Spenden statt Böllern im Bergsteigerdorf

So viel haben die Ramsauer gespendet

  • schließen

Ramsau - Im Bergsteigerdorf Ramsau sollte zum Jahreswechsel kein Feuerwerk abgeschossen werden. "Spenden statt böllern", so lautete die Devise. BGLand24.de wollte wissen, wie ruhig es wirklich war:

"Das laute und helle Spektakel zum Jahreswechsel verschreckt Hirsch, Reh und Gams im Nationalpark", so informierte die Berchtesgadener Land Tourismus GmbH kurz vor dem Jahreswechsel überdie Bitten der Ramsauer, in diesem Jahr auf Silvesterknaller zu verzichten. BGland24.de hat Fritz Rasp, den Geschäftsführer der Tourist Information Ramsau gefragt, wie es überhaupt zu dieser Entscheidung kam und wie das Ganze angenommen wurde.

Wie kam es überhaupt zu dieser Entscheidung?

"Der Initiator war eigentlich Hannes Lichtmannegger vom Hotel Rehlegg", erzählt Fritz Rasp im Gespräch mit BGLand24.de. Und berichtet weiter: "dass Hannes der Meinung war, als CO2 neutrales Hotel müsse man in einem Bergsteigerdorf eigentlich kein riesiges und mehrere 100,- Euro teures Feuerwerk zu Silvester abbrennen. 

Er kam dann auf uns als Gemeinde zu und wir haben beschlossen als erstes mit den Vereinen zu reden und wenn diese auch dahinter stünden, dann das ganze in Rollen zu bringen. Rund 80% der Vereine die wir angefragt haben, haben uns geantwortet und ihre Unterstützung zugesichert.

Die BGLT hat in ihrem Blog geschrieben, dass die Raketen die Tiere im Nationalpark verschrecken. Aber die Weihnachtsschützen sind eigentlich auch nicht viel leiser, oder?!

In der Tat, von der akustischen Belastung her gesehen, ist die Böllerei der Weihnachtsschützen natürlich auch eine Belastung für die Tiere. Wir sind auch ziemlich schnell von dieser Argumentation weggegangen, denn in erster Linie ging es uns ja auch um den Schutz des Brauchtums und darum, das Gefährdungspotential zu senken.

Gefährdungspotential?

Wir haben in der Ramsau einige Gebäude mit sehr viel Holz und vor allem alten Holzschindeldächern, die sehr schnell in Brand geraten können. Kommt hier eine Silvesterrakete runter, dann kann das ganz schön gefährlich werden. Aber auch die Weihnachtsschützen selber sind beim Schießen einer enormen Gefahr durch die ganzen Raketen ausgesetzt. Was die Belästigung der Tiere angeht, so denke ich auch, dass die Böllerei zwar sicherlich auch störend ist, aber die Lichtreflexe und der Lärm der Raketen ist denke ich schlimmer für die Tiere wie der Böllerschuss.

Wie ging es dann weiter?

Da wir ja nicht einfach nur anregen wollten, von der Knallerei abzugehen sondern auch das eingesparte Geld einem guten Zweck zuführen wollten, habe ich mit Georg Gänswein, dem Präfekt des Papstes Kontakt aufgenommen, der immer gerne zu in die Ramsau kommt um Urlaub zu machen. Er hat uns dann direkt den Kontakt verschafft zu dem Erzbischof aus der italienischen Erdbebenregion Norcia in Umbrien. Dann haben wir die Vermieter angeschrieben und waren überrascht, wie viele Einheimische spontan hinter der Idee standen. Die Vermieter haben dann ihre Gäste gebeten freiwillig auf den Kauf von Feuerwerk zu verzichten.

Wie war so das Feedback an Silvester?

Nun, wir waren nicht ganz raketenfreu, aber das Feedback an sich war sehr positiv! Alleine die Erfahrungen, die wir über die sozialen Netzwerke gemacht haben, waren zu 98% positiv. Und wir haben es auch an Silvester selber gemerkt, dass wesentlich weniger geschossen wurde.

Wurde denn statt Geld für Feuerwerk auszugeben stattdessen Geld gespendet?

Ja, wir haben über 6.000,- Euro an Spendengeldern eingenommen, die demnächst dann natürlich auch übergeben werden.

Und was sagt die Bevölkerung?

"Das war eine super Idee und ein toller Erfolg", so erzählt Alois Resch begeistert im Gespräch mit BGLand24.de. "Bis auf wenige Ausnahmen haben sich im Ortskern auch alle dran gehalten und die paar Ausreißer überzeugen wir im kommenden Jahr auch noch", ergänzt Resch schmunzelnd. 

"Das Feuerwerk war immer ein großer Störfaktor zu Silvester. Unsere Weihnachtsschützen beginnen um viertel vor Zwölf zu Schießen, dann wird gebetet und im Anschluss wird wieder bis Viertel nach Zwölf geschossen. Durch die immer mehr werdende Knallerei hat man die kaum noch gehört. Das war dieses Jahr richtig schön." 

Und auch die Weihnachtsschützen zeigen sich begeistert: "Das Feuerwerk hat immer sehr viel Lärm gemacht, das war dieses Jahr wesentlich schöner."

Rubriklistenbild: © Petra Sobinger

Zurück zur Übersicht: Ramsau bei Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser