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Vorfall in der Nacht auf Sonntag

Pferd ausgebüxt: „Problemwolf“ wieder in der Ramsau unterwegs? Spuren lassen Vermutung zu

Nachdem am Freitag (14. Januar) der Wolf mit dem genetischen Code GW2425m, der derzeit durch den Chiemgau streift, von der Regierung Oberbayerns „zum Abschuss freigegeben“ wurde, wurden am Sonntag (16. Januar) in der Ramsau bei Berchtesgaden nach einem Vorfall mit einem ausgebüxten Pferd vermeintliche Wolfsspuren entdeckt. Ob es sich dabei um Spuren des besagten Tieres handelt, ist derzeit noch unklar.

Ramsau bei Berchtesgaden - Anwohner hatten die Spuren entdeckt, nachdem in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein Pferd aus einer Weide/Koppel ausgebrochen war, erklärte ein Sprecher der Polizeiinspektion Berchtesgaden auf Anfrage von BGLand24.de. Demnach sei laut Schilderungen die Herde in den frühen Morgenstunden unruhig geworden und unkontrolliert auf und ab galoppiert. In der Folge sei ein Pferd ausgebüxt.

Ob tatsächlich ein Wolf für diese Unruhe verantwortlich war, sei reine Spekulation, führte der Sprecher weiter aus. Allerdings habe man eben Spuren gefunden, welche man einem Wolf zuordnen könne. „Es kann sich aber auch um den Pfotenabdruck eines Huskys oder eines anderen Hundes handeln“, so der Beamte. Des Weiteren betonte der Sprecher, dass es sich - selbst wenn es sich um einen Wolfsabdruck handeln sollte - nicht zwingend um den einen „Problemwolf“, wie der Polizist ihn nannte, handeln müsse. Das Pferd kehrte im Laufe der Suchmaßnahmen übrigens unverletzt zur Herde zurück.

Nicht die erste Schilderung aus der Ramsau

In den vergangenen Wochen und Monaten hatte sich wiederholt ein Wolf in Südostbayern in unmittelbarer Nähe von bewohnten Häusern aufgehalten und offenbar die Nähe zu Siedlungsstrukturen gesucht. Am Freitag (14. Januar) gab dann die Regierung von Oberbayern einen Wolf, welcher wohl nachweislich für die Verletzung und Tötung mehrerer Schafe, Ziegen und Wildtiere in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein und Rosenheim verantwortlich ist, zum Abschuss frei. Das ursprünglich aus Italien stammende Tier mit dem genetischen Code GW2425m solle „entnommen“ werden, hieß es in einer entsprechenden Mitteilung.

Genanalyse des LfU

Genanalysen hätten bestätigt, so ein Regierungssprecher, dass dieser einzelne Wolf für die Ereignisse Mitte Dezember 2021 im östlichen bayerischen Alpenraum verantwortlich sei. In einer Mitteilung des Landesamtes für Umwelt Anfang Januar hieß es wörtlich: „Der männliche Wolf, der am 15. Dezember eine Ziege im Landkreis Traunstein verletzt hat, ist im Landkreis Rosenheim verantwortlich für die toten Wildtiere am 13. Dezember und 14. Dezember sowie für die Übergriffe im Landkreis Traunstein auf ein Wildgehege am 17. Dezember und wahrscheinlich auch auf Ziegen am 18. Dezember. Die toten Schafe im Landkreis Berchtesgadener Land am 19. Dezember sind ebenso diesem Tier zuzuordnen.“

Kaniber: Muss Raubtier auch mal entnehmen

„Man muss ein Raubtier, das übergriffig geworden ist und ganz offensichtlich seine Scheu verloren hat, auch mal entnehmen“, sagte Kaniber. „Bei diesem Wolf, der in Südostoberbayern immer näher an die Siedlungen herangekommen ist, war das dringend notwendig.“ Der Wolf sei „ein Kulturfolger“ und intelligent. „Wenn er lernt, dass es für ihn auf Almen, in Ställen und in Siedlungen Futter gibt, ohne dass er etwas zu befürchten hat, wird er immer dreister.“

Die Expertenkommission beim Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich durch das Verhalten des Tieres auch die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Begegnungen und Konflikten mit Menschen erhöhe. Mit der Ausnahmegenehmigung soll eine Gefährdung von Menschen vermieden werden, rechtfertigte die Regierung von Oberbayern ihre Entscheidung.

Umsetzung noch unklar

Einzelheiten und Maßgaben will die Regierung von Oberbayern mit einer Allgemeinverfügung regeln, die voraussichtlich diesen Montag bekannt gegeben werden soll. Auf Nachfrage, wie sichergestellt werden soll, dass der richtige Wolf getötet wird, machte eine Regierungssprecherin zunächst keine Angaben.

Heftiger Gegenwind

Uwe Friedel, Wolfsexperte beim Bund Naturschutz (BN), sagte der Deutschen Presse-Agentur am Freitag: „Wir werden uns den Bescheid anschauen und mit hoher Wahrscheinlichkeit dagegen klagen.“ Dem BN nach hat sich der Wolf in Siedlungsnähe begeben, weil er dort Fressen in Form von ungeschützten Ziegen und Schafen fand. Bei einem einzigen Kontakt mit einem Menschen sei der Wolf geflüchtet.

Dem pflichtet Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), bei. Lediglich in einem von 13 bestätigten Vorfällen mit Wölfen sei es zu einer Begegnung eines Wolfes mit einem Menschen gekommen und der Wolf sei sofort geflüchtet. Das entspreche normalem Wolfsverhalten und rechtfertige keinen Abschuss. Schäffer verwies auf den Aktionsplan Wolf des LfU, nach dem ein Abschuss dann möglich sei, wenn ein Wolf wiederholt Herdenschutzmaßnahmen überwunden habe, es zu Verlusten bei nicht schützbaren Herden oder zu einer Gefährdung eines Menschen gekommen sei.

Entscheidung richtig?

Tierhalter in Bayern können für den Schutz von Herden - durch einen Elektrozaun oder einen Herdenschutzhund - Fördermittel beantragen. Zudem ist es möglich, dass Nutztierhalter Schäden durch Wolf, Bär oder Luchs über den „Ausgleichsfonds Große Beutegreifer“ ersetzt bekommen. Laut LfU leben in Deutschland seit 1996 wieder Wölfe. Es sei kein Angriff auf Menschen bekannt. In der Regel reagierten Wölfe beim Anblick von Menschen vorsichtig und zögen sich zurück.

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hält die Entscheidung zum Abschuss dennoch für richtig: „Die öffentliche Sicherheit ist ein hohes Gut. Wenn ein Wolf wiederholt in Siedlungsnähe agiert, können die Behörden nicht tatenlos zuschauen“, sagte er. „Der Schutz der Menschen muss immer Vorrang haben.“

mz/dpa

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder/dpa

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