Schluck für Schluck

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Was hier runterkommt, könnte massive Folgen für Ramsaus Wasserversorgung, die über das Klausbachtal gespeist wird, haben.

Ramsau - In der Gemeinde Ramsau hat man Angst um die Trinkwasserversorgung aus dem Klausbachtal. Diese sei bedroht und ein Geschieberückhaltebecken fehlt.

Die Sorge der Ramsauer Bürger um ihr Grundwasser war und ist groß: „Wir sind vom Trinkwasser aus dem Klausbachtal abhängig“, sagt Martin Stöckl, der Chef einer Initiative, die sich gegründet hatte, als im Jahr 2006 ein Hochwasser schwere Schäden am Klausbach verursachte, den Bach verlegte, Bäume entwurzelte und viel Geröll mit sich riss.

Schon die Jahre zuvor war es immer wieder zu schweren Naturkatastrophen gekommen: ein schwerer Felssturz im Jahr 1999 (Kleines Mühlsturzhorn), ein Hochwasser im Jahr 2002. „Wenn so etwas wieder geschieht, muss unsere Trinkwasserversorgung gesichert sein“, sagt Stöckl. Ein Geschieberückhaltebecken fehlt bislang.

„Mit großer Sorge beobachten wir als Bürger die Entwicklung im Klausbach- und Wimbachtal“ – mit diesen Worten wandte sich die Bürgerinitiative bereits im Jahr 2006 an die Verantwortungsträger. Und in der Tat hatten mehrere Hundert Personen unterzeichnet (Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschossmann spricht von „etwa 400“), denen das Risiko einer nicht sicheren Wasserversorgung zu groß erschien. Denn die Entwicklung im Klausbachtal ist geprägt von schweren Felsstürzen und Hochwassern.

Wiederkehrende Naturkatastrophen

1999 stürzten allein 300.000 Kubikmeter Fels ins Tal, große Mengen davon gerieten in den Klausbach. Der Felssturz war so heftig, dass das Bachbett teilweise verlegt wurde. Und auch in den Folgejahren waren es immer wieder Hochwasser – mit teils unabsehbaren Folgen. In einer CSU-Infoveranstaltung wurde bereits im Oktober 2004 über die Thematik aufgeklärt, Missstände angesprochen. "Die Probleme sind seit langem bekannt“, vernimmt man aus der Bürgerinitiative.

Der Gründer der Ramsauer Initiative, Martin Stöckl: 400 Personen haben sich ihm angeschlossen.

Denn Fakt ist, dass eintretende Naturereignisse schwerwiegende Folgen mit sich bringen können, „in immer kürzeren Zeitabständen mit zunehmend negativen Auswirkungen auftreten“ – bis hin zur Gefährdung der gesamten Ramsauer Trinkwasserversorgung. Falls bei einem weiteren Naturereignis Verschmutzungen in den Tiefbrunnen der Ramsau gelängen, könnten die Folgen unkalkulierbar sein, sagen Maria und Bernhard Gschossmann, ebenfalls Mitglieder des Bürgerzusammenschlusses. Die Vergangenheit habe schon oft gezeigt, dass erst nach Naturereignissen reagiert wurde.

Deshalb hat die Initiative bereits im Jahr 2006 mehrere Schreiben an die damalige Gemeindevertretung geschickt, an Mandatsträger, an das Ministerium. „Wir wollten einen gewissen öffentlichen Druck erzeugen“, sagt Gschossmann. Dazu auffordern und dafür zu sorgen, dass bekannte Gefahrenpotentiale „abgebaut werden oder durch Gutachten feststellen zu lassen, dass keine Gefahr in Verzug ist.“

Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschossmann fürchtet um eine gesicherte Trinkwasserversorgung in seiner Gemeinde.

In der Folge wurden die für die Aufräumarbeiten verantwortlichen Institutionen benannt, die dann dafür sorgten, „dass etliche Maßnahmen“, etwa die Rückverlegung des Klausbaches in sein ursprüngliches Bachbett, umgesetzt wurden. Diese waren aufgrund der Naturereignisse der vergangenen Jahre notwendig geworden. „Über die Jahre hinweg hat es zahlreiche Instandsetzungsarbeiten gegeben“, sagt Ramsaus aktueller

Bürgermeister Herbert Gschossmann, der zu Zeiten des Felssturzes und der Hochwasser noch nicht im Amt war.

Planungen für ein Rückhaltebecken

Immer wieder habe es Überlegungen gegeben, ein Rückhaltebecken zu bauen, also ein künstlich angelegtes Becken, das größere Geschiebemengen zurückhalten kann – „für den Notfall wäre das wichtig“, ist man sich bei den Ramsauer Bürgern einig. Planungen dafür lägen angeblich bereits in der Schublade. Allerdings wäre ein solches „Sache des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein“.

In Aussicht gestellt worden sei dies bereits gewesen. Aber: „Bislang ist nichts geschehen in dieser Hinsicht“, sagt Martin Stöckl, ziemlich enttäuscht und ratlos. „Derweil wäre das wenigstens eine vorbeugende, nachhaltige Vorsorge gewesen“, meint er. Eine Stellungnahme zur Angelegenheit von Seiten des Wasserwirtschaftsamts Traunstein ist angekündigt, lag aber bis Redaktionsschluss nicht vor. Etwa mit einer halben Million Euro könne man bei einem Rückhaltebecken in der für die Ramsau entsprechenden Größe rechnen, müsste man es selbst umsetzen, sagt Bürgermeister Gschossmann.

Versorgung für den Notfall

Kaum finanzierbar, zumal eine derartige Investition deutliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Wasserpreises für Ramsauer Bürger hätte. Nämlich dann, wenn sich der Standpunkt verfestigt, der von der Regierung von Oberbayern bereits angedeutet wurde, dass die Sicherung der Trinkwasserversorgung Sache der Gemeinde sei. Deswegen arbeitet man auf Seiten der Ramsau an einer zuverlässigen Notversorgung, falls die Trinkwasserversorgung wegen eines Naturereignisses zusammenbräche.

„Das Wimbachwasser könnte helfen“, meint Bürgermeister Gschossmann. Bislang reicht dazu allerdings der Pumpdruck noch nicht, um mit Wimbachwasser die gesamte Ramsau – die Bereiche Taubensee und Hochschwarzeck inklusive – abzudecken. Zuversichtlich zeigt er sich, dass in eineinhalb Jahren alles Notwendige dafür getan sein wird, das Problem behoben sei. „Bislang haperte es an einer ausreichenden Stromversorgung“, so der Gemeindechef.

Für temporäre Notfälle, in denen die Trinkwasserversorgung für die Ramsau abgeschnitten wäre, wäre man dann also gewappnet. Keine Dauerlösung, aber immerhin. Solange, bis der nächste Felssturz erfolgt. Denn dass bei den Mühlsturzhörner wieder etwas runterkommen wird, daran hat man bei den Bürgern der Initiative keine Zweifel. „Bleibt nur zu hoffen, dass auch beim nächsten Felssturz die Wasserversorgung unbeschadet bleibt“, so Bürgermeister Gschossmann.

kp

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