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Beim Neujahrsempfang in Berchtesgaden durfte auch geküsst werden.

Berchtesgaden - Zum 20. Mal haben am Freitagabend die fünf Gemeinden des Berchtesgadener Talkessels, die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und das Gebirgsjägerbataillon 232 ihren Neujahrsempfang abgehalten.

900 Gäste waren zu dem gesellschaftlichen Ereignis geladen worden und fast so vielen schüttelten die Verantwortlichen die Hände. Mit "a guads Neis" wurden sie im Kur- und Kongresshaus in Berchtesgaden begrüßt, bevor der eigentliche Empfang im großen Saal begann.

"Bitte erheben Sie Sich und gedenken Sie mit mir dem 21-Jährigen Oliver O. der bei einem tragischen Unfall bei seinem Auslandseinsatz in Afghanistan gestorben ist", begann Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp seine Begrüßungsrede. Damit wollte er auch unterstreichen: "Wir hier im Berchtesgadener Talkessel stehen zu unseren Jagern." Darüber freute sich der derzeitige Bataillonsführer Oberstleutnant Matthias Puschnig: "So tragen wir die Verbundheit der Jager mit ihrem Standort nach außen."

Neubauten, Sanierungen und Personalien

Die Standorte Schönau am Königssee, Ramsau, Bischofswiesen, Marktschellenberg und Berchtesgaden hatten im vergangenen Jahr auch einiges zu bieten. Von Neubauten und Sanierungen über Nationalparkfestspiele und Jubiläen bis hin zu erfolgreichen Olypioniken hat der innere Landkreis des Berchtesgadener Landes einiges zu bieten. Rasp nannte in seinem Rückblick einige davon und brachte vor allem den Ärger über den Triftplatz mit einem Witz an: "Die Gemeinde Schönau am Königssee hat jetzt so viel Geld, dass sie sich sogar ein nachts beleuchtetes Ortsschild leisten kann." Gemeint war die Werbetafel für die angesiedelten Unternehmen am Triftplatz.

Ernst wurde Rasp bei dem Thema Bürgerheim. Er sprach den Führungswechsel an und dankte den Mallersdorfer Schwestern sowie insbesondere Schwester Lambertis für ihr jahrzehntelang aufopferungsvolles Wirken. Der donnernde Applaus galt nicht dem Bürgermeister sondern eindeutig der Schwester selbst.

Für den Berchtesgadener Advent hatte das Marktoberhaupt dann wieder einen Lacher parat, denn "wenn das einzige ist, was die Berchtesgadener stört, dass sie eine Tasse kaufen müssen, dann war es ein Erfolg." Ob die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee nach 60 Jahren weiter ein Erfolg bleibt, liegt allerdings an der Finanzierung. Darüber verhandeln die Gesellschafter derzeit. "Es sind zähe Verhandlungen, aber ich bin davon überzeugt, dass wir das miteinander schaffen", betonte Franz Rasp. Die Tourismusregion sei alternativlos.

"Gemeinsam den richtigen Weg gehen"

Nachdem die fünf Gemeinden 2010 auch ein gemeinsames Jubiläum "200 Jahre Berchtesgaden bayerisch" hinbekommen haben, sollte auch im kommenden Jahr einer Zusammenarbeit nichts im Wege stehe. "Lassen Sie uns gemeinsam den richtigen Weg gehen", schloss der Bürgermeister und gab das Rednerpult frei für eine Videobotschaft aus Afghanistan.

Oberstleutnant Nikolaus Carstens versuchte aus weiter Ferne den Anwesenden ein Bild vom Einsatz der heimischen Gebirgsjäger in Afghanistan zu geben. "Wir leben in einem provisorischen Lager unter schwierigen Bedingungen." Eindrucksvolle Bilder unterstrichen seine Worte. "Es gibt bereits auch Erfolge zu verbuchen", freute sich der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 232, gab aber zu bedenken: "Die Dinge brauchen Zeit." Deshalb sind die Bischofswieser Jager noch bis Mitte März in Afghanistan und werden nach zwei Jahren wohl dorthin zurückkehren.

Neujahrsempfang in Berchtesgaden

"Eine weltumfassende Idee"

Festredner Christian Ude sollte dann eine Lanze für die Olympiabewerbung Münchens mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee für die Winterspiele 2018 brechen. "Sie haben ja schon die richtige Einstellung", lachte der Münchner Oberbürgermeister. "Behalten sie sie bei!"

Natürlich war damit die Rede noch nicht beendet. Ude appelierte an die Gäste, nicht den olympischen Gedanken außer acht zu lassen. "Natürlich hat München ungemein von den olympischen Spielen profitiert", gibt er zu. "Wir haben seitdem die U-Bahn, die S-Bahn, den Olympiapark und eine Fußgängerzone. Alles Dinge, von denen nach bald 40 Jahren die Münchner immer noch profitieren." Aber im Mittelpunkt stehe die einzig weltumfassende Idee, die Milliarden Menschen auf dem ganzen Erdball verfolge.

Wichtig war Christian Ude auch, darauf aufmerksam zu machen, dass "nach dem Ende die Party nicht vorbei ist". Dann kämen die Paralympics, die es verdient hätten, auch im Vorfeld angekündigt zu werden. "Sehr modern ist es ja, überall ein Haar in der Suppe zu finden", zielte Ude auf die Kritiker ab. "Um ihr Argument, es gebe in Bayern keinen Schnee mehr und es sollte deshalb auch keinen Wintersport mehr geben, ist es in den vergangenen Tagen etwas ruhiger geworden."

"Profilierung auf Teufel komm raus"

Aber auch mit dem Kostenargument räumte der Münchner OB auf: "Den Durchführungsetat von über einer Milliarde Euro trägt das Internationale Olympische Komitee, nicht der Steuerzahler." Die Sicherheit für das kommunale Drittel übernehme zur Gänze die Stadt München - was dem Festredner Applaus einbrachte - und die Infrastruktur brenne man nicht als Feuerwerk nach den Spielen ab.

Da er keine ernsthafte ökologische Sorge bei den Kritikern erkennen könne, halte er ihr Verhalten für "Profilierung auf Teufel kaum raus". Und belegte das mit einem Beispiel aus dem juristischen Bereich: "Wenn man sich als Anwalt seiner Sache sicher ist, freut man sich auf den Prozess. Wenn man sich unsicher ist, geht man einen Vergleich ein. Und wenn man weiß, dass man chancenlos ist, haut man auf die Pauke."

Ob es den Kritikern was nützt, dass sie auf die Pauke hauen, wird sich in einem knappen halben Jahr zeigen, wenn in Durban die Entscheidung fällt, wo die Olympischen Winterspiele 2018 ausgetragen werden.

Die Gäste hatten in Anschluss an die flammende Rede von Christian Ude die Möglichkeit, sich bei einem Buffet der heimischen Gastronomen auszutauschen und taten das bis weit nach Mitternacht.

Christine Zigon

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