Mit purzelnden Pfunden kommt der Erfolg

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Helmut Langhof, Leiter der Klinik Schönsicht in Berchtesgaden.

Berchtesgaden - Chancen gibt es in der Klinik Schönsicht viele. Chancen für Kinder und Jugendliche, deren derzeitige Lebenssituation eingefahren ist. Das Gewicht bremst, behindert, schränkt ein.

Oft ist es die Körperlast, die hier sprichwörtlich zum Tragen kommt. Während eines Fachsymposiums im Kongresshaus in Berchtesgaden sprach Dr. Helmut Langhof, Leiter der Klinik, vor einem Fach-Publikum über die sich bietenden Chancen, die Kindern und Jugendlichen dank Rehabilitationsmaßnahmen geboten würden.

Seit 32 Jahren ist Langhof mit der Klinik Schönsicht verankert, in Fachkreisen gilt er als Urgestein, als Koryphäe im Bereich der Kinder- und Jugendrehabilitation. Als einer, der seine Patienten nicht nur von außen betrachtet, diagnostiziert und wieder nach Hause schickt, sondern nimmt, wie sie sind, mit seinem Team einen gemeinsamen Weg einschlägt. „Wir leben mit den Kindern zusammen“, teils über viele Monate, erzählt Langhof, der die Medizin als Vehikel betrachtet, um – in positiver Hinsicht – etwas erreichen zu können. „Wir erleben den Anbeginn von Freundschaften zwischen unseren Patienten, das Knüpfen von Kontakten, aber auch die negativen Seiten“, sagt er.

Die Rehabilitationsmaßnahmen am Oberkälberstein, dort droben liegt die Klinik mit ihren Gebäuden in bester Lage, sind vielfältig, der Sport ist Langhofs Steckenpferd und für dessen Patienten eine jener Möglichkeit, in die Normalität zurückzukehren. Schritt für Schritt. Ob Bergwandern oder Skilanglauf – in sportlicher Hinsicht sind den Verantwortlichen samt Patienten kaum Grenzen gesetzt. 6-Minuten- Lauftest, Körperkoordinationstest, Zirkeltraining, Geschicklichkeitsparcours – Langhof nennt Maßnahmen, mit welchen Fortschritte aufgezeigt werden können, greift nach Paradebeispielen, die zeigen, dass Rehabilitationsmaßnahmen durchaus Auswirkungen auf Befindlichkeit, aber auch den weiteren Lebensweg haben können. So nennt er einen Patienten, 2 Meter groß, 285 Kilogramm schwer.

In fünf Monaten hat er 90 Kilogramm abgenommen, dank der Maßnahmen, dank eines unbändigen Willens – „am Schluss hat er den Weg vom Bahnhof bis zur Klinik in weniger als einer halben Stunde hinter sich gebracht“, sagt Langhof, der stolz ist, vor allem auf die weitere Entwicklung des Patienten, hinter welchem bereits viele Dutzend Bewerbungen lagen, persönliche Enttäuschungen, ein Leben der Ungewissheit. Mit den purzelnden Pfunden kam die Zuversicht, ein weiterer Versuch im Bewerbungschaos, Vorstellungsgespräch, Zusage – Töpferlehre. Das Leben des Patienten war an einem entscheidenden Punkt angelangt, es ging bergauf, persönlich, beruflich, gesundheitlich. Langhof erzählt von ähnlichen Erfolgserlebnissen, aber auch von Rückschlägen, die zum Alltag gehören. „Eine Persönlichkeitsveränderung kommt im Zuge der Gewichtsreduktion häufig zum Tragen“, sagt der Klinikleiter. Vom Auditorium wird Anerkennung bekundet. Das Vehikel „Medizin“ war wieder mal erfolgreich.

kp

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