Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Vandalen wüten im Bergsteigerdorf Ramsau

Blinde Zerstörungswut: Holzskulptur mit pinker Hose zerstört - Bürgermeister ist entsetzt

Ohne das hölzerne Bergsteiger-Wahrzeichen fehlt etwas, ist sich zweiter Bürgermeister Rudi Fendt sicher.
+
Ohne das hölzerne Bergsteiger-Wahrzeichen fehlt etwas, ist sich zweiter Bürgermeister Rudi Fendt sicher.

Die pinke Hose war war Hingucker und Stein des Anstoßes zugleich: Die Holzskulptur des bekannten Ramsauer Bergsteigers Raphael Hang begrüßte die Gäste des Bergsteigerdorfs Ramsau am Ortseingang. Bis in der Nacht auf Samstag Unbekannte das massive Kunstwerk aus Eiche mit roher Gewalt zerstörten, die Arme: abgebrochen. „Mir fehlen die Worte, das alles stimmt mich traurig“, sagt Ramsaus zweiter Bürgermeister Rudi Fendt am Morgen danach. Er weiß: „Es gab Kritiker.“ Dies rechtfertige aber nicht das rüde Vorgehen: „Eine Respektlosigkeit gegenüber dem Künstler.“

Ramsau - 40 Kilo schwer ist die Bergsteigerfigur, die in gewisser Weise auch Wahrzeichen der kleinen Gemeinde Ramsau sein soll. Bilder des Ramsauer Urgesteins Raphael Hang zieren etliche Werbeprospekte der Gemeinde, finden sich auf Schnapsfläschchen und weiteren Werbeartikeln. Im ersten Bergsteigerdorf Deutschlands spiegelt das Kunstwerk aus Eichenholz all das wider, womit man sich hier identifiziert und wofür die 1800-Seelen-Gemeinde steht: Landschaft und Berge. Der zweite Bürgermeister Rudi Fendt war einer der Initiatoren der Holzskulptur, die an einem massiven Felsbrocken befestigt war, der - auf einem Hügel in der Mitte des Kreisverkehrs am Ortseingang - thront. Der sieben Tonnen schwere Brocken stammt aus dem Klausbachtal unterhalb der Mühlsturzhörner. Fendt sagt: „Er hat sich perfekt geeignet für unseren Kreisverkehr.“ Schon das gefiel nicht jedem.

Kian Bartels, der Künstler der Bergsteigerfigur, hat seinem Werk aus massiver Eiche eine pinke Hose verpasst. „Viele bleiben stehen, zücken das Smartphone, knipsen Fotos“, weiß Rudi Fendt. Die Skulptur sticht also ins Auge. „Wäre die Hose nicht so auffällig, würde vielleicht keiner hinschauen. Ich finde die Intention des Künstlers gut.“ Allerdings: Vielen missfiel die künstlerische Freiheit, die hier in der Farbgebung des Beingewands Einzug fand. Das Pink hat in der Vergangenheit zu kontroversen Diskussionen geführt: In sozialen Netzwerken wurde die an die Ramsauer Bergsteigerlegende angelehnte Skulptur als Bergsteigerin bezeichnet. Andere ordneten das Ganze als verpackten Beitrag zur Gender-Debatte ein oder erkennen in der Farbwahl deutliche Kritik an der Kommerzialisierung des alpinen Bergsports. 

Ein paar Spaßvögel stellten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein Gipfelkreuz auf den Felsen, garnierten das Ganze mit einem Gipfelbuch und verpassten dem mächtigen Gesteinsbrocken per Schild den Namen „Kreisel-Köpfl“. In der Gemeinde fand man das amüsant und entschied sich dafür, die Beigaben an Ort und Stelle zu belassen.

„Ja, die pinke Hose war anfangs umstritten“, sagt Rudi Fendt. Noch Anfang des Jahres hatten die Verantwortlichen ihre Hoffnung geäußert, von Vandalismus verschont zu bleiben. Zumal das Kunstwerk nun schon eine Zeit lang unbeschadet überdauert hat. Außerdem sind die Diskussionen darum seit langem verstummt. 

Zu früh gefreut: Am Samstagmorgen (28. August) erhielt Rudi Fendt mehrere WhatsApp-Nachrichten, die ihn über das Ergebnis der blinden Zerstörungswut informierten. Fendt ging zur Polizei, erstattete Anzeige. Die Gemeinde reagierte schnell über soziale Medien: „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, heißt es auf Facebook. Mit „roher Gewalt und sinnloser Zerstörungswut“ sei das Kunstwerk kaputt gemacht worden. In der Gemeinde ist man „entsetzt von dieser Barbarei“. Kameras im Umfeld gibt es keine, weiß der Bürgermeister, trotzdem hofft man, dass jemand die Vandalen gesehen hat. Die Teile des Kunstwerks wurde in den Keller des Rathauses verfrachtet.

Die pinke Hose sorgte in der Vergangenheit für Diskussionen. Nun hat ein Vandale die Skulptur zerstört. Bürgermeister Rudi Fendt war entsetzt über die Nachricht.

Die Arme des Bergsteigers sind abgebrochen, ebenso der Fuß. Noch ist nicht klar, was alles kaputt ist. Der junge Ramsauer Künstler weilt derzeit in Karlsruhe, besucht dort die „Staatliche Akademie der Bildenden Künste“. Sobald Kian Bartels wieder zuhause ist, werde er sich der Skulptur widmen, eine Schadensaufnahme machen und schauen, wie man den Bergsteiger wieder reparieren kann, sagt Rudi Fendt. Abgesehen vom finanziellen Wert des Kunstwerks, das die Ramsauer mit mehreren tausend Euro beziffern, ist der ideelle Wert unermesslich. Den Vandalen zum Trotz: „Wir werden ihn auf jeden Fall reparieren lassen“, gibt sich Rudi Fendt zuversichtlich. 

kp

Kommentare