Runder Tisch der Almbauern im Nationalpark

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Auf Einladung von Dr. Roland Baier, stellvertretender Leiter des Nationalparks Berchtesgaden (hinten Mitte) sowie der Geschäftsleiterin des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau e.V., Maria Stöberl (vorn), trafen sich rund 20 Almbauern des Nationalparks Berchtesgaden zu einem „Runden Tisch“ im Bräustüberl Berchtesgaden.

Berchtesgaden - Rund 20 Almbauern diskutierten kürzlich mit Vertretern des Nationalparks. Die Hauptthemen waren Trennung von Wald und Weide und der Schutz heimischer Tier und Pflanzen.

„Insgesamt 25 Veranstaltungen haben wir im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Almbauern des Nationalparks durchgeführt“, blickt der stellvertretende Nationalpark- Leiter Dr. Roland Baier auf das vergangene Jahr zurück. Die Aktivitäten reichten von Lokalaugenscheinen auf verschiedenen Almen des Nationalparks über Besprechungen, Versammlungen bis hin zu geselligen Exkursionen. Nach wie vor bewegen Windwürfe in den Licht- und Waldweiden die Gemüter der Almbauern. Dr. Baier warb um Verständnis dafür, dass nicht alle von Wind oder Schneebruch gefällten Bäume aus den Weideflächen entfernt werden können. „Vielmehr versuchen wir in diesen Fällen, durch das Angebot der Trennung von Wald und Weide die verlorenen Flächen an anderer Stelle zu kompensieren“.

Maria Stöberl, Geschäftsleiterin des Verbandes der Forstberechtigten im Chiemgau e.V., verwies in der Diskussion um die Trennung von Wald und Weide darauf, dass lokale Unterschiede beachtet werden müssen: „Für jede Alm müssen wir individuelle Lösungen finden, man kann nicht alle über einen Kamm scheren“. Außerdem solle die Waldweide nicht wie von einigen Almbauern vermutet gänzlich aufgelöst werden: „Teile der Waldweide bleiben als Unterstand für die Tiere erhalten“, betonte der Leiter des Sachgebietes Parkmanagement.

Anschließend informierte Nationalpark-Mitarbeiterin Michaela Künzl, Leiterin des Sachgebiets Naturschutz und Planung, über die Bedeutung von FFH-Gebieten und so genannten „13d-Flächen“ für die Almwirtschaft. Die Abkürzung „FFH“ steht für Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie und zielt auf die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebensräume. Ebenfalls geschützt nach dem Artikel 13d des Bayerischen Naturschutzgesetzes sind Mager- und Trockenstandorte, Feuchtgebiete sowie bestimmte Waldtypen („13d-Flächen“).

„Beide Richtlinien sind keinesfalls Vorgaben des Nationalparks, sondern entstammen europäischem beziehungsweise deutschem Recht “, erläuterte Künzl. Auch auf das Thema Wolf kamen die Almbauern zu sprechen. Dr. Baier stellte heraus, dass dem Wolf bei einer Einwanderung in den Nationalpark Berchtesgaden keinerlei Sonderrechte eingeräumt würden. „Der Wolf ist eine nach EU-Recht streng geschützte Art, die nicht einfach so aus der Wildbahn entnommen werden darf“, unterstrich Maria Stöberl und sagte den Almbauern Unterstützung zu: „Der Verband der Forstberechtigten wird sich für eine entsprechende rechtliche Prüfung der bestehenden Gesetze einsetzen“.

Eine Almbäuerin appellierte an ihre Kollegen, offiziell Maßnahmen zum Herdenschutz bei den zuständigen Stellen zu beantragen, so wie dies bereits zahlreiche Almbauern im deutschen Alpenraum getan hätten. Abschließend vereinbarte Dr. Roland Baier für Sommer 2011 eine weitere gemeinsame Exkursion mit den Almbauern in den Nationalpark. Ziel ist in diesem Jahr das Klausbachtal mit Informationen zur Zonierung des Schutzgebietes sowie zu aktuellen Maßnahmen im Bereich der Waldentwicklung.

Nationalpark Berchtesgaden

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