Rückblick auf Berchtesgadens Jubiläen

Die Berchtesgadener Handwerkskunst im Schlepptau hat dieser junge Herr.

Berchtesgaden – „Der Festzug war eine einzige Augenweide. Geschichte wurde lebendig, gewachsenes Brauchtum entfaltete sich – eine Farbenpracht der Trachten, eine Harmonie von Landschaft und Menschen, wie sie das Oberland in Jahrhunderten ausgebildet hat“...

... so die Süddeutsche Zeitung in belegenden Worten. Schon vor 50 Jahren, lange ist es, feierte man in Berchtesgaden ein Fest der Freude: „Berchtesgaden 150 Jahre bayerisch – wer möchte es glauben, daß unser Geschichtsbuch nur so wenige Seiten bayerischer Geschichte aufzuweisen hat“, so ein Auszug der damaligen Ansprache des 1. Bürgermeisters von Berchtesgaden, Martin Beer. Es muss ein großes Fest gewesen sein, damals, im Jahr 1960. „Wir Berchtesgadener sind zwar ein Völkchen, das gerne Feste feiert, aber ich glaube kaum, daß seit langer Zeit ein Tag so freudig erwartet wurde wie der heutige“, sprach Beer vor einem halben Jahrhundert.

Aber auch schon im Jahr 1860 (50 Jahre Vereinigung) und im Jahr 1910 (100 Jahre) wusste man zu feiern, wenngleich anders als heutzutage. Die dargelegten Zahlen von 1960 sind jedoch ein eindrucksvoller Beweis dessen. Die ersten großen Jubiläumsfeierlichkeiten fanden 1860 statt. Vier Tage habe man damals benötigt, um den „Ausdruck der freudigen Gefühle der Bevölkerung“ gerecht zu werden.

Großer Festumzug "200 Jahre Berchtesgaden bayerisch" in Berchtesgaden

Großer Festumzug in Berchtesgaden

Als Geste an das Königshaus begann man damals, „am Vorabend des Namenstages Ihrer Majestät der Königin“, am 7. September, mit einer allgemeinen Beleuchtung und Musikchören auf den öffentlichen Plätzen. Einen Tag später, am 8. September, wurde – ein feierlicher Gottesdienst war Pflichtprogramm – „die Enthüllung des neu hergestellten Marktbrunnens“ samt „Betheiligung sämmtlicher Behörden, Geistlichkeit und Schuljugend, Aufzug der Königlichen Knappschaft und sonstiger Corporationen“ begangen.

Die Gasteiner Schützen von Dorfgastein mit dunkelgrünen Trachtenröcken und die Schützenkompanie von St. Veit ziehen an der Ehrentribüne am Schlossplatz vorbei (1960).

Was folgte, war die „Eröffnung einer acht Tage dauernden Gewerbeausstellung, die Ausspeisung der Armen in mehreren Gasthäusern und nachmittags ein Gesangsfest der Liedertafel“. Weiter ging es mit einem viertägigen Festschießen, nachmittäglichem Holzsturz, dann ein Schifferrennen am Königssee. „Am 10. September wurde wieder mit feierlichem Auszug auf die Festwiese und ehrfurchtsvollem Empfang der Königlichen Majestäten in der für Allerhöchstdieselben und dem Königlichen Hof errichteten Tribüne“ ein Fest eröffnet – ein landwirtschaftliches.

Volksspiele auf der Festwiese und „Tanzunterhaltungen“ in den Gasthäusern rundeten den Festtag ab. Einen Tag später, am 11. September „war vormittags Ziehung zur Verlosung von Berchtesgadener Industrie und Kunsterzeugnissen, nachmittags Preisverteilung an die Schuljugend und ein Spielfest im Freien“. Beiläufige, wenngleich interessante Fakten am Rande: Im Jahr 1860 „war fast der vierte Teil der Bevölkerung in der Holzwaren-Fabrikation“ tätig. Es gab damals, vor 150 Jahren, „170 Schachtelmachermeister, 60 Schnitzer, 120 Drechsler sowie 40 Schäffel-, Lagel- und Empermachermeister, die wiederum über 200 Gesellen beschäftigten“.

"200 Jahre Berchtesgaden bayerisch" am Königssee

"200 Jahre Berchtesgaden bayerisch" auch am Königssee

1910 „wäre die Zentenarfeier fällig gewesen, aber die Hundertjahrfeier verzögerte sich um drei Jahre, da man sich nicht einigen konnte, wo das Brunnendenkmal errichtet werden sollte“. Ob Schlossplatz oder Rathausplatz – das war die Frage, die zunächst nicht geklärt werden konnte. Im Jahr 1913 feierte man schließlich gemeinsam das Jubiläum. „Am Namenstag des Prinzregenten Ludwig – dem späteren König Ludwig III. – nahm man die Enthüllung des Rathausbrunnens vor“. Die Vereine des Berchtesgadener Landes waren allesamt anwesend und „hatten Aufstellung bezogen“. Der Brunnen, ein Denkmal aus Muschelkalk, wurde von Bezirksamtsmann Graf von Lerchenfeld „in die Obhut der Marktgemeinde“ übergeben.

1960, 150 Jahre bayerische Zugehörigkeit – für viele Berchtesgadener Grund genug, das eigene Haus in „neues Gewand“ zu stecken. Von prächtigem „Blumen- und Fahnenschmuck“ wird berichtet, davon, „daß alle bemüht waren, ein wirkliches Heimatfest zu gestalten“.

„Abertausende erwarten am Marktplatz und in den anderen Straßen den Festzug“.

Einige interessante Zahlen in der Rückschau: „Zum Festzug am 4. September 1960 waren 1875 Personen als Teilnehmer gemeldet“, es kamen aber wesentlich mehr Menschen, als letztlich erwartet wurden. „So stellte etwa Reit im Winkl eine Beteiligung von 32 Personen in Aussicht, kam aber mit 118. Über 200 Pferde sah man während des Festzuges als Zug-, Trag- oder Reittiere. Der Almabtrieb am Schluss des Festzuges setzte sich aus einem Stier, zwölf Kühen, einem Ziegenbock, fünf Ziegen und vier Schafen zusammen.

„160 Freiquartiere standen für die drei Südtiroler Musikkapellen zur Verfügung“. 15 Musikkapellen waren im Festzug dabei. „Allein das Haus Kerschbaumer beteiligte sich anläßlich seines 300-jährigen Geschäftsjubiläums mit einer starken Gruppe von 72 Personen, einem Planwagen, drei Kutschen, acht Zug- und fünf Reitpferden“. 15 Hektoliter Bier wurden „vom Berchtesgadener Hofbräuhaus und von auswärtigen Brauereien“ gestiftet, die Enzianbrennerei Graßl schenkte 70 Liter Enzian an die Zuschauer des Festzuges aus.

Auftakt zu "200 Jahre Berchtesgaden bayerisch" in Marktschellenberg

Marktschellenberg feiert "200 Jahre bayerisch"

12.000 Festzeichen wurden verkauft, 5000 Festschriften. Zahlen, die heutzutage unmöglich erscheinen. „Die Schätzung der Zuschauer in den Straßen Berchtesgadens schwankte zwischen 30.000 und 40.000“. Die Tribüne am Schlossplatz fasste 500 Personen, „130 Zeitungen berichteten in über 7000 Druckzeilen“ und auch der Bayerische und der Österreichische Rundfunk „brachten mehrere Sendungen vor und nach dem Feste“.

Feierliche Illumination und Feuerspucker

Illumination und Feuerspucker

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