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Vorschnelle Vermutungen zum Tod fehl am Platz

Nationalpark Berchtesgaden trauert um Bartgeier Wally und ein „lieb gewonnenes Unikum“

Bartgeier-Weibchen Wally und der Klausbachtal Auerhahn
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Fast zeitgleich unter noch ungeklärten Umständen zu Tode gekommen: Bartgeier-Weibchen Wally (l.) und der Klausbachtal-Auerhahn (r.).

Atemberaubende Begegnungen hoch oben in der Luft und Live-Bilder aus dem Nest: die Region hat die Ansiedlung der Bartgeier Wally und Bavaria nicht nur mitverfolgt, sondern mit gelebt. Dementsprechend tragisch wurde auch die Nachricht über den Tod Wallys aufgenommen.

Ramsau - Mit ihr verstarb auch ein „lieb gewonnenes Unikum“ im Klausbachtal. Grund für Ulrich Brendel, den Leiter des „Steinadler- & Bartgeierprojektes“ im Nationalpark Berchtesgaden, kurz zurück-, aber auch in die Zukunft zu blicken.

Innerhalb kürzester Zeit verbreitet sich am Montag (30. Mai) die Nachricht, dass nicht nur die Überreste von Bartgeier Wally gefunden wurden, sondern auch der berühmte Auerhahn des Klausbachtals tot aufgefunden wurde. Wally hatte schon seit Mitte April keine Daten mehr gesendet, weswegen intensiv nach ihr gesucht wurde. Der Auerhahn tauchte immer wieder im Bereich der Bindalm im Klausbachtal auf und wurde unter anderem auch durch kleine Attacken gegen Radfahrer und Wanderer bekannt.

Bartgeier-Weibchen Wally und Klausbachtal-Auerhahn tot - was ist passiert?

Zwei Wahrzeichen des Nationalparks Berchtesgaden sind nicht mehr am Leben. Dennoch will Nationalpark-Sprecherin Carolin Scheiter nicht von einem rabenschwarzen Tag sprechen: „In einem Wiederansiedlungsprojekt sind Verluste leider realistisch und es war allen Projektbeteiligten bewusst, dass auch Berchtesgaden davon wohl nicht verschont bleiben wird.“ Dem stimmt auch Ulrich Brendel zu: „Als Biologe und langjähriger Leiter des Steinadlerprojekts habe ich sehr häufig mit Verlusten von Jungvögeln oder dramatischen Ereignissen in der Natur zu tun. Trotzdem ist der Verlust von Wally etwas Besonderes, da wir uns seit dem letzten Jahr sehr um sie gekümmert und die Daumen für ihr Überleben in der freien Wildbahn gedrückt haben.“

Über ihren Tod kann derzeit nur spekuliert werden. Steinschlag, Vergiftung, ein Kampf unter Tieren, es ist vieles möglich, aber Ulrich Brendel will nicht spekulieren: „Vorschnelle Vermutungen sind fehl am Platz und es muss in allen Richtungen gedacht werden beziehungsweise völlig unvoreingenommen an die Sache rangegangen werden. Ich selbst habe keinen Verdacht, kann mir aber eben zahlreiche Todesursachen vorstellen.“

Wally im Juni 2021: Das Bartgeierweibchen wartet auf ihre Unterbringung in eine Transportkiste, um anschließend zum Knittlhorn gebracht zu werden. Mehr als 140 Jahre nach Ausrottung der Bartgeier in Deutschland wurden erstmals zwei junge Exemplare aus spanischer Nachzucht im Rahmen eines Projekts des bayerischen Naturschutzverbands LBV im Nationalpark Berchtesgaden ausgewildert.

Ähnlich verhält es sich mit dem Auerhahn, der zuletzt vor zwei Jahren traurige Berühmtheit erlangte, als mit einer Armbrust auf ihn geschossen wurde. „Ich kann die Person beim besten Willen nicht verstehen, die damals mit einem Bolzen auf ihn geschossen hat – da platzt mir die Hutschnur!“ kann sich der stellvertretende Nationalparkleiter heute noch ärgern. Jetzt geht es darum herauszufinden, woran er gestorben ist. „Vermutungen, dass er sich mit einem Artgenossen gezofft haben könnte, halte ich für wenig wahrscheinlich. An der Fundstelle waren nämlich keine Federn zu finden. Das viele Blut auf der Straße lässt entweder eine Kollision mit einem Fahrzeug (Fahrrad, Kfz) oder direkte Gewalteinwirkung vermuten. Das ist leider nicht auszuschließen.“

Auerhähne und Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden - so unterschiedlich ist die Lage

Die beiden Vögel werden derzeit von Experten eines Instituts untersucht. „Wir haben um schnelle Bearbeitung gebeten“, bestätigt Ulrich Brendel gegenüber BGLand24.de, kann aber leider nicht sagen, wann genau ein Ergebnis feststehen wird. Für Brendel war der Auerhahn ein „lieb gewonnenes Unikum“ im Klausbachtal. Es ist aber nicht auszuschließen, dass er durch einen Artgenossen ersetzt wird, denn es scheint im Klausbachtal ein stabiles Vorkommen von Auerhähnen zu geben.

Der Klausbachtal-Auerhahn.

Stabil ist das Vorkommen der Bartgeier im Nationalpark Berchtesgaden noch lange nicht. Aber am 9. Juni sollen zwei weitere Jungtiere ausgewildert werden. „Solche Wiederansiedlungsprojekte müssen langfristig angelegt sein – ansonsten machen sie keinen Sinn“, betont der Leiter des Bartgeier-Projektes. „Gerade weil es immer wieder Verluste geben kann, ist das regelmäßige Nachschieben von Junggeiern besonders wichtig – nur so kann das Projekt nachhaltig erfolgreich sein.“

Ulrich Brendel ist zuversichtlich, dass das auf zehn Jahre ausgelegte Projekt dazu beiträgt, dass die Zukunft der zentraleuropäischen Population dieser seltenen Vogelart gestärkt wird. Denn die Rückkehr des völlig harmlosen Greifvogels in die deutschen Alpen bilde einen wichtigen geografischen Lückenschluss für die Art. „Ich habe im letzten Jahr vor allem die Interaktionen zwischen unseren Bartgeierdamen und „meinen“ Steinadlern genossen – das sind einfach atemberaubende Begegnungen hoch oben in der Luft“, schwelgt Ulrich Brendel in Erinnerungen.

cz

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