Nationalpark: wertvolles touristisches Angebot

+
Die Alpenkonvention würdigt die ökologische Vernetzung im Alpenraum mit einer neuen, alpenweiten Auszeichnung. Auch Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann (r.) und Schönaus Bürgermeister Stefan Kurz (l.) haben den Antrag unterstützt. Nationalpark-Leiter Dr. Michael Vogel (2.v.r.) und sein Stellvertreter Dr. Roland Baier erhoffen sich von der Auszeichnung einen besseren Zugang zu alpenweiten Förderprogrammen.

Ramsau - Unter dem Motto „Der Nationalpark informiert“ lädt der Nationalpark Berchtesgaden einmal jährlich interessierte Bürger zu einer Diskussionsrunde ein.

Gastgeber der nach 2009 insgesamt dritten Veranstaltung des „Nationalpark-Stammtisches“ war in diesem Jahr die Gemeinde Ramsau. Rund 60 interessierte Bürger lauschten im Gasthaus Oberwirt den Ausführungen der Nationalpark-Leitung zu Themen wie Wanderprogramme, Borkenkäfer, Wegebau und Sanierung der Berggaststätte „Wimbachschloss“.

Im vergangenen Jahr hat sich vieles getan in dem zur Gemeinde Ramsau gehörigen Teil des Nationalparks Berchtesgaden. Bürgermeister Herbert Gschoßmann lobte in seiner Begrüßung vor allem den Bau der neuen Hängebrücke sowie die touristische Aufwertung der Wildfütterung. Auch die Nationalpark-Festspiele an der Infostelle „Klausbachhaus“ mit rund 4400 Gästen wertete der Rathaus-Chef als großen Erfolg.

Für die offene Informationspolitik zum Borkenkäfer dankte Gschoßmann dem Team des Nationalparks ebenso wie für die Bereitstellung des kostenlosen, umfangreichen Wanderprogramms im Sommer und Winter. „Der Nationalpark bietet hier ein touristisches Angebot von unschätzbarem Wert“, stellte der Bürgermeister heraus. „Dies müssen wir allen unseren Gästen anbieten.“

Für Unmut in der Gemeinde Ramsau sorgte vor allem die vollständige Schließung der Berggaststätte „Wimbachschloss“ während der notwendigen Sanierungsarbeiten. Bürgermeister Gschoßmann nutzte die Gelegenheit, unklare Zusammenhänge und Zuständigkeiten öffentlich klar zu stellen: „Nicht der Nationalpark, sondern das Umweltministerium hat den Antrag auf Einrichtung einer Notversorgung am Wimbachschloss abgelehnt. Bis zum Schluss hat uns der Nationalpark in unseren Bestrebungen unterstützt, hier eine provisorische Verpflegungsmöglichkeit für Wanderer anzubieten“. Trotz aller gemeinsamen Bemühungen sei der Antrag abgelehnt worden und damit weitere Diskussionen überflüssig. „Wichtig ist nun vor allem, dass das sanierte Wimbachschloss im Jahr 2012 wieder als Berggaststätte zur Verfügung steht“, schoss der Rathauschef das Thema ab.

Nationalpark-Leiter Dr. Michael Vogel blickte in seinem Vortrag auf ein erfolgreiches und ereignisreiches Jahr zurück. „Im Rahmen unseres Wanderprogramms haben wir 2010 insgesamt 568 Wanderungen und Exkursionen kostenfrei durchgeführt und dabei 13.200 Gäste betreut.“ Die Ranger des Nationalparks waren zu über 40 Prozent ihrer Arbeitszeit in der Gästebetreuung eingesetzt.

Ein Zeichen für die wachsende touristische Attraktivität des Klausbachtales in der Gemeinde Ramsau sieht Dr. Vogel in den steigenden Besucherzahlen der Nationalpark-Infostelle Hintersee. „Während die Zahlen im Nationalpark-Haus in Berchtesgaden mit 36.000 Gästen im vergangenen Jahr leicht rückläufig waren, steigen die Zahlen im Klausbachhaus ständig. Hier haben wir 2010 insgesamt 28.000 Gäste gezählt“.

Als weitere Schwerpunkte stellte der Nationalpark-Leiter den Wegebau sowie die Borkenkäferbekämpfung heraus: „In den Unterhalt der Wege und Steige im Nationalpark haben wir 2010 insgesamt 424.000 Euro und 7500 Arbeitsstunden investiert, die Bekämpfung des Borkenkäfers schlägt sogar mit einer Million Euro zu Buche“. Damit flossen rund 40 Prozent der jährlichen Sachmittelausgaben des Nationalparks in den Kampf gegen den Borkenkäfer.

Besonders erfreut zeigte sich der Nationalpark-Leiter auch über die Verlängerung des „Europadiploms“ auf weitere zehn Jahre. Aktuell ist auch die neue Auszeichnung der Alpenkonvention für die grenzübergreifende Region Berchtesgaden-Salzburg als Pilotregion für die ökologische Vernetzung im Alpenraum. Das Amt der Salzburger Landesregierung hatte mit Gemeinden aus dem Pinzgau sowie verschiedenen Gemeinden auf bayerischer Seite einen gemeinsamen Antrag formuliert. Als Vertreter der Region hatte Herbert Gschoßmann die Ernennungsurkunde Anfang der Woche anlässlich der Tagung der 11. Alpenkonferenz in Brdo/Slowenien übernommen.

„Mit dieser alpenweiten Auszeichnung haben wir internationale Aufmerksamkeit erfahren“, freut sich Dr. Vogel. „Außerdem werden wir damit künftig größere Chancen haben, an Fördermittel für europäische Alpenraumprogramme heran zu kommen“, betont der Nationalpark-Leiter. Das Bundesumweltministerium würdigte die Auszeichnung mit einer finanziellen Zuwendung in Höhe von 10.000 Euro für die Umgestaltung und touristische Inwertsetzung des Hirschbichl-Passes am Übergang des Nationalparks Berchtesgaden zum benachbarten Naturpark Weißbach auf österreichischer Seite.

In seinem Fachvortrag zum Thema „Intakte Gebirgsböden – Schlüssel für leistungsfähige Schutzwälder“ stellte der stellvertretende Nationalpark-Leiter Dr. Roland Baier die Bedeutung der Humusauflage für Bergwälder heraus. Humus ist als Wasser- und Nährstoffspeicher von großer Bedeutung. Waldverjüngung führt zum Aufbau der Humusschicht und damit verbessert sich die Schutzleistung der Wälder.

Auch auf die aktuellen Verbissdaten der drei Nationalpark-Revieren kam Dr. Baier zu sprechen. So zeigen die Daten der Waldinventur einen deutlichen Zusammenhang zwischen geringem Verbiss und einer intakten Waldverjüngung. „Die Abschussplanung kann damit auf einer soliden Datengrundlage an die drei Reviere des Nationalparks individuell angepasst werden“, erklärt der Forst-Experte. „Unser erklärtes Ziel ist die Sicherung der natürlichen Waldverjüngung und der Schutzwälder“.

Ein Thema der anschließenden Diskussion war der Hochwasserschutz in der Gemeinde. Stefan Hollrieder vom Wasserwirtschaftsamt sicherte zu, in den Haushalt des Jahres 2011 Gelder für entsprechende Maßnahmen eingestellt zu haben. Die noch unsichere Situation bezüglich neuer Stellen für das „Haus der Berge“ war ein weiterer Kritikpunkt. Vertreter der Vereine forderten die Bürgermeister auf, politisch aktiv zu werden um das dringend erforderlichen Personal für den Betrieb des neuen Informations- und Bildungszentrums sicher zu stellen.

Abschließend luden Dr. Vogel und Dr. Baier alle Anwesenden zu einer öffentlichen und kostenfreien Exkursion zum „Wimbachschloss“ ein. Am Samstag, 2. April werden bei einem Lokalaugenschein die aktuellen Pläne zur Sanierung der Berggaststätte zusammen mit dem Staatlichen Bauamt Traunstein vorgestellt. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Parkplatz Wimbachbrücke.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

Zurück zur Übersicht: Region Berchtesgaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser