Nach der Bewerbung ist vor der Bewerbung

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"Wenn man in einen Wettkampf eintritt, weiß man von Anfang an, was passieren kann.", sagt Christian Winkler von der Bewerbungsgesellschaft München 2018.

Berchtesgaden - Das Aus für die Münchner Olympia-Bewerbung schmerzte. Das sagt Christian Winkler, der eineinhalb Jahre bei der Bewerbungsgesellschaft München 2018 aktiv war.

Im afrikanischen Durban, dort wo über die Vergabe der Winterspiele im Jahr 2018 entschieden wurde, war er mit vor Ort. Das große Ziel konnte nicht erreicht werden. "Pyeongchang war ein starker Gegner", sagt Winkler. Ende des Monats endet seine Zeit bei der Bewerbungsgesellschaft.

Als Praktikant hatte alles begonnen, dann die Festanstellung. Zumindest für jenen Zeitraum, in dem München sich kämpferisch gab, eine Bewerbung auf die Beine stellte, die der Konkurrenz und der Kritik standhielt. "Unser Konzept war gut, vor allem das ambitionierte Umweltprogramm", sagt Christian Winkler, dessen Aufgabengebiet in der internationalen Kommunikation lag, darunter viele Projektmanagement-Aufgaben.

Münchens Bewerbung den IOC-Mitgliedern zu vermitteln - auch das gehörte in seinen Zuständigkeitsbereich. Darüber hinaus Pressereisen, der Durban-Abschluss. Über allem trumpfte immer das große Ziel, die Bewerbung so attraktiv wie möglich zu gestalten, den größtmöglichen Rückhalt in der Bevölkerung zu erlangen, um schließlich die Winterolympiade im Jahr 2018 nach München, Garmisch-Partenkirchen und das Berchtesgadener Land, an die Kunsteisbahn am Königssee, zu holen.

Über 40 Personen arbeiten bei der Bewerbungsgesellschaft, Ende des Monats läuft ein Großteil der Arbeitsverträge aus. Auch der von Winkler. "Hätte München den Zuschlag erhalten, wäre die Bewerbungsgesellschaft aufgelöst worden und ein Organisationskomitee hätte gegründet werden müssen. So werden die letzten Arbeiten abgewickelt, dann gilt es, neue Ufer anzusteuern. Die letzten Monate waren geprägt von stetiger Präsenz. "Wir waren so gut wie auf allen Sport-Events in Deutschland unterwegs." Auf Kinder- und Jugendveranstaltungen. Um die Bewerbung von München zu pushen, um die Bevölkerung einzustimmen, Stimmen zu fangen, die Leute mitzureißen. Nicht jeder ist für Olympia. Das war bekannt. Gegner gab es, etwa in Garmisch-Partenkirchen.

"Pyeongchangs Vorteil war, dass es sich zum dritten Mal beworben hat", sagt Winkler. Asien, ein neuer Markt - aus der nicht-europäischen Perspektive betrachtet, sei die Entscheidung für Südkorea durchaus nachvollziehbar, meint Winkler. "The right bid, but the wrong time", so ein gern gesprochener Satz - eine schlüssige, gute Bewerbung Münchens, sie kam aber zur falschen Zeit. 19 von 22 Winterolympiaden haben entweder auf europäischem oder nordamerikanischem Boden stattgefunden. Logisch, dass Asien seine Chancen erkannt hat, jetzt, beim dritten Mal. Die Präsentation in Durban war selbstbewusst, konsequent - in jedem Fall darauf aus, den Zuschlag zu erhalten.

"Auch unsere Bewerbung war sehr überzeugend", sagt Winkler. An einem starken Gegner sei man gescheitert. Also alles für die Katz'? "Nein.", sagt Winkler. "Wenn man in einen Wettkampf eintritt, weiß man von Anfang an, was passieren kann." Der Werbeeffekt für die Region sei aber immens. Natürlich hätten mit einem Erfolg diverse anstehende Projekte schneller umgesetzt werden können - Infrastrukturmaßnahmen etwa. "Ich glaube, vieles wäre beschleunigt worden.", meint der Berchtesgadener. "Persönlich würde ich mich freuen, wenn München es noch einmal versuchen würde."

Für seine letzten Wochen in der Bewebungsgesellschaft erwartete Winkler noch ein ganz besonderes Schmankerl - ein Foto-Shooting. Für 300 großflächige Plakate, zwölf mal fünf Meter groß. Auch den Marienplatz in München zierte Winklers Konterfei, der nach der Entscheidung niedergeschmettert war. Aber dennoch irgendwie beruhigt: "Das IOC hat sich für Pyeongchang und nicht gegen München entschieden."

kp

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