„Mein Ziel ist es, eine neue Jennerbahn zu bauen“

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Stefan Kurz, der Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee, lud zur Bürgerversammlung in das Gasthaus Unterstein.

Schönau am Königssee – Zur jährlichen Bürgerversammlung hat Stefan Kurz, der Bürgermeister der Gemeinde Schönau am Königssee in das Gasthaus Unterstein geladen.

Die letzte Bürgerversammlung hatte bereits vor eineinhalb Jahren stattgefunden, so dass „wir viele Themen haben, die es zu besprechen gilt“, so Kurz. Es liege ein Jahr zurück, in dem so viel passiert sei, wie selten zuvor. „Ich bin jetzt seit 27 Jahren Bürgermeister und kann mich an kein vergleichbares Jahr erinnern“, sagte er.

Neben einem neuen Freibad, das mit einem Millionenaufwand neu umgesetzt worden war, äußerte sich Kurz auch zum Thema Triftplatz, das oft titulierte „Filet-Stück“ der Gemeinde, welches für insgesamt sechs Millionen Euro veräußert worden war und nun wegen momentan stattfindender Baumaßnahmen immer wieder heftiger Kritik ausgesetzt ist.

Zunächst blickte Kurz auf Veränderungen im Gemeinderat von Schönau am Königssee zurück. Gemeinderat Wolfgang Grimm war Anfang August aus gesundheitlichen Gründen aus dem Gemeinderat ausgeschieden. Ein neues Gesicht hat sich mit Elisabeth Rasp vorgestellt, die im vergangenen Oktober vereidigt worden war und nun das Amt der Familienbeauftragten innehat.

Erfolgszahlen konnte Stefan Kurz für das Schornbad verkünden: 38.000 Besucher in der vergangenen Saison.

Zum Thema Schornbad konnte Bürgermeister Stefan Kurz nur Positives vermelden. So seien die Gästezahlen im Vergleich mit jenen aus den Vorjahren deutlich angestiegen. Verzeichnete man im Jahr 2006 noch etwa 29.000 Besucher, so waren es am Saisonende des aktuellen Jahres bereits 38.000 Besucher, die trotz höherer Eintrittspreise dem neuen Freibad einen Besuch abgestattet hatten. Die Entscheidung für das neue Schornbad sei „richtig“ gewesen, bei den Gesamtkosten habe man dank guter Rohstoffpreise Einsparungen erzielen können. Sollte das Schornbad ursprünglich noch 4,2 Millionen Euro ausmachen, liegen die tatsächlichen Kosten nun bei 3,96 Millionen Euro. Nicht eingeplant war der Kauf des Schornbad-Grundstückes, der mit Kosten von 450.000 Euro zu Buche geschlagen hatte.

„Für die Finanzierung des Bades haben wir den Triftplatz verkauft“, sagte Kurz. „Ansonsten hätten wir uns vieles von dem, was dieses Jahr geschehen ist, nicht leisten können“. Den Triftplatz hatte die Gemeinde Schönau am Königssee vor 13 Jahren für damals 1,27 Millionen DM gekauft. Die Grundstücke im Bereich Triftplatz, dort, wo derzeit zwei weitere Lebensmitteleinkaufsmärkte, ein Sportfachgeschäft, ein Getränkemarkt, ein TÜV-Betrieb, eine Apotheke sowie ein Fitnessstudio entstehen sollen, wurden bereits im Sommer 2009 für über sechs Millionen Euro verkauft.

„Die Bebauung erfolgte gemäß Bebauungsplan und Zweckvereinbarung mit dem Markt Berchtesgaden“, sagte Kurz. Er könne es nicht verstehen, dass seitens des Berchtesgadener Gemeinderates immer wieder Aufschreie zu hören waren. „Immerhin haben wir das Angebot unterbreitet, Berchtesgaden miteinzubeziehen“. Zu wenig aufgeklärt sei der Gemeinderat Berchtesgaden gewesen. Anscheinend habe man dort nicht gewusst, was eine Zweckvereinbarung bedeute. „Berchtesgaden hatte ein Mitwirkungsrecht, aber kein Mitbestimmungsrecht. Die Planung lag allein in unseren Händen, was auch gut so war“, unterstrich Kurz.

Noch immer sei er der Auffassung, dass die Entscheidung für den Verkauf des Triftplatzes samt Errichtung der dortigen Bauwerke die richtige gewesen sei. „Zentral gelegen gibt es keine Fläche, die der gesamten Umgebung so viele Möglichkeiten eröffnet hätte“, sagte Kurz mit Blick auf das neue Sondergebiet in der Nähe des Berchtesgadener Bahnhofes.

Die Jennerbahn, an welcher die Gemeinde seit Ende 2006 eine Beteiligung von 81,93 Prozent hält, habe die Erwartungen in der vergangenen Saison nicht erfüllt. Insbesondere im Hinblick auf die Beschneiungsanlage, die den Wintertourismus in der Gemeinde Schönau am Königssee deutlich hätte ankurbeln sollen. „Unsere Prognose eines Anstieges von etwa 30 Prozent haben wir verfehlt“, sagte Kurz. Die Fahrgastzahlen seien zwar gestiegen, aber moderater. Konkrete Zahlen nannte er keine.

Nur wenige Worte verlor der Gemeindevorsteher über die Ambitionen des Deutschen Skiverbandes (DSV), der ein Konzept für den Jenner vorgelegt hatte, um in Zukunft dort trainieren zu können. Als langfristiges Ziel nannte Kurz einen Neubau der Jennerbahn, 15 bis 20 Millionen Euro teuer, aber „notwendig“. Die Gemeinde könne sich ein derartiges Projekt nicht leisten, demnach seien Geldgeber erforderlich. 1953 wurde die Jennerbahn gebaut. „Sie entspricht aber nicht mehr den aktuellen Anforderungen“, sagte Kurz. So gebe es etwa keine Möglichkeit, gehbehinderte Personen zu transportieren. Schwierigkeiten bereiteten unter anderem auch Kinderwägen.

„Mein Ziel ist es, eine neue Jennerbahn zu bauen“, so des Bürgermeisters zuversichtlicher Blick in die Zukunft. „Ich bin vorsichtig optimistisch, wir müssen es wenigstens versuchen“, sagte Kurz, der bereits seine Fühler ausstreckt, sich auf der Suche nach Investoren befindet. In solch einem Fall würde die Gemeinde die Mehrheit der im eigenen Besitz befindlichen Aktien veräußern.

Eine Ausschreibung für die nun anstehende Saison gebe es für die Jenner-Pistenpräparierung. Darüber hinaus habe man sich in der Gemeinde dafür entschieden, in der Wintersaison 2010/11 eine Rückerstattung der Parkplatzgebühr beim Kauf einer Wintersportkarte zu veranlassen. Parkvergünstigungen gebe es hingegen in den Wintermonaten keine mehr, so Kurz.

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