"Ein Denkmal aus Beton"

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Markus Rinderspacher, SPD- Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag (r.), und Roman Niederberger vom SPD-Kreisverband Berchtesgadener Land.

Berchtesgaden - SPD-Fraktionsvorsitzender, Markus Rinderspacher, spricht über den Kirchholz- und Stadtbergtunnel, die ÖPNV sowie die Regionalstadtbahn und das „Haus der Berge“.

Auf Sommertour mit dem Rad durch Bayern befindet sich momentan Markus Rinderspacher, „weil sich der Freistaat Bayern in seiner ganzen Vielfalt am besten mit dem Radl entdecken lässt“, so der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bayerischen Landtag. Er hat über jene Themen gesprochen, die die Bürger im Landkreis beschäftigen. Verkehrsminister Peter Ramsauer will sich mit dem Kirchholz- und Stadtbergtunnel seines Erachtens ein „Denkmal aus Beton setzen.“

Thema öffentlicher Nahverkehr im Landkreis: Welche Notwendigkeiten fallen Ihnen dazu spontan ein?

Markus Rinderspacher: Für die SPD steht beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV; d. Red.) die Bahnstrecke Salzburg-Freilassing-Bad Reichenhall-Berchtesgaden im Mittelpunkt. Wir brauchen einen dichteren Takt auf der gesamten Strecke und müssen die Langsam-Fahrstellen beseitigen, um kürzere Fahrtzeiten zu ermöglichen. Außerdem sind zusätzliche Haltestellen ebenso nötig wie die Durchbindung nach Salzburg und eine bessere Anbindung an den Fernverkehr aus München. Die Wartezeiten in Freilassing bei Intercity-Anreise von teilweise über 40 Minuten sind eine Zumutung. Wir kämpfen zudem für den Bau eines dritten Gleises zwischen Freilassing und der österreichischen Grenze sowie für den Ausbau der Bahnstrecke München-Mühldorf-Freilassing. Das Radwegenetz ist weiter auszubauen.

Selbst waren Sie als „Rote Radler“ auf dem Fahrrad durch den Landkreis unterwegs. Politiker kennt man doch sonst nur in schweren PS-Karossen?

Rinderspacher: Auf dem Radl kommt man Land und Leuten viel näher als im Dienstfahrzeug. Man bekommt ein besseres Gespür, wo den Menschen vor Ort der Schuh drückt. Ich habe in den sieben bayerischen Regierungsbezirken seit vergangenem Jahr knapp 1600 Kilometer auf dem Radl zurückgelegt, dabei mehr als 100 Bürgermeister und Landräte getroffen und Kontakt mit vielen, vielen Menschen gehabt. Politik in dunklen Hinterzimmern ist von gestern. Als jüngster Abgeordneter der Landtags-SPD setze ich in besonderem Maße auf die traditionelle politische Kommunikationsform - das Gespräch vor Ort.

Kirchholz- und Stadtbergtunnel – ein immerwährendes Thema. Ihre Meinung dazu?

Rinderspacher: Wir Sozialdemokraten lehnen Kirchholz- und Stadtbergtunnel geschlossen ab. Der große Landschaftsverbrauch und der immens hohe Finanzaufwand stehen nicht im Verhältnis zu der vergleichsweise geringen Entlastung des Talkessels. Die Kosten schätze ich mit mindestens 200 Millionen Euro weit höher ein als Verkehrsminister Ramsauer, der sich meines Erachtens ein Denkmal aus Beton setzen möchte. Er nimmt dabei den Mund so voll wie sein Geldbeutel leer ist.

Ab Ende 2012 soll das „Haus der Berge“ Informations- und Umweltbildungszentrum des Nationalparks Berchtesgaden sein. Gut investierte 19 Millionen Euro?

Rinderspacher: Ich denke, ja. Das "Haus der Berge" ist als Informationszentrum zum Nationalpark Berchtesgaden eine zusätzliche Attraktion für die Region. Es dient der Umweltbildung, stärkt das ökologische Bewusstsein und soll als kulturelles und touristisches Glanzlicht für alle Altersgruppen zugänglich sein.

Sie und die „Roten Radler“ fuhren auch durch Marktschellenberg durch, vorbei an der geplanten Strecke für die Regionalstadtbahn. Ein Milliardenprojekt. Realistisch oder Utopie?

Rinderspacher: Grundsätzlich können wir Sozialdemokraten uns das Projekt vorstellen, das allerdings sehr weit in die Zukunft reicht und den Einsatz großer Mittel erfordert. Für uns hat jetzt Priorität, dass die wichtigen kleineren Schritte zum Ausbau des ÖPNV deshalb nicht unterbleiben. Beim öffentlichen Nahverkehr im Berchtesgadener Land muss sich jetzt etwas bewegen und nicht erst in 30 Jahren.

kp

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