Kurt Faltlhauser im Interview

Obersalzberg: „Ich finde die Kritik empörend“

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Bayerns langjährige Finanzminister Kurt Faltlhauser, CSU.

Der Freistaat betreibt mittelbar ein Luxushotel am Obersalzberg. Das Hotel auf dem einstigen Hitler-Berg macht aber Millionen-Verluste. In der politischen Hauptverantwortung steht der langjährige Finanzminister Kurt Faltlhauser, CSU.

-Warum musste die Landesbank in dieses Investment am Obersalzberg gestürzt werden – weil es der Eitelkeit des Finanzministers geschmeichelt hat?

Ich bin entsetzt, auf welche Weise Opposition und Öffentlichkeit darüber diskutieren. Das ist eines der vielen erfolgreichen Projekte der Regierung Stoiber.

-Finanziell ein Flop.

Ich habe das Zwei-Säulen-Konzept auf dem Obersalzberg immer für überzeugend gehalten. Hier geht es doch nicht um irgendeine Bergwirtschaft, sondern um ein extrem sensibles Feld! Die ganze Welt hat auf uns geschaut: Wie geht Bayern nach dem Rückzug der Amerikaner vom Obersalzberg mit diesem Gelände um? Wie verhindern wir, dass das eine Pilgerstätte der Ewiggestrigen wird? Wir haben mit großer Ernsthaftigkeit ein sehr erfolgreiches Dokumentationszentrum errichtet. Auf der anderen Seite haben wir dieses Stück Erde, eines der schönsten in den Alpen, der Tourismusregion zurückgegeben.

-War es nicht ein Fehler, ein sündteures Luxushotel zu errichten?

Nein. Im August 1995 hat das Kabinett Stoiber das beschlossen. Es war eine brillante Entscheidung. Ich habe diesen Plan als neuer Finanzminister sofort übernommen, die Öffentlichkeit und den Landtag immer genau informiert. Was wäre denn die Alternative gewesen? Es gab einige, die meinten, man solle um den Obersalzberg einen Stacheldrahtzaun ziehen, weil es ein politisch kontaminiertes Gelände ist. Andere wollten die Hitler-Bauten weiter stehen lassen.

-Trotzdem: Das Hotel schreibt tiefrote Zahlen!

Das ist doch absurd! Operativ wird Gewinn erzielt. Die 15 Millionen Euro Abschreibungen in vier Jahren sind eine Größenordnung, die wir schon damals in Kauf genommen haben: ein bewusster Preis für eine politische Idee. Das Konzept ist auch betriebswirtschaftlich erfolgreich.

-Und fast jedes zweite Zimmer steht leer.

Ich fände es empörend, diese hoch politische Entscheidung an Millimetern der Auslastung festzumachen. Es läuft voll nach Plan. Die Defizite der Landesbank-Tochter gehen deutlich und kontinuierlich zurück.

-Wie sehr haben Sie die Landesbank zu diesem Investment gedrängt?

Die Firma Gewerbegrund, eine Tochterfirma der Landesbank, wollte das Hotel realisieren. Beim Vorstand der Bank mussten wir deutlich auf den öffentlichen Auftrag hinweisen. Schwierig war nur die Suche nach einer Betreibergesellschaft. Intercontinental war schließlich dazu bereit. Und ich würde dringend dazu raten, mit diesem Betreiber sorgsam umzugehen.

-Landesbank und Staatsregierung wollen mittelfristig einen Verkauf.

Ich finde es irritierend, wenn sich der Bank-Vorstand in diese Richtung äußert. Das ist eine Entscheidung des Eigners. Und da bin ich mir mit der jetzigen Staatsregierung einig: Keinesfalls dürfen wir das an den Nächstbietenden verkaufen! Das kann man nicht irgendwem in die Hände geben. Ich empfehle auch dem Landtag, nicht in Hektik auszubrechen.

-Es ist ja nicht das einzige Landesbank-Hotel. Über die Tochter Hypo Alpe Adria hat man noch das Luxushotel am Wörthersee. Muss das sein?

Nein, das nun wirklich nicht. Nachdem die Landesbank diese österreichische Tochter übernommen hat, habe ich damals sofort gesagt: Weg mit dem Schlosshotel! Viel zu teuer, viel zu groß, dafür gibt es keine Rechtfertigung. Das kann man jederzeit von mir aus einem arabischen Scheich oder sonstwem verkaufen. Aber um Gottes Willen nicht den Obersalzberg! Dort braucht es einen sehr verlässlichen Eigner. Für mich war dafür die Landesbank ideal.

Interview: Georg Anastasiadis, Dirk Walter, Christian Deutschländer.

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