Nichts als Schall und Rauch

Berchtesgaden – Es ist eine Gewissensfrage, die sich so mancher im ausklingenden Jahr immer wieder auf das Neue stellt: „Raketen und Böller – Ja oder nein?“

Soll man oder soll man nicht? Geld sparen, gar spenden? Oder aber im schönen Schein der prächtigen Effekthascherei den Jahreswechsel über die Bühne bringen? Für den pyrotechnischen „Krimskrams“, so ein Kunde, den man kurz vor Jahreswechsel in allen möglichen Varianten erwerben kann, erwartet die Branche einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro in Deutschland – und das innerhalb von drei Tagen. Jedes Jahr mehren sich die Stimmen, dass die investierten Summen doch besser in sozialen Projekten aufgehoben wären. „Oder man spart sich das Geld einfach“, rät eine ältere Dame in einem Berchtesgadener Supermarkt. Für die aufgetürmten Berge an kunterbunter Explosiv-Ware hat sie indes keinen Blick übrig.

Anders einige Jugendliche, im Gepäck Mutter oder Vater. 15 Jahre alt ist Christoph, erzählt der Schönauer und er freue sich schon seit einem Monat auf das anstehende Großereignis, jene gefühlte halbe Stunde, die mit dem Mitternachtsschlag am 31. Dezember eingeläutet wird. „Fast so spannend wie das Buttnmandllaufen“, entgegnet er mit geweiteten Augen, die darauf hindeuten, dass der Jahreswechsel ein äußerst bunter werden soll, einer, der von beeindruckenden Explosionen begleitet wird. Natürlich nur so lange der Geldbeutel des Vaters mitspielt. Denn günstig ist das pyrotechnische Gut in keinem Fall, schnell abgebrannt ebenso. Und nichtsdestotrotz greifen die Leute zu, in rauen Mengen, so, als gäbe es kein Morgen mehr.

Auch in Berchtesgaden ist die Vorfreude auf das Silvesterfeuerwerk groß, „wir kaufen eine Packung“, sagt der Vater zu seinem Sohn, der bereits das nächste große Etwas fokussiert hat und am liebsten sofort mit nach Hause nähme: ein sogenanntes Systemfeuerwerk, eine Aneinanderreihung von teils beeindruckenden Effekten – Fontäne, Knallkörper, Himmelsrakete. Hübsch zusammengestellt, eine Choreografie der Superlative, der erhoffte Verkaufsschlager? Einfach zu „bedienen“ seien diese allemal, „nur einmal anzünden“, sagt die Verkäuferin. Wenn es weiter nichts ist – nur der Preis, der ist nicht ohne. Brenndauer: „40 Sekunden“. Und dafür knapp 20 Euro löhnen? Nur ein Kopfschütteln vernimmt man von zwei älteren Herrschaften, Familie Steuter, die den Trubel um das explosive, in sprühenden Farben daherkommende Ereignis nicht nachfühlen kann. „Wir trinken lieber ein Glas Sekt“, sagt Thomas Steuter, der den Jahreswechsel bei Bekannten in Bischofswiesen verbringt, lächelnd. Interesse am bunten Knall hatte er – seinen Ausführungen nach – noch nie. Schön anzusehen seien die sprengkräftigen Explosionen schon, aber was habe man davon, wenn sich ein um die andere Sekunde „viele Euros in Luft auflösen“? Mit dem Rauchen sei das vergleichbar, sagt er – auch das habe er noch nie betrieben. Im Grunde sei er also der falsche Gesprächspartner gibt er schmunzelnd zu verstehen.

Die Faszination für den lauten Knall, für die wenigen Sekunden, in denen der Himmel bunt erstrahlt, die Luft in Folge schwer zum Atmen ist - diese Faszination lassen sich echte Freunde des Feuerwerks nur schwer ausreden. Jedes Jahr aufs Neue wird fleißig eingekauft, jetzt, in den frühen Morgenstunden des 29. sieht man den einen oder anderen, der nicht früh genug da sein konnte, der den Abverkauf der brennbaren Ware regelrecht herbeigesehnt hatte. Ja nicht zu spät kommen, sonst ist das farbenfrohe Feuerwerk ausverkauft, „weg vom Fenster“, so, als wäre es eben erst angezündet worden. Ist es einmal gekauft, wartet es darauf, gegen Mitternacht des 31. zum Einsatz zu kommen. „Manchmal kann ich gar nicht so lange darauf warten“, gibt Christoph zu. Bereits im Vorfeld bringt er mit seinem Vater den Himmel dann zum Leuchten, mit Fontänen, Raketen, viel „Bodenfeuerwerk“, das feierlich – Jahr für Jahr – angezündet wird. Die Sekunden bis zum spektakulären Finale seien die spannendsten. Das Zusammenspiel aus bunten Funken, schrillen Tönen und lautem Krachen sei ein Faszinosum, „das nur schwer erklärbar ist“, so ein Kunde, der den halben Einkaufswagen mit diversem Raketenallerlei voll gepackt hat. Krisenzeiten? Nichts dergleichen! Ob das Geld nicht sinnvoller investiert werden könnte? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Natürlich könne man das, aber „ein bisschen Spaß muss doch erlaubt sein“. Silvester kann also kommen - und sofern das Wetter mitspielt, darf man mit großer Gewissheit annehmen, dass der Start ins nächste Jahr ein äußerst farbenfroher sein wird.

kp

Rubriklistenbild: © pa

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