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Schatten des Nationalsozialismus in Ramsau

Wirbel um „Hindenburglinde“: Muss einer der ältesten Bäume Deutschlands umbenannt werden?

Hindenburglinde
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Eine Sommerlinde, benannt nach dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Über eine Umbenennung machte sich die Gemeinde kürzlich noch Gedanken.

Die „Hindenburglinde”: Darf ein Baum, der nun „Nationalerbe” ist, nach einem Wegbereiter Hitlers benannt sein? Dem Kreisheimatpfleger des Berchtesgadener Landes, Johannes Schöbinger, gibt die Sache zumindest zu denken. Keine Gedanken hat sich hingegen der Grundstückseigentümer gemacht, bestätigt das Staatliche Bauamt Traunstein. Dort heißt es: „Der Name ist historisch gewachsen”.

Ramsau - Die Frage muss gestattet sein: Warum gibt es in manchen bayerischen Orten wie in Berchtesgaden noch immer Straßen, die erst 1933 nach dem ehemaligen Reichspräsidenten der Weimarer Republik Paul von Hindenburg benannt sind?

Vor zehn Jahren bereits verschwand der NameHindenburg” von etlichen Straßenschildern. Garmisch-Partenkirchen hat die Umbenennung wegen Hindenburgs Funktion als Wegbereiter Adolf Hitlers bereits im Jahr 2012 beschlossen. Andere bayerische und westdeutsche Städte folgten, weiß Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger, der in die Hindenburg-Recherche viel Zeit investiert hat.

München hat sich bereits vom Namen „Hindenburg“ getrennt

In Ostdeutschland, der ehemaligen DDR, wurde Hindenburgs Name „schon unmittelbar nach 1945 aus den Straßenbezeichnungen getilgt”. In den Städten und Orten, in denen sich keine Mehrheit für eine Namensänderung ergab, fügte man dem Straßenschild eine ergänzende Erklärung hinzu, so etwa in Coburg. Auch die bayerische Landeshauptstadt München hat sich vom Namen „Hindenburg“ getrennt, so Schöbinger.

Hindenburglinde ein „Nationalerbe“?

Die Hindenburglinde, die erst kürzlich vom Kuratorium „Nationalerbe-Bäume” als einer der bedeutendsten Bäume Deutschlands ausgezeichnet wurde, hörte in früheren Zeiten noch auf „Große Linde”. Elf Meter Stammumfang, mehr als 30 Meter hoch, 750 Jahre soll der Gigant alt sein, sagen die Experten. Der Baumfotograf und Inspektor der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn, Friedrich Stützer, hat den Baum bereits vor über einem Jahrhundert in seinem Buchband „Die größten, ältesten oder sonst merkwürdigen Bäume Bayerns in Wort und Bild“ beschrieben.

Am 26. März 1933 wurde die „Große Linde” zur „Hindenburglinde”. Der Ramsauer Gemeinderat hatte beschlossen, Reichspräsident Paul von Hindenburg und Adolf Hitler zu Ehrenbürgern zu ernennen. Hitler war kurz zuvor von Hindenburg zum Reichskanzler berufen worden. Die Baumbenennung zu Ehren Hindenburgs gab es sozusagen als Dank obendrein. Seitdem ist die „Hindenburglinde”, die in früheren Zeiten schon als „Tausendjährige Linde” firmierte, der Name der Wahl.

„Vielleicht wollten sich die Gemeinden damals einfach in vorauseilender NS-Anbiederung mit einem weiteren ‘großen’ Namen schmücken”, so formuliert Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger seine Überlegung. Und fragt, durchaus provokativ: „Brauchen wir den heute noch?”

„Wir haben uns nie Gedanken über den Namen des Baumes gemacht”

Wer für die Benennung von altehrwürdigen Bäumen zuständig ist, ist nicht so leicht zu klären. Beim Landratsamt Berchtesgadener Land, das als Untere Naturschutzbehörde zwar die Pflege des in Anlehnung an den Reichspräsidenten benannten Baums übernommen hat, erkennt man selbst keine Zuständigkeit. Auch beim Grundstückseigentümer, dem Staatlichen Bauamt Traunstein, das als grundstücksverwaltende Stelle den Baum der Bundesrepublik Deutschland zuordnet, kann man zum Namen nichts sagen: „Wir haben uns nie Gedanken über den Namen des Baumes gemacht”, sagt Behördenleiter Christian Rehm. „Die Linde wird einfach so genannt. Ich denke, das ist historisch gewachsen”, sagt er.

Vorstöße vor einigen Jahren, „Hindenburg” aus Berchtesgadener Straßenbezeichnungen zu tilgen, verliefen im Sand, weiß der Kreisheimatpfleger. Wer nach Berchtesgaden, von Bischofswiesen kommend, einfährt, passiert das Straßenschild „Von-Hindenburg-Allee”.

Große Linde oder Hindenburglinde?

Bezüglich einer Namensänderung der „Hindenburglinde” konnte Kreisheimatpfleger Johannes Schöbinger recherchieren: In jüngster Zeit sei vor Ort diskutiert worden, „ob nicht der Name wieder auf den ursprünglichen, ‚Große Linde‘, umbenannt werden sollte”, schreibt er. Die beratenden Stellen, darunter Vertreter aus Gemeinde und Baumexperten, hätten sich „bewusst dagegen entschieden”. Denn die Historie: Die soll „nicht nachträglich wieder verändert werden”.

kp

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