Mittelschule Berchtesgaden: Düstere Zukunft

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Deutlicher Schülerschwund: Bis 2014/15 gehen die Schülerzahlen von aktuell 289 auf 207 Schüler und Schülerinnen zurück.

Berchtesgaden - Einen Jahresbericht über die ehemalige Hauptschule Berchtesgaden, nunmehr Mittelschule, lieferte kürzlich im Rathaus Berchtesgaden Rektorin Annette Ritter.

Seit 1. August 2010 darf sich die Hauptschule Berchtesgaden Mittelschule nennen. Die Bezeichnung trägt sie im Verbund mit der Hauptschule Bischofswiesen. „Bischofswiesen könnte ohne uns keine Mittelschule sein“, sagte Ritter, die auf die dramatischen Schülerrückgänge hinwies. Seien derzeit noch 289 Schüler und Schülerinnen in der Berchtesgadener Mittelschule zu verzeichnen, besagt die Prognose für das Schuljahr 2014/15 einen Schülerschwund auf 207 Schüler. „Wie es dann weitergehen soll, ist fraglich“, so Ritter.

In Bischofswiesen würde in diesem prognostizierten Jahr die magische Marke 100 fallen. Sind derzeit noch 107 Schüler dort eingeschrieben, sollen es 2014/15 nur noch 90 Kinder und Jugendliche sein. Eine Weiterentwicklung soll das Konzept der Mittelschule sein, „ein Bildungsangebot, das in besonderer Weise anschaulich-konkretes Denken und praktische Begabung fördert“, so das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Schon lange wollte man den in die Jahre gekommenen Hauptschulplan überarbeiten, diesen vom angestaubten Image befreien, konkurrenzfähig werden gegenüber dem immer stärker werdenden Gymnasium, dessen Attraktivität deutlich hinzugewonnen hat.

Rektorin Annette Ritter

Mittelschule darf sich der Berchtesgaden-Bischofswiesen-Verbund auch nur deshalb nennen, weil er wesentliche Kriterien erfüllt. Berchtesgaden könnte diese auch alleine bewältigen, Bischofswiesen nicht, sagt Annette Ritter. So müsse sich das Angebot zum mittleren Schulabschluss auf dem Niveau der Wirtschafts- und Realschule befinden, die drei berufsorientierten Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales vorweisen können, ein offenes oder gebundenes Ganztagsangebot bieten sowie eine modulare und individuelle Förderung ab Jahrgangsstufe fünf.

Zu Beginn des Schuljahres 2010/11 habe man in Berchtesgaden 289 Schüler gezählt, im Vergleich mit dem Vorjahr entspricht dies einem tatsächlichen Rückgang von 27 Schülern (2009/10: 317). Rektorin Annette Ritter zeigte sich deutlich besorgt über diese Entwicklung. Fünf Schüler und Schülerinnen wechselten im vergangenen September aus den fünften Klassen an die Realschule, zwei ans Gymnasium. Von derzeit 289 Schülern der Mittelschule Berchtesgaden sind 125 Fahrschüler, für die der Hauptschulverband aufkommen muss. Das entspricht einer Quote von über 43 Prozent. Bei der Gestaltung des Stundenplans wurde neben pädagogischen Gesichtspunkten viel Zeit darauf verwendet, den Nachmittagsunterricht so gering wie möglich zu halten und darauf zu achten, diesen spätesten um 15 Uhr enden zu lassen, um weitere Buskosten vermeiden zu können.

Vier Ramsauer Schüler der ehemaligen Hauptschule in Berchtesgaden besuchen in diesem Schuljahr die siebte Klasse der Mittelschule Bischofswiesen, was eine Reduzierung einer siebten Regelklasse für den Standort Berchtesgaden im aktuellen Schuljahr zur Folge hatte, so Annette Ritter, die Unmut darüber äußerte, dass Schüler alleine wegen des Schülertransportes viel Zeit verlören und dadurch hohe Buskosten für den Transfer zwischen den Schulen entstünden (arbeitspraktische Fächer).

Im Schuljahr 2010/11 wurden insgesamt 14 Klassen gebildet, eine Klasse weniger als im Vorjahr, wobei der Klassendurchschnitt 20,7 Schüler beträgt. Die aktuell größte Klasse in Sachen Schülerzahlen ist die 10 M mit 28 Schülern. Die Mittelschule Berchtesgaden verfügt in diesem Schuljahr über vier Gruppenräume und ein leer stehendes Klassenzimmer. 29 Lehrkräfte mit Stammschule unterrichten derzeit an der Mittelschule Berchtesgaden, davon drei Teilkräfte. Von den 45 Schülerinnen und Schülern der Regelklassen 9b und 9c haben sich 40 der besonderen Leistungsfeststellung („Qualifizierender Hauptschulabschluss“) unterzogen, was einer Quote von 88,9 Prozent entspricht. 30 davon haben bestanden. Ebenfalls beteiligten sich alle 26 Schüler der Klasse 9a M an der besonderen Leistungsfeststellung. Alle 26 bestanden – ebenso wie jene der Klassen 10 M.

kp

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