Erschöpfte Wanderin von Steinberg gerettet

Schlechtwetter-Einbruch überrascht viele Bergsteiger

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Ramsau - Am Donnerstagnachmittag kurz nach 13 Uhr ging ein Notruf vom Steinberg (2.026 Meter) im Hochkalter-Massiv ein, wo eine erschöpfte Bergsteigerin mit Muskelkrämpfen Hilfe brauchte.

Da innerhalb weniger Minuten schlagartig die angekündigte Schlechtwetter-Front mit Nebel, dichten Wolken und Windgeschwindigkeiten von 50 bis 60 Kilometern pro Stunde vom Osten über das Berchtesgadener Land hereinzog, konnte der angeforderte Zeller Notarzthubschrauber „Alpin Heli 6“ am Ramsauer Sportplatz und im Einsatzgebiet nicht mehr landen und musste abbrechen. 

Bergwacht mit zwei Mannschaften auf der Suche

Die Bergwacht Ramsau machte sich mit zwei Mannschaften von der Schärtenalm und von der Blaueishütte aus zu Fuß auf die Suche, wobei der Wind und Sichtweiten von nur noch rund fünf Metern den Einsatz erschwerten. Der Wirt der Blaueishütte, zugleich Ramsauer Bergretter, konnte die Frau und ihre Begleiterin dann kurz nach 14 Uhr im Steig zwischen dem Wasserleitungsweg und der Schärtenalm finden. Die Erschöpfte konnte aus eigener Kraft langsam nach unten geführt werden; weitere Einsatzkräfte gingen von der Schärtenalm entgegen und brachten wetterfeste Kleidung, da die Frau und ihre Begleiterin nur mit kurzen Hosen unterwegs waren.

Weitere Bergsteiger vom schlechten Wetter überrascht

Viele andere Wanderer und Bergsteiger im Landkreis wurden am Donnerstagnachmittag ebenfalls von der Schlechtwetter-Front überrascht und kamen frierend mit kurzer Sommer-Bekleidung im Tal an. „Derartige Rettungsaktionen bedeuten einen erheblichen Aufwand für unsere Einsatzkräfte und wären oft vermeidbar“, erklärt der stellvertretende Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau, Thomas Lobensteiner. „Das Wetter kann im Gebirge innerhalb sehr kurzer Zeit plötzlich umschlagen; zudem wird es im Herbst jeden Tag alle paar Minuten früher dunkel. 

Ein Blick auf die Wetter-Prognose, Dank diverser Handy-Apps mittlerweile auch in Echt-Zeit unterwegs, eine gute Selbsteinschätzung der eigenen Kondition und des alpinen Könnens, eine vernünftige Tourenplanung, Notfall-Ausrüstung wie ein Biwak-Sack, zusätzliche Kleidung für einen plötzlichen Wetter-Umschwung mit Temperaturabfall und Wind, eine Stirnlampe und ein Handy für den Notruf sollten für jeden, der am Berg unterwegs ist, Pflicht sein“, betont Robert Kern vom Deutschen Alpenverein (DAV). Erst in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hatten Bergretter aus Saalfelden, Berchtesgaden und Ramsau nach einem Mann im Steinernen Meer gesucht, der bei Schneefall und Wind nicht mehr zum Ingolstädter Haus zurückgekehrt war und fast erfroren wäre.

Pressemitteilung BRK BGL

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