Mit dem Mountainbike vom Gipfel ins Tal rasen

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Die Newcomer der BERGinale: Die Bike-Bergsteiger Harald Philipp (l.) und Florian Gottschlich aus Bischofswiesen.

Berchtesgaden - Erst das Mountainbike zum Gipfel tragen, um dann mit atemberaubender Geschwindigkeit Richtung Tal rasen zu können. Das sind die Newcomer des Bergfestivals:

Es ist ihr erstes Mal – und der Erfolg kann sich gleich beim Debüt auf der BERGinale sehen lassen. Harald Philipp und Florian Gottschlich aus Berchtesgaden sind die viel beklatschten Newcomer dieses am vergangenen Sonntag zu Ende gegangenen Bergfestivals in Berchtesgaden. Vor ausverkauftem Kurkinosaal ist es der Multimedia- Vortrag des „Bike-Bergsteigens“, der nicht nur für offene Münder sorgte, sondern vor allem die Welt zunächst auf den Kopf stellte: Das Mountainbike geschultert, geht es hoch zum Gipfelkreuz. Von dort dann mit Affenzahn in Richtung Tal. Verdutzt zurück bleiben jene „gewöhnlichen“ Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel.

Florian Gottschlich, genannt „da Flowinger“, kommt aus Bischofswiesen, sein Mountainbike- Partner hat in Salzburg studiert, derzeit ist er im österreichischen Innsbruck daheim. Was die beiden verbindet – der Berg und das Bike. Und das in einer besonderen Weise: „Schwindelerregend ist das, was die zwei machen – die sind verrückt, die brauchen wir“, dachte sich Veranstalter Hand Klegraefe, als er im vergangenen Herbst von den sportlichen Machenschaften der beiden Berg-Erklimmer erfuhr. Dass das Experiment dann gleich auf so große Resonanz stoßen würde, damit hatte keiner im Vorfeld gerechnet. Ihren ersten Auftritt vor Publikum meisterten die beiden Jungspunde, 25 und 27 Jahre alt, aber hervorragend. Im Wechsel waren es Bilderfolgen und professionell abgedrehte Videoclips, die Eindruck vermittelten von teils atemberaubenden Hetzjagden gen Tal – ob auf der „Hausrunde in Tirol“, im Schnee durch das Zillertal, hoch über dem Gardasee oder aber den Göll hinab. Für den Außenstehenden ist der Anblick zunächst fremd: Ein Biker wandert mit seinem Zwölf-Kilo-Gefährt auf den Berg nach Wahl. Bergschuhe? Fehlanzeige! Turnschuhe reichen locken! Die Kamera verfolgt jeden Schritt. Es geht über Bergkämme, loses Gestein, Geröllhaufen, „fiese Anstiege“, Leitern, über die man den Antritt nach oben wagt. Das Mountainbike bleibt geschultert, hin und wieder wird es geschoben, oft sitzen Harald und Flo auch im Sattel, strampeln nach oben. Wo andere die Ankunft auf der Bergspitze als pure Belohnung für den mühsamen Aufstieg sehen, geht für das Biker-Duo die eigentliche Gaudi dann erst richtig los. „Wir sind Bergwanderer, die nicht gut bergab gehen können“, sagt Harald. 85 Prozent der Strecke nach unten sollte befahrbar sein, dann kommt eine Tour in Frage. Zu Beginn wissen die beiden über ihr angepeiltes Ziel oft nicht Bescheid, wenn es fahrbar ist, umso besser – wenn nicht, muss ein anderer Berg herhalten. „Die Recherchearbeit im Vorfeld ist bei uns recht wichtig“, sagen sie, und sind doch mehr Abenteurer als reine Vernunftmenschen. Wenn der Ausflug eine Kopfsache bliebe, dürfte man ihn im besten Fall gar nicht wagen.

Gewaltige Bilder liefern die beiden Bike-Spezialisten, Harald hat häufig einen Fotografen mit auf dem Berg dabei, der das sportliche Ereignis in Szene setzt, auf Bild bannt. Richtig brisant wird es dann aber während jener Bewegt-Aufnahmen, die dem Betrachter durch Mark und Bein fahren, ein heißer Ritt auf gerölligem Untergrund, jede Radumdrehung könnte die letzte sein, der Sturz scheint nah. „Wie oft hat es Dich in letzter Zeit auf die Fresse gelassen“, fragt eine junge Zuschauerin. „Zwei Mal“, sagt Harald, und auch Flo scheint den Boden nicht allzu häufig „geküsst“ zu haben, wenngleich ihn eine Verletzung zu Beginn des Jahres aus dem Verkehr zog. Jetzt geht alles wieder, reibungslos. Und dennoch sind die beiden etwas betrübt, ob ihrer nicht immer gern gesehenen Gesellschaft: „In Bergsportkreisen werden wir Mountainbiker als böse Jungs angesehen“, sagen die beiden. Ihnen hafte das Image an, sie seien neu in angestammtem Gebiet. „Wir gehören da nicht hin“, höre man immer wieder. Ein großer Wunsch liege darin, akzeptiert, gleichwertig behandelt zu werden. „Für uns sind Berge nicht nur bloße Kulisse. Wir spüren die Berge“, sagt Harald, ein sympathischer Kerl, der das Publikum immer wieder einbezieht, es direkt anspricht. Das sportliche Unterfangen, das man hier betreibe – damit „bewegen wir uns häufig am Rande des Wahnsinns“. Dann startet der nächste Videoclip, die Biker rasen wieder den Bergkamm nach unten, Musik ertönt. „That will be the most beautiful day“.

kp

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