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Bergwacht Ramsau zu 19-stündigem Einsatz bei Nebel und Regen am Watzmann

„Leute arbeiten sich nicht mehr langsam heran, sondern wollen gleich den Watzmann überschreiten!“

Über 19 Stunden lang war die Bergwacht am Dienstagabend am Watzmann im Einsatz.
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Über 19 Stunden lang war die Bergwacht am Dienstagabend am Watzmann im Einsatz.

Ein Verletzter und drei erschöpfte Bergsteiger musste die Bergwacht Ramsau in einem 19-stündigen Einsatz bei Nebel, Regen und Sturm am Watzmann retten. BGLand24.de hat sich erkundigt, welch schwierige Entscheidungen die Bergwacht bei einem solchen Einsatz treffen muss und wie jede und jeder durch richtige Selbsteinschätzung verhindern kann, in eine solche Lage zu geraten.

Ramsau bei Berchtesgaden - „Wir stehen in so einer Situation vor einer schwierigen Risikoabwägung: Ab wann geraten die Kameraden, die ausrücken um jemanden zu retten, selbst zu sehr in Gefahr ebenfalls zu verunglücken? Zum Glück waren es dann ‚nur‘ starker Regen und Böen“, berichtet Michael Renner, Pressesprecher der Bergwacht Ramsau gegenüber BGLand24.de. „Manchen Leuten ist das, fürchte ich, nicht ganz bewusst: Das funktioniert nicht wie ein Krankenwagen in der Stadt. Ob per Hubschrauber oder zu Fuß, die Witterungsverhältnisse können die Lage binnen kurzer Zeit dramatisch ändern und den Grad der Selbstgefährdung für die Einsatzkräfte erheblich steigern!“

19-stündiger Rettungseinsatz für vier Verstiegene am Watzmann: Bergwacht mahnt zur richtigen Selbsteinschätzung vor einer Tour

Ein Großaufgebot von 31 Einsatzkräften der Bergwachten Ramsau und Berchtesgaden war von Dienstag auf Mittwoch in einer sehr aufwendigen, über 19-stündigen Rettungsaktion am Watzmanngrat gefordert, um drei erschöpfte und einen verletzten Bergsteiger bei widrigen Wetterverhältnissen mit Nebel, Starkregen und Windböen sicher ins Tal zu bringen. Die vier zwischen 38 und 44 Jahre alten Männer aus Hamburg, Oberbayern und Niedersachsen waren bereits zeitig zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh am Parkplatz Wimbachbrücke aufgebrochen, um die an Schönwetter-Tagen stark frequentierte Watzmann-Überschreitung in umgekehrter Richtung entgegen des Urlauber-Stroms mit Aufstieg durchs Wimbachgries zur Südspitze und anschließender Grat-Überschreitung zum Hocheck zu absolvieren.

Die Gruppe war dann nach rund einem halben Tag am Berg zwischen Süd- und Mittelspitze derart erschöpft und dehydriert, dass sie kaum mehr vorankam. Der 38-jährige Hamburger hatte sich zusätzlich noch am Knie verletzt und konnte selbst nicht mehr gehen, weshalb die Urlauber schließlich gegen 15 Uhr bei der Leitstelle Traunstein einen Notruf absetzten– rund eine halbe Stunde zu spät, denn aufgrund des angekündigten Unwetters mit Windstärken von rund 100 Stundenkilometern konnte kein Heli mehr zur Einsatzstelle in rund 2.600 Metern Höhe starten und die Gruppe ohne größeren Zeit- und Personalaufwand ins Tal fliegen.

Bergwacht-Sprecher: Leute arbeiten sich nicht mehr langsam heran sondern wollen gleich über den Watzmann

„Ein kritischer Umgang mit sich selbst gehört dazu. Man sollte seine Tourenplanung immer abhängig vom eigenen Können machen“, gab David Pichler, Regionalgeschäftsführer der Bergwacht Region Chiemgau erst vor kurzem im Gespräch mit chiemgau24.de zu bedenken (Plus-Artikel chiemgau24.de). „Man sollte sich selbst kritisch hinterfragen, ob man dem gewachsen ist beziehungsweise ob man die nötige Vorerfahrung hat. Im Zweifelsfall sollte man vielleicht im Vorfeld einen Kurs machen oder Kenntnisse nochmal auffrischen. Und natürlich sollte man sich über die örtlichen Gegebenheiten und die aktuelle Wetterlagen informieren, wie auch das Beispiel des Themas mit dem Schnee zeigt.“

Dem kann sich auch sein Ramsauer Kollege Renner nur anschließen. „Die Sache ist halt: Einen Berg zu besteigen wird heutzutage als immer selbstverständlichere Leistung gesehen, als etwas das ein anderweitig sportlicher Mensch ohne weiteres schaffen kann“, so der Bergwacht-Mann „Es ist aber nun mal ein sich selbst verstärkendes Problem: Wenn man nie oder selten auf den Berg geht, überschätzt man leicht, was man wirklich kann beziehungsweise zu leisten vermag. Wer vielleicht sonst sportlich unterwegs ist, mag glauben, dass er auch so eine Bergtour dann schafft. Aber wenn man sich nicht langsam heranarbeitet, indem man sich an immer anspruchsvolleren Bergen probiert, sondern gleich den Watzmann überschreiten will, kann man dann plötzlich feststellen, dass man damit unerwarteterweise heillos überfordert ist.“

hs

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