Die eine ins Kloster, die andere zum Film

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Schwester Bernadette war mit Romy Schneider im Internat auf Schloss Goldenstein.

Berchtesgaden – Schwester Bernadette, eine Augustiner Chorfrau, war mit Romy Schneider im Internat. Sie besuchte nun die Ausstellung in der Maximilianstraße. Wir haben sie getroffen.

Mit einer kleinen Digitalkamera ist Schwester Bernadette zur Eröffnung der Romy Schneider-Ausstellung nach Berchtesgaden gekommen. Sie knipst fleißig alle Erinnerungen und Ausstellungsgegenstände, die im Kongresshaus-Gebäude noch bis in den Oktober hinein an die Schauspielerin erinnern werden. Ihre Erwartungshaltung war groß, immerhin kennt sie Romy aus vergangenen Zeiten persönlich. Zusammen waren sie im Internat auf Schloss Goldenstein im österreichischen Elsbethen – von 1949 bis 1953.

„Romy war eine Klasse unter mir“, erzählt Schwester Bernadette, die 1955 bei den Augustiner Chorfrauen eingetreten ist. „Unsere Wege haben sich nach dem Internat getrennt: Romy ist zum Film, ich bin in das Kloster gegangen“, erzählt die Dame, die glasklare Erinnerungen an die Zeit mit der zur Filmlegende gewordenen Schauspielerin besitzt. Zur Premiere des Romy Schneider-Films „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ im Jahr 1953 war Schwester Bernadette mit dabei. Ein großartiges Erlebnis: „Das Schöne war, dass Romy im Film genau so war, wie sie sich auch gegenüber ihren Mitmenschen gegeben hat“, erzählt die Klosterfrau. Eine Mitschülerin, die plötzlich aufbricht und die Welt erobert: Wie war das für die, die zuhause blieben? „Uns war klar, dass Romy zum Film gehen würde“, sagt Schwester Bernadette. Schon zu Internatszeiten hat sie viel Theater gespielt, Hauptrollen innegehabt. „Sie war sehr bemüht und äußerst genau“, erinnert sie sich. Trotzdem soll Romy Schneider während der Klassentreffen, bei denen sie dabei war, immer gesagt haben, dass es beim Film so schrecklich sei. Dass sie gar nicht viel von ihrer Zeit dort erzählen wolle. Verändert habe sie sich aber nicht – obwohl sie die Laufbahn als Schauspielerin eingeschlagen hatte und dort erste Erfolge feiern konnte. Romy Schneiders Erfolgsrezept? „Sie hat das gespielt, was sie selbst dargestellt hat“, sagt Schwester Bernadette. Eine tragische Komponente hatte das Leben der berühmten Mitschülerin trotzdem: „Sie ist nie an den richtigen Mann gekommen“, so die Klosterfrau. Sie sei eine ständig Getriebene gewesen. 28 Mal sei sie umgesiedelt – vor allem deshalb, weil sie immerzu von „Paparazzi“ verfolgt wurde. Ihre ganze Kraft habe Romy Schneider in ihren Sohn David gesteckt. Am Tiefpunkt angelangt sei sie, sagt Schwester Bernadette, als David tragisch ums Leben kam. Dass es in Berchtesgaden für die kommenden fünf Monate eine Romy Schneider-Ausstellung gebe, wecke viele schöne Erinnerungen, sagt die Chorfrau. An eine Zeit, als alles noch gut und unbeschwert war.

kp

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