Mehr Lebensräume im Saletbach

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Um die ursprüngliche Strukturvielfalt des Saletbachs wieder herzustellen, wurden mit einem Schreitbagger die Uferverbauung und das Bachbett wieder aufgelockert.

Berchtesgaden - Der Nationalpark Berchtesgaden lässt alte Uferverbauung und das Bachbett des Saletbachs auflockern.

Mit speziellem Gerät für unwegsames Gelände, einem sogenannten Schreitbagger, arbeiteten Auftragnehmer des Nationalparks Berchtesgaden am Donnerstag und Freitag im Saletbach, der Verbindung zwischen Obersee und Königssee. Grund hierfür waren nicht etwa Bauarbeiten im klassischen Sinn. Vielmehr handelte es sich um eine Renaturierungsmaßnahme im Rahmen des europäischen Projekts „ECONNECT“. Das Wasser des bisher begradigten Saletbachs soll sich im Mündungsbereich seinen Weg in den Königssee wieder frei suchen können. Ein natürlicherer Bachverlauf auf dem 50 Meter langen Teilstück soll langfristig dazu beitragen, dass Wasserbewohner wieder gute Lebensbedingungen im Bach vorfinden.

Für die Holztrift begradigt wurde der Saletbach schon Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit dem Effekt, dass Fische wie Königsseeforelle oder Koppe hier keine guten Lebensbedingungen mehr fanden.

Der Saletbach wurde Anfang des 19. Jahrhunderts für die Holztrift begradigt. Zwar wurden hierfür „nur“ Natursteine aus dem Bachbett und aus dem Umfeld am Ufer aufeinandergeschichtet, doch wurde damit die Fließgeschwindigkeit des Wassers erhöht. Mit dem langfristigen Effekt, dass der Bach bis vor kurzem keine guten Laichbedingungen für Fische mehr bot. Natürliche Erosion an den Ufern und Materialablagerung im Bach waren lange Zeit nicht mehr möglich, das Bachbett wurde steinig und fest. Darüber hinaus gab es keine Kiesbänke oder Sedimentablagerungen mehr, die zum Beispiel die Königsseeforelle zum Laichen braucht.

Zwischen Fußgängerbrücke und Mündung des Bachs in den Königssee wurden nun im Rahmen der ersten Gelände-Maßnahme des Projekts „ECONNECT“ die Uferverbauung teilweise abgenommen, die entnommenen Steine wieder im Umfeld und im Bachbett verteilt und die Bachsohle aufgelockert. Mit den Baggerarbeiten in dem ökologisch sehr sensiblen Gebiet beauftragte die Nationalparkverwaltung eine Fachfirma aus Bischofswiesen. Oberstes Gebot bei der Durchführung war, die Vegetation nicht zu beeinträchtigen, höchste Sicherheitsstandards einzuhalten und auch bei der Renaturierungsmaßnahme selbst nicht übers Ziel hinauszuschießen.

„Bei manchen Maßnahmen an Gewässern wird aus dem gutem Willen heraus ja doch wieder ein künstlicher Zustand geschaffen, etwa mit zu vielen Flussschleifen“, so Diplomgeografin Ingrid Birkel von „GeoProjekt“, einem Büro für Geowissenschaften und Landschaftsplanung in Riedering. „Es soll nichts gekünstelt wirken, der Bach soll nur wieder die Möglichkeit bekommen, sich den Weg in den See selbst zu suchen.“ Michaela Künzl, Leiterin des Sachgebiets Naturschutz und Planung im Nationalpark, ergänzte bei der Vorbesprechung am Mittwoch: „Es wird dem Bach nichts künstlich entnommen oder zugeführt, kein Schlamm abgesaugt oder Kies eingebracht und auch keine Fische eingesetzt. Alles soll sich selbst überlassen bleiben, ganz im Sinne des Nationalpark-Gedankens.“

Lorenz Köppl, Michaela Künzl und Anne Katrin Heinrichs (v.l.) vom Sachgebiet Naturschutz und Planung im Nationalpark Berchtesgaden und Diplomgeographin Ingrid Birkel (rechts) bei der Vorbesprechung der ECONNECT-Maßnahme am Saletbach.

Ingrid Birkel war mit der Detailplanung der ECONNECT-Maßnahme beauftragt und war an beiden Tagen mit vor Ort, ebenso wie Lorenz Köppl, Mitarbeiter des Nationalparks. Birkel zufolge mäandrierte der Bach vermutlich auch vor seiner Begradigung nicht sehr stark. „Bei der hohen Steigung von 1,4 Prozent in diesem Bereich fließt das Wasser ohnehin relativ schnell stromabwärts. Ein großes Sumpfdelta werden wir hier sicherlich nicht erhalten. Das gab es ja auch ursprünglich nicht.“ Doch die Steine, die nun wieder im Gelände und im Bach verteilt liegen, bereichern die Struktur des gesamten Lebensraums. Durch die Auflockerung des Bachbetts sind Kiesbänke, Vertiefungen und Erhöhungen entstanden, Steine und Kies wechseln sich ab – es gibt wieder vielfältige Lebensräume und Rückzugsbereiche für Wasserorganismen. Langfristiges Ziel ist unter anderem, dass die Königsseeforelle, um deren Bestand es nicht gut bestellt ist, die Kiesbänke als Laichhabitate wiederentdeckt. Die Koppe braucht wiederum Verstecke, die ihr jetzt in Form von Steinhaufen zur Verfügung stehen.

Neben der Anregung natürlicher Dynamik sollen auch einzelne Arten von der Maßnahme profitieren, erklärt Anne Katrin Heinrichs, Mitarbeiterin im Projekt ECONNECT im Nationalpark. Ziel des Projekts ist es, ökologische Verbindungen im Alpenraum (wieder) herzustellen, Tierpopulationen oder Lebensräume von Tieren und Pflanzen, die durch den Eingriff des Menschen in die Landschaft getrennt wurden, wieder zusammenzufügen: an Land oder eben im Wasser. Tiere sollen wieder zwischen ihren nach Tages- oder Jahreszeit verschiedenen Lebensräumen wandern können. Wie zum Beispiel die Königsseeforelle, die eigentlich im See lebt, zum Laichen aber Flüsse, Bäche und Uferbereiche benötigt.

Pressemitteilung Nationalpark Berchtesgaden

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