöst. Die Kolleginnen lachen miteinander, „uns bleibt ja sowieso nichts anderes übrig“, sagt Elvira Zimmermann, redegewandt, voll von Optimismus. Bereits Ende letzten Jahres gab es die ersten Anzeichen, dass im Unternehmen etwas nicht stimmte: „Lieferschwierigkeiten“, sagt die Filialleiterin, „waren der Anfang“. Dann ein Aufatmen, als es hieß, der Markt in Bischofswiesen bleibe bestehen.

Die Freude währte aber nicht lange. Entscheidungen, Verschiebungen – „für uns alle war das wie ein Nervenkrieg“, sagt sie. Der ist jetzt vorbei. Tausende Mitarbeiterinnen haben ihren Job verloren. „Ich warte jetzt nur noch darauf, dass wir unsere Kündigungen erhalten“, sagt Elvira Zimmermann, die kaum Kritik auf ihren Arbeitgeber kommen lässt. „Mir hat es immer viel Spaß gemacht“, sagt sie. Die Schlecker-Zeit ist bald vorbei. Dann beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Elvira Zimmermann trägt das mit Fassung.

kp

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