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Nach Drama am Hochkalter

Bergwacht Ramsau: „Warum wir Bergretter nicht unser Leben riskieren“

Vermisstensuche Hochkalter
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Dramatische Vermisstensuche am Hochkalter seit 17. September.

Nach der langen und leider ergebnislosen Suchaktion am Hochkalter nach einem 24-jährigen Bergsteiger reagiert die Bergwacht Ramsau auf die vielen Kommentare in den Sozialen Medien und erklärt, warum sie sich eben nicht permanent in Lebensgefahr begeben können.

Ramsau bei Berchtesgaden - Vereister Fels, meterhoher Neuschnee, peitschender Wind - unter widrigsten Bedingungen und teils lebensgefährlichen Situationen suchte die Bergwacht Ramsau tagelang am Hochkalter nach dem abgestürzten Julian P. aus Hannover. Der 24-Jährige startete am Samstag (17. September) trotz der schlechten Wettervorhersage eine Bergtour auf den zweithöchsten Gipfel der Berchtesgadener Alpen. Eine Tour, die selbst im Sommer unter besten Voraussetzungen zu den Schwierigen zählt. Am Nachmittag erreichte die Bergwacht schließlich sein Notruf: Er sei in absturzgefährliches Gelände geraten.

Nach Drama am Hochkalter: „Warum wir Bergretter nicht unser Leben riskieren“

Die Ehrenamtlichen rückten aus, um den jungen Mann zu retten. Letzten Endes suchten Bergwacht, Polizei und sogar die Bundeswehr mit einem Düsenjet tagelang nach dem 24-Jährigen - ohne Erfolg. Am Donnerstag (22. September), am sechsten Tag seit Julians Verschwinden, flogen zum letzten Mal die Rettungshubschrauber. Die Bergretter brechen ihre Suche ab. Den Bergsteiger überhaupt noch lebend in den Schneemassen zu finden, war schon Tage zuvor unwahrscheinlich.

Die Suche nach dem 24-Jährigen aus Niedersachsen beschäftigte auch die Öffentlichkeit. „Wir wollen auf die vielen Kommentare in den Sozialen Medien reagieren und erklären, warum wir uns eben nicht permanent in Lebensgefahr begeben und dass hinter unserem Handeln viel Kalkül und Abwägung steckt“, äußert sich die Bergwacht Ramsau in einem Facebook-Post. „Unbestritten ist, dass sich unsere Einsatzkräfte grundsätzlich den alpinen Gefahren aussetzen, sobald sie zu einem Rettungseinsatz ausrücken. Diese alpinen Gefahren sind ein gesellschaftlich akzeptiertes Lebensrisiko, können jedoch durch verschiedenste Umstände deutlich verstärkt werden und so die akzeptierten Rahmenbedingungen schnell verlassen“, heißt es weiter.

Risiko und Verletzungsgefahr: So geht die Bergwacht Ramsau bei Einsätzen vor

Die Bergwacht wollte ihr Risiko-Management vereinfacht darstellen. In einem ersten Schritt versuche die Bergwacht immer, „das Risiko für unsere Einsatzkräfte zu reduzieren.“ Bei Steinschlaggefahr tragen die Kräfte einen Helm; im Absturzgelände sichern sich die Bergwachtler mit einem Seil ab, um nicht abstürzen zu können. „Es gibt jedoch auch Risiken, die man nicht weiter reduzieren kann“, heißt es.

Deswegen geht es im zweiten Schritt um die Eintrittswahrscheinlichkeit. „Ist beim Einsatz der Eintritt einer Verletzung zu erwarten? Muss dazu ein Fehler passieren, wie etwa der Sturz bei der Abfahrt mit Ski oder Stolpern beim Gehen? Es kann jedoch auch vorkommen, dass der Eintritt einer Schädigung unabhängig von unseren Maßnahmen zu erwarten ist, wie man zum Beispiel bei großer Lawinengefahr mit der Selbstauslösung von Lawinen rechnen muss“, so die Bergwacht in dem Post.

Im dritten und letzten Schritt geht es um den Grad der Schädigung. Hierbei werde die Schwere der zu erwartenden Verletzung mit der Eintrittswahrscheinlichkeit in Verbindung gebracht. „Ist das Risiko hoch und nicht weiter reduzierbar, die Eintrittswahrscheinlichkeit fehlerunabhängig und die zu erwartende Schädigung eine schwere Verletzung oder der Tod, so wird der Einsatz auf jeden Fall so lange unterbrochen, bis das Risiko wieder reduziert werden kann (z.B. durch Wetterbesserung).“

Der vergangene Sucheinsatz am Hochkalter hat die Bergwacht Ramsau „in puncto Risiko-Management mehr als einmal an die Grenze des Machbaren geführt.“ Bei akuter Lebensgefahr für den Patienten sei ein höheres Risiko für die Einsatzkräfte vertretbar, jedoch sei deren Handeln nie unüberlegt. „So etwas machen wir in der Bergrettung nicht.“

Viel Zustimmung für Bergwacht Ramsau in Sozialen Medien

Über 400 Mal teilten Facebook-Nutzer bereits den Post der Bergwacht Ramsau. Ihre Zustimmung zeigten sie auch in hunderten Kommentaren: „Respekt! Allein die erste Nacht da oben im Schneesturm war schon der Wahnsinn!“, schreibt etwa ein User. „Danke und vollstes Verständnis, wenn Ihr ab- oder unterbrechen müsst. Man trägt schließlich selbst das Risiko, so weit zu gehen“, meint eine Userin. „Vielen Dank, dass ihr im Notfall immer für uns da seid“; „Meinen größten Respekt an alle Bergretter!“ und „Allen Bergrettern ein großes Dankeschön, haben euch Gott sei Dank nie um Hilfe bitten müssen, aber ohne euch gäbe es wohl noch mehr Tote“, heißt es in weiteren Kommentaren.

Zahlreiche Leser des Posts sorgten sich offenbar darum, dass Nutzer in den Sozialen Medien die Bergwacht aufgrund des Abbruchs der Suche kritisierten: „Traurig, dass ihr das erklären müsst! Ich finde eure Arbeit absolut respektvoll und einfach genial. Ihr geht oft für Andere sehr hohe Risiken ein. Und das ist unbeschreiblich! Bitte lasst euch durch unüberlegte Kommentare nicht beirren oder gar beleidigen. Eure Arbeit ist der Hammer und man kann nicht genug Dank an euch ausrichten!“, schreibt eine Userin. Doch die Bergwacht Ramsau stellt klar: „Es gab keinerlei Kritik, dass wir in irgendeiner Weise hätten mehr tun können. Wir wollen lediglich sachlich erklären, wie wir das Risiko für unsere Einsatzkräfte abwägen.“

ce

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