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Ist der Wolf eine Bedrohung für die Almwirtschaft?

Bürgermeister Ramsau: „Landwirte können ihre Almen nicht kilometerweit einzäunen!“

Symbolbild: Wolf in Bayern
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Symbolbild: Wolf in Bayern

Stellt der Wolf eine Bedrohung für die Kulturlandschaft in den Alpen dar? Ist er überhaupt noch vom Aussterben bedroht? Bei der Gemeinderatssitzung in Ramsau kam es zu einem einstimmigen Beschluss.

Ramsau bei Berchtesgaden – Erst in der Nacht zum Mittwoch (8. Juni) stürzte in Schleching eine Herde Jungvieh in den Tod. Schuld daran soll ein Wolf sein, der seit einiger Zeit zwischen Staudach und Grassau sein Unwesen treibt. Sennerin Irmi Guggenbichler, die in dem Gebiet arbeitet meint: „Damit leben wir seit vielen Jahren, wegleugnen lässt sich der Wolf bei uns nicht mehr.“

Eine Bedrohung für die traditionelle Kulturlandschaft?

Noch am Abend bevor die Kadaver in Schleching gefunden wurden, war in der Gemeinde Ramsau über „den Wolf“ gesprochen worden. Bei der Gemeinderatssitzung am 7. Juni stellte man sich der Frage, wie man zu dem Vierbeiner stehe und kam dabei zu einem einstimmigen Schluss: Ramsau sieht eine Bedrohung für die traditionelle Kulturlandschaft. Vor allem für die rund 50 Landwirte im Gemeindegebiet sei das Problem ein existenzielles. Zwar gibt es nur 16 Betriebe, die Schafe halten, doch der Geschäftsleiter der Gemeinde, Martin Willeitner berichtet, dass bei der Sitzung eine Bedrohung für die gesamte Almwirtschaft festgestellt wurde.

„Es ist so, dass wir alle Bedenken haben, wenn der Wolf bei uns sesshaft würde“, erläutert Willeitner. „Die Tiere auf Freiweiden, die Hirt- und Stabfrei gehalten werden, sind durch den Wolf besonders gefährdet. Die traditionelle Alm- und Weidewirtschaft ist aber nicht nur wirtschaftlich wichtig, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil unserer Identität“, so Willeitner weiter. Sollten die Almen nicht mehr bewirtschaftet werden können, bestünde auch eine Gefahr für den Lebensraum von seltenen Tier- und Pflanzenwelt auf den Almwiesen.

Ist der Wolf überhaupt noch vom Aussterben bedroht?

Rudi Fendt, Zweiter Bürgermeister von Ramsau, hebt hervor, dass die Gemeinde die Diskussion über den Wolf aktiv und nicht reaktiv in Bewegung bringen möchte. „Es muss nicht zuerst wieder etwas passieren, bevor darüber gesprochen wird“, so Fendt. Als Vertreter der Bergsteigerdörfer weiß Fendt um die Aufgaben, denen sich Alpendörfer in Slowenien, der Schweiz, in Österreich, Italien und in Frankreich gegenüber sehen. „Es müssen politische Lösungen her. Der Status des Wolfes ist noch einmal zu überdenken. Dass es schützenwert ist, so viel steht fest. Aber wenn sich der Bestand von Null auf mittlerweile 900 oder mehr deutschlandweit erholt hat, dann sollte man sich fragen dürfen, ob der Wolf noch vom Aussterben bedroht ist.“

Landwirte können Almen nicht kilometerweit einzäunen

Erst im März hatte der Umweltausschuss im Rosenheimer Kreistag weniger Schutz für den Wolf gefordert und die bayerische Staatsregierung zum Handeln aufgefordet. Sie solle sich bei der Bundesregierung und der EU dafür stark machen, den Schutzstatus für den Wolf herabzusetzen. CSU und Freie Wähler betonten im Kreistag, dass die Bauern nicht ernst genommen würden. Auch die Gemeinde Ramsau sieht ihre Landwirte alleingelassen. Willeitner „Unsere Landwirte können ihre Almen nicht kilometerweit einzäunen. Abgesehen davon blieben sie auf den Kosten dafür sitzen, denn für die Zäune erhalten sie gerade einmal 50 Prozent Förderung vom Staat. Die Arbeitszeit wird nicht bezahlt. Wie soll das ein Landwirt im Nebenerwerb stemmen?“

„Das kann nicht funktionieren mit den Zäunen. Entweder Wind oder Schnee machen die Zäune kaputt, oder sie behindern Skitourengeher oder Langläufer. Ganz zu schweigen davon, wie das aussieht. Außerdem stehen kilometerweite Zäune in keinem Verhältnis zum Aufwand. Es ist ohnehin schon schwierig genug für die Landwirte, ihre Arbeiten im Nebenerwerb zu bewältigen.“

Rudi Fendt, Zweiter Bürgermeister Ramsau

Als nächsten Schritte will sich die Gemeinde Ramsau laut Willeitner mit den Nachbargemeinden zusammenschließen: „Wir müssen im Prinzip schauen, dass bestimmte Gebiete wolfsfrei gehalten werden. Wir brauchen Weideschutzzonen“, betont Willeitner. Dass dabei auch der Wolfsbestand kontrolliert werden müsse ist eine natürliche Folge. Immerhin hat das Tier keine natürlichen Feinde.

Noch im Winter waren die Nachbargemeinden Marktschellenberg und Bergen von Wolfsrissen betroffen gewesen. Während die Grünen sich für ein Nebeneinander von Mensch und Wolf im Berchtesgadener Land stark machten, ging weiterhin die Angst vor dem Vierbeiner um. Im Januar war der Problemwolf dann zum Abschuss freigegeben worden – die Klage vom Bund Naturschutz vorprogrammiert. Das Problem mit dem Wolf jedoch löste sich von allein: Er war in Tschechien von einem Auto überfahren worden.

Mehrere Wolfsrisse und Sichtungen gab es in den vergangenen zwei Jahren in der Region. Rot markiert sind Nachweise von GW2425m.

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