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Webcam aus der Felsnische

Bartgeier-Nachschub für den Nationalpark: Greifvögel Dagmar und Recka verstärken Bavaria

Die Bartgeier-Damen werden den erwartungsvollen Besuchern präsentiert.
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Die Bartgeier-Damen werden den erwartungsvollen Besuchern präsentiert.

Im strömenden Regen standen die weit angereisten Bartgeier-Freunde und wirkten am Ende etwas bedröppelt. 

Ramsau bei Berchtesgaden – Kurz zuvor hatte Umweltminister Thorsten Glauber die Namen der lang erwarteten Bartgeierweibchen verkündet, die am Donnerstag (9. Juni) der Öffentlichkeit vorgestellt und später im Nationalpark Berchtesgaden in einer Felsnische im Klausbachtal ausgewildert worden waren: Dagmar und Recka heißen die andalusischen Jungvögel.

Bartgeier-Freunde nicht glücklich mit Namensgebung

Einem langjährigen, großzügigen Spender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) war die Namensgebung von Dagmar überlassen worden. Recka ist auf ein Werk des bayerischen Schriftstellers Ludwig Ganghofer zurückzuführen, wonach diese die einzige Tochter von „König Watzmann“ sei. Ein „traditioneller Name mit Heimatbezug“ so der LBV. Das sehen die Bartgeier-Freunde, die aus dem ganzen Land angereist waren, ein wenig anders. „Tonia“ wäre deren Wunsch gewesen. In Anlehnung an den Bartgeier-Experten Toni Wegscheider.

Umweltministerium greift tief in die Tasche

Lang erwartet waren die beiden Bartgeier-Weibchen, die bereits am Mittwoch (8. Juni) aus dem Tiergarten Nürnberg ins Bergsteigerdorf Ramsau transportiert worden waren. Auf zehn Jahre angelegt ist das Projekt im Nationalpark Berchtesgaden, bei dem junge Bartgeier ausgewildert werden, um „die zentraleuropäische, alpine Population dieser seltenen Vogelart stärken und mit den Beständen auf dem Balkan und in Kleinasien verbinden“ zu können, teilt der LBV mit. Das Umweltministerium unterstützt das Projekt bis Ende kommenden Jahres mit 610.000 Euro

„Die Erfolgsgeschichte dieser Vogelart fortschreiben“ möchte Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV. Allerdings mussten die Verantwortlichen erst kürzlich einen herben Rückschlag einstecken: Von den im vergangenen Jahr ausgewilderten Bartgeiern Wally und Bavaria lebt nur noch letztere. Wally war kürzlich im Zugspitz-Gebiet tot aufgefunden worden. „Ein tragischer Verlust“, urteilt Umweltminister Thorsten Glauber. Immer noch herrscht Unklarheit darüber, woran der Greifvogel letztlich verendete. „Ich möchte mich an keinen Spekulationen beteiligen“, sagt Norbert Schäffer. 

Neu im Nationalpark: Dagmar (links) und Recka, beide rund 90 Tage alt.

Interesse an Bartgeier-Auswilderung groß

Der Bartgeier sei eine „Brücke vom Artenschutz hin zur Bildung“, sagte Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. Im vergangenen Jahr zählten die Mitarbeiter des Schutzparks 8000 Gäste vor Ort, die sich für die Bartgeier-Auswilderung interessierten. Auf der Webseite des LBV erreichten die Greifvögel sogar mehr als eine Million Klicks. „Solch ein großes Interesse an einer Tierart hat es noch nie gegeben“, sagt Norbert Schäffer.

Intensive PR-Kampagne seit Tag eins

Die Giganten der Lüfte sind neben dem Steinadler zum Aushängeschild des Nationalparks geworden, nicht zuletzt, weil der LBV seit Tag eins eine intensive PR-Kampagne fährt. Hinzu kommen vielfältige Möglichkeiten, mit dem großen Vogel Kontakt aufzunehmen: Es gibt Webcam-Beobachtungen, Flugrouten-Überwachung, zudem eine Aussichtsplattform mit Blick auf die rund 120 Quadratmeter große Felsnische, in der die knapp drei Monate alten Bartgeier Dagmar und Recka auf 1300 Höhenmetern aufwachsen werden. Begleitet wird das alles durch ein Forum, in dem Interessierte zu Wort kommen und das sich selbst nach über einem Jahr großer Beliebtheit und zehntausender Kommentare erfreut.

Nationalpark Berchtesgaden ist Aushängeschild Bayerns

Besonders schön seien sie ja nicht, urteilte der Moderator über die beiden Vogelweibchen. Umweltminister Thorsten Glauber mag das so nicht bestätigen: „Die sind doch wunderbar“, konterte dieser. Der Nationalpark Berchtesgaden sei ein Aushängeschild Bayerns mit mehr Besuchern als Schloss Schwanstein. Für den Naturschutz sei das Projekt einzigartig und unterstützenswert. 

Bevor es für die Bartgeier in die Auswilderungsnische ging, wurden die zwei Vogeldamen, eine Cousine und eine Schwester von Bavaria und Wally, der Öffentlichkeit präsentiert. Nationalpark-Ranger setzten die Jungtiere daraufhin in Tragekisten und transportierten die Knochenfresser bei starkem Regen zur Nische – begleitet von vielen Wanderern, die live dabei sein wollten.

Viel Arbeit wird es nun für das Bartgeier-Team geben: Das regelmäßige Füttern mit Wildtierknochen und eine 24-Stunden-Überwachung sind Teil des kostspieligen Projektes. In rund vier Wochen erwartet Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel den Ausflug der beiden Vögel, die dann etwa sechs Kilogramm schwer sein werden. Bis in den Spätsommer hinein könnten sie in der Umgebung ihres Horstes verweilen, ehe sie dann den europäischen Alpenraum zu erkunden beginnen. Die Hoffnung unter Verantwortlichen und Vogelfreunden: Dass Dagmar und Recka überleben werden.

kp

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