Seilsicherung am Watzmann - ja oder nein?

Fendt: "Der Nationalpark hat keine vorsätzlichen Gefahren geschaffen"

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Seit 2017 sind 15.000 Bergsteiger die Watzmann-Überschreitung unfallfrei gegangen.
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Ramsau - In der vergangenen Woche war die Diskussion um eine entfernte Seilsicherung am Watzmann wieder aufgeflammt. BGLand24.de hat mit Carolin Scheiter vom Nationalpark Berchtesgaden und Rudi Fendt von der Bergwacht Ramsau darüber gesprochen.

"Die Urlauberin ist an einer Stelle ausgerutscht, die abseits des offiziellen Weges war und an der Absturzstelle ist nie ein Seil gewesen. Seit dem Zeitpunkt der Sanierung haben rund 15.000 Bergsteiger die Watzmann-Überschreitung unfallfrei begangen. Es war ein sehr bedauerlicher Unfall und wir wünschen der jungen Frau alles erdenklich Gute für ihre Genesung", nimmt Carolin Scheiter, die Pressesprecherin des Nationalparks Berchtesgaden gleich Stellung zum Aufhänger der Diskussion.

Der Ramsauer Bergführer Hubert Nagl hatte gegenüber der Heimatzeitung geäußert, dass der Absturz einer 22-jährige Brandenburgerin während der Überquerung im August diesen Jahres nicht passiert wäre, wenn der Nationalpark die Seilsicherung nicht abgebaut hätte. "Die Watzmannüberschreitung umfasst, beginnend von der ersten Seilversicherung am sogenannten „Hochstieg“ bis zur letzten Sicherung oberhalb des Wimbachtales, eine Gesamtlänge von ca. 5 km. In diesem Bereich sind etwa 500 m seilversichert. 90 % der Weglänge sind damit nicht versichert. Dort dienen ausschließlich Markierungen der Orientierung", reagiert Scheiter auf die Kritik. "Bei der Sanierung im Jahr 2017 sollten defekte Seilversicherungen in wenig anspruchsvollem Gehgelände nicht mehr saniert und durch Farbmarkierungen ersetzt werden. Die Urlauberin befand sich zum Zeitpunkt des Sturzes abseits des markierten Steiges. Im Absturzbereich abseits des markierten Steiges waren nie ein Seil oder andere Sicherungen angebracht."

Zwölfstündiger Rettungseinsatz am Watzmann

Rudi Fendt von der Bergwacht Ramsau pflichtet ihr bei: "Es war ein tragischer Unfall, man könnte sagen, das Schicksal hat zugeschlagen, denn die junge Frau war der Sache absolut gewachsen." Mit der Sache meint er die Überschreitung. "Haben wir früher nur Verletzte vom Berg holen müssen, sind es heute oft erschöpfte, dehydrierte, letztlich überforderte Personen." Ansonsten betont Fendt, halte sich die Bergwacht aus dieser Diskussion heraus. "Wir sind auf die Seilsicherungen nicht angewiesen, wir sichern uns selbst."

Watzmann-Überschreitung soll Königstour bleiben

Rudi Fendt will, dass die Watzmann-Überschreitung die Königstour bleibt.

Ganz privat hat er aber schon eine Meinung zu der Diskussion, die seit Jahrzehnten geführt werde: "An zwei Stellen hätte ich mir vielleicht mehr Sicherung gewünscht. Ansonsten ist es in Ordnung, so wie es ist. Die Sicherungen sind neu und die Watzmann-Überschreitung soll die Königstour bleiben." Für ihn ist auch klar: "Der Nationalpark hat mit der Entfernung der Seilsicherung keine vorsätzlichen Gefahren geschaffen." Auch die Bergwacht habe seitdem nicht mehr Einsätze zu verzeichnen.

Dem widerspricht Hubert Nagl: "Die Tour ist deutlich schwieriger und gefährlicher geworden", sagte er der Heimatzeitung. Für ihn ist der Rückbau absolut unverständlich. Die Pressesprecherin des Nationalparks erklärt dazu: "Das Konzept zur Wegeunterhaltung im Nationalpark schreibt vor, dass eine Erneuerung bzw. Sanierung verzichtbarer Kunstbauten unterbleibt, wenn sich dadurch Schwierigkeit und Charakter eines Weges oder Steiges nicht ändern. Diese Vorgaben wurden bei der Sanierung der Versicherungen am Watzmanngrat berücksichtigt." Es seien auch keine Hinweise zu weiteren Vorkommnissen oder Verbesserungsvorschläge bei der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden eingegangen.

Der Watzmann soll also ein Berg bleiben, der "erfahrenen, konditionsstarken und trittsicheren Bergsteigern vorbehalten ist und nicht für die „Allgemeinheit“ geeignet". "Die Überlegungen zu den Seilsicherungen betreiben im Nationalpark Menschen mit Sachverstand", schließt Rudi Fendt. "Denen, die glauben, die Watzmann-Überschreitung gehen zu können, fehlt oft der Sachverstand."

cz

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