SAR im Härtetest

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Vorführung des innovativen Systems zur Rettung Verschütteter auf der Kühroint Alm: Holger Schulz (Fraunhofer IML), Ludwig Lang (Bergwacht Chiemgau), Alexander Rieser, Nico Peters (beide proTime GmbH), Thomas Lobensteiner, Achim Perl (beide Bundespolizei), Franz Polzer (Bergwacht Berchtesgaden), Klaus Pracht (Bergwacht Hausham - v.l.n.r.)

Berchtesgaden - Das Projekt „Galileo Search and Rescue (SAR) Lawine” wurde Ende Juni erfolgreich der Berchtesgadener Bergwacht und der Bundes- und Landespolizei auf dem Trainingszentrum Kührointhaus vorgeführt.

Der Lawinenpiepser konnte zentimetergenau geortet werden. Mit dieser Lösung wird es künftig möglich sein, Lawinenverschüttete wesentlich schneller und fast punktgenau aufzuspüren. Da die Überlebenschancen von Verschütteten bereits nach 15 Minuten rapide sinken, zählt bei Suche und Rettung jede Sekunde. Das Projekt Galileo SAR Lawine – gefördert von der deutschen Raumfahrtagentur im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums – ist eine der ersten Anwendungen des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo.

Für Innovationen aus der heimischen Wirtschaft im Bereich Satellitennavigation ist die Nähe zum Entwicklungsgebiet von großem Vorteil, weshalb die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land mit dem Netzwerk „Initiative Satelliten Navigation Berchtesgadener Land“ entsprechende Aktivitäten eng begleitet und unterstützt. Immerhin kann hier quasi vor der Haustüre das erst ab dem Jahre 2015 funktionstüchtige europäische Satellitennavigationssystem GALILEO schon heute im Berchtesgadener Talkessel GATE getestet werden.

Galileo wird aufgrund seiner erwarteten hohen Genauigkeit und Verfügbarkeit später einmal nicht nur in Europa sondern weltweit von Bedeutung sein. Entwickelt wurde Galileo SAR Lawine von einem Projektteam um die Ideengeber Gerd Waizmann, Geschäftsführer der proTime GmbH und Wolfgang Inninger, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik. Beide Unternehmen sind Mitglied des von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft initiierten Netzwerkes zur Satellitennavigation im Berchtesgadener Land.

Ziel ist es, zur Verbesserung der Lawinenrettung beizutragen. Der Schwerpunkt lag bei der hochgenauen Positionsbestimmung durch die Satellitennavigation und den nötigen Sensoren für Lage und Orientierung sowie Kommunikation. Die beiden erklären die Technik folgendermaßen: „Wir messen den Feldvektor und merken uns genau, wo wir diese gemessen haben. Dann gehen wir ein Stück weiter und messen noch einmal. Nach fünf Messungen beginnen wir das räumliche Feld zu simulieren und wenn die Simulation mit den gemessenen Werten übereinstimmt, wissen wir auch die Position des Senders. Dann müssen wir nur noch die Entfernung, Richtung und Tiefe anzeigen. Die Zeit für die Feinsuche bzw. das Sondieren wird dadurch wesentlich verringert.

Die Professoren Mayr und Stichler von der Hochschule Rosenheim entwickelten zusammen mit ihren Studenten die Software zur messtechnischen Erfassung und Auswertung der magnetischen Felder der LVS-Geräte. Sie haben sich insbesondere mit der Algorithmik zur hochgenauen Lokalisierung auseinander gesetzt. Die Forscher des Fraunhofer-Institutes beteiligten sich an der Konzeption und Planungsphase des Systems und koordinierten die Arbeitsschritte der einzelnen Projektpartner. Ein weiterer Projektpartner war das Ingenieurbüro Volmer aus Schönau am Königssee, welches die proTime GmbH bei der Hardwareentwicklung unterstützte.

Besonders hervorzuheben sind dabei die wichtigen Erfahrungen der Anwendungspartner: die Berchtesgadener Bergwacht, die Bayerische Polizei und die Bundespolizei. Ohne deren Expertenwissen rund um die Suche Lawinenverschütteter wäre ein Praxisbezug nicht möglich gewesen. Was im Sommer 2007 begann und dem Forscherteam bei der Entwicklung mehr Kopfzerbrechen bereitete als erwartet, brachte zwei Jahre später den ersten entscheidenden Durchbruch: Die Berechnung des Senderursprungs funktionierte.

Im Winter 2009/10 wurde weiter getestet und am System gefeilt. Galileo SAR Lawine konnte den Anwendungspartnern nun vor wenigen Tagen am Jenner erfolgreich vorgeführt werden. Der Leiter des Trainingszentrums der Bundepolizei, Thomas Lobensteiner, und der Geschäftsführer der Bergwacht Chiemgau, Ludwig Lang, bekräftigten bei der Vorführung: „Wir waren überrascht davon, wie genau das neue System herkömmliche Verschüttetensuchgeräte auf wenige Zentimeter genau orten kann. Wir würden uns sehr freuen, wenn einer der führenden Hersteller diese Technologie in den kommenden Jahren in seine LVS-Geräte integrieren würde.”

Wie geht es nun weiter?

In diesem Sommer will das Projektteam Galileo SAR Lawine weiterentwickeln, damit es nicht nur Lawinenpiepser – also LVS – findet, sondern auch Handysignale orten kann. Hier sind allerdings noch diverse technische Herausforderungen zu lösen und es wird aufgrund eines anderen Abstrahlungsverhaltens nicht ganz so genau werden. Hintergrund ist, dass immer noch viel zu wenig Tourengeher oder Variantenfahrer kein LVS mit sich führen. Ein Handy hat dagegen fast jeder dabei.

Pressemitteilung WFG BGL

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