Rekordergebnis bei Kriegsgräbersammlung

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Die Beteiligten der Kriegsgräbersammlung im Jahr 2010, versammelt vor dem Offiziersheim der Kaserne Strub.

Berchtesgadener Land/Traunstein – Ein Rekordergebnis der Kriegsgräbersammlung für das Jahr 2010 konnte Rudolf Schaupp im Offiziersheim der Kaserne Strub verkünden.

„Wesentliche Träger der Sammlung waren zweifellos wieder unsere Soldatinnen und Soldaten an den Standorten Bad Reichenhall und Bischofswiesen“, so Schaupp. Bei truppeninternen Sammlungen, Gedenkkerzenaktionen („Lichter für den Frieden“) und Haussammlungen in 15 Kommunen des Landkreises Berchtesgadener Land und sieben Gemeinden des Landkreises Traunstein kam eine Summe von 69572 Euro zusammen.

Oberst Peter Utsch, stellvertretender Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, begrüßte die anwesenden Gäste im Offiziersheim und überbrachte die Grüße von Regierungspräsident Christoph Hillenbrand sowie des Bundeswehrbeauftragten des Landesverbandes Bayern, Oberst a. D. Werner Ertl. Einen besonderen Dank sprach Utsch jenen Soldaten und Soldatinnen aus, ehemaligen wie aktiven, die sich freiwillig bereit erklärt haben, als Sammler für unsere Organisation um Spenden zu bitten. Solange Utsch noch Standortältester in Bad Reichenhall sei, werde er die Kriegsgräbersammlung bewusst weiterhin unterstützen – ein Beitrag, der von Generation zu Generation weitergetragen worden sei und „wichtig ist für die Zukunft“. Wie sich die Sammelaktion in Zukunft gestalte, darüber könne man bis dato keine konkreten Auskünfte geben, da man noch nicht wisse, wie es mit den Grundwehrdienstleistenden weitergehe, seitdem bekannt ist, dass die Wehrpflicht ausgesetzt werde. „Durch die Reform haben wir Änderungen zu erwarten“. Dennoch blickt Utsch positiv in Richtung Zukunft, er wünscht sich, im nächsten Jahr ein ähnlich gutes Ergebnis zu erreichen, „vermehrte Anstrengung“ vorausgesetzt. „Frieden, Versöhnung über den Gräbern und die Völkerverständigung sollten Anlass genug sein, weiterzusammeln“, sagte Oberst Utsch.

1000 Fußballfelder Friedhosfläche

Jörg Raab, Geschäftsführer des Volksbundes im Bezirksverband Oberbayern, widmete sich in seiner Rede dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der 1919 nach Ende des Ersten Weltkrieges als eine der „ersten Bürgerinitiativen in unserem Land“ gegründet worden war. Derzeit pflegt der Volksbund in 45 Ländern Europas und Nordafrikas im Auftrag der Bundesregierung auf 827 Kriegsgräberstätten die Gräber von 2,3 Millionen Toten beider Weltkriege. „Die betreute Friedhofsfläche, rund 766 Hektar, entspricht 1000 Fußballfeldern“, so Jörg Raab, der auf jene im vergangenen Jahr ihrer Bestimmung übergebenen Kriegsgräberstätten bei Woronesh (Russische Föderation) und im heutigen Cheb (Tschechische Republik) eingeht. „Der Einweihungsfeier in Cheb wohnten am 11. September 2010 beinahe 3000 Menschen aller Generationen bei“, sagte Raab. Die Zeremonie wurde von über 100 Fahnenabordnungen bayerischer Soldaten-, Reservisten- und Traditionsvereine umrahmt. Die Bundeswehr war ranghoch und mit einer Abordnung des Wachbataillons repräsentiert. „Das war ein enormer Zuspruch, mit dem wir in diesem Umfang nicht gerechnet hatten“. Eine vergleichbare Resonanz hatte der Volksbund zuletzt bei Einweihungen der großen Soldatenfriedhöfe in den 70er Jahren“ des vergangenen Jahrhunderts.

Mit dem Zerfall des Sowjetimperiums und im Zuge von Glasnost und Perestroika habe der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit Beginn der 1990er Jahre, „nach Jahrzehnten des Stillstandes“, so Raab, seine Arbeit aufgenommen. „Die Erwartungen der Angehörigen von Millionen Menschen, die im Osten gefallen, vermisst oder durch Flucht und Vertreibung ums Leben gekommen sind, ist gegenüber dem Volksbund nach wie vor groß“. Es sei Programm und Pflicht zugleich, „zu einer gemeinsam geteilten Sicht der Geschichte zu kommen und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen“, sagte Raab. Eine Aufgabe, die besonders Deutschland und Frankreich miteinander verbinde, ehemalige „Erzfeinde“, die sich heutzutage gemeinsam „zu Recht als Kern und Herzstück der europäischen Integration“ begreifen könnten. Der Volksbund mit all seinen Gliederungen bis auf Ortsebene habe auch im internationalen Bereich eine viel beachtete Funktion übernommen. Integraler Bestandteil der Friedensarbeit seien die alljährlich stattfindenden Jugendlager zur Pflege der Kriegsgräber, die seit 1953 durchgeführt werden. Auch den Streitkräften, den Soldaten- und Traditionsverbänden und den Kommunen würde im Rahmen ihrer Städte- respektive Gemeindepartnerschaften eine besondere Rolle zugeteilt auf dem Weg zu einer europäischen Gedenk- und Erinnerungskultur.

Zusätzliche Kosten für den Volksbund

20 Prozent der für die Gedenk- und Friedensarbeit des Verbandes erforderlichen Mittel stammten aus öffentlicher Hand. „Trotz deutlich gestiegener Bundeszuschüsse müssen wir feststellen, dass der Staat uns diese Arbeit nicht immer erleichtert.“ Gründe hierfür sieht Raab in der Auflösung des Bayerischen Sammlungsgesetzes („inzwischen darf jeder sammeln“) und in der Tatsache, dass gemeinnützige Organisationen „neuerdings durch eine Portosteuer erheblich belastet“ werden. „Die zusätzlichen Kosten für den Volksbund werden durch unsere Bundesgeschäftsstelle auf etwa 500000 Euro im Jahr beziffert.“ Damit sei eine absurde Situation entstanden, so Raab: „Ausgerechnet die, die mit ihrer so nützlichen wie nötigen Tätigkeit den Staat entlasten oder so wie in unserem Fall einen ureigenen staatlichen Auftrag, nämlich Kriegsgräberfürsorge, wahrnehmen, werden zusätzlich zur Kasse gebeten“. Die mahnende Botschaft, die von Kriegsgräberstätten ausgehe, sei mit Blick auf die Auslandseinsätze der Bundeswehr „von bitterer Aktualität“. Spätestens seit April 2010 sei der „Krieg Deutschland näher gerückt als je zuvor seit Ende des Zweiten Weltkriegs“. Der Volksbund fordere daher das dauernde Ruherecht von Kriegstoten, „auch und gerade für gefallene Bundeswehrsoldaten – es geht uns um eine normative Gleichstellung mit den Gefallenen der beiden Weltkriege“. So wie sich derzeit die Situation gestalte, finde die Forderung bei Verteidigungsminister zu Guttenberg ein offenes Ohr. „Zu diesem Thema wird es in absehbarer Zeit Gespräche geben“, fügte Raab hinzu.

Rudolf Schaupp, Vorsitzender des Kreisverbandes Berchtesgadener Land im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, verkündete bei der feierlichen Übergabe des symbolischen Schecks das Ergebnis der letztjährigen Sammlungsaktion: 69572 Euro und damit 5934 Euro mehr als im Jahr 2009. Mit einem Ergebnis von 40225 Euro ist der Standort Bad Reichenhall zum wiederholten Male der einnahmenstärkste Standort der Bundeswehr im Bezirksverband Oberbayern – vor Manching und Fürstenfeldbruck. Das Gebirgsjägerbataillon 232 unter Sammlungsleiter Stabsfeldwebel Christian Merwald und Oberfeldwebel Marion Anger erzielte mit 18264 Euro vier Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Zugleich ist das das drittbeste Ergebnis, das durch die Struber Jager jemals erzielt wurde“, sagte Schaupp. Weitere 4917 Euro trugen die Krieger- und Soldatenkameradschaft Oberteisendorf/KSK Neukirchen, die Krieger- und Soldatenkameradschaft Anger sowie die Veteranen- und Kriegerkameradschaft Laufen zusammen. „Mein besonderer Dank gilt Hauptfeldwebel a. D. Ernst Pecher aus Freilassing, der dieses Mal als umsatzstärkster regionaler Kerzenmitarbeiter in Oberbayern dem Ergebnis weitere 6166 Euro hinzufügen konnte.“ Bei einem gemeinsamen Weißwurstessen konnten die Anwesenden die Ergebnisse nochmals Revue passieren lassen und auf das vergangene Jahr zurückblicken.

kp

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