"Vielleicht muss erst was passieren"

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Hier sollen künftig Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge durchkommen. 2,94 Meter fordert die Gemeinde. Kreisbrandrat Rudi Zeif ist das zu wenig. Landrat Georg Grabner drängt auf eine schnelle Lösung.

Marktschellenberg - Georg Grabner drängt auf eine Lösung bei der Kirchgasse. Derzeit ist diese Straße zu schmal, um Rettungskräften ein problemloses Durchkommen zu garantieren.

Kirchgasse und kein Ende. Noch immer doktert man an einer Lösung herum, wie weit denn nun die Straße aufgeweitet werden muss, um Feuerwehr und Rettungskräften den notwendigen und gesetzlich vorgeschriebenen Spielraum zur Durchfahrt zu ermöglichen. Von drei Metern war immer die Rede, „in diesem Fall würden aber auch die von der Gemeinde geforderten 2,94 Meter reichen“, sagt Landrat Georg Grabner. Er drängt aber auf eine schnelle Lösung der seit beinahe 30 Jahre bestehenden Problematik: „Es liegt nun an der Gemeinde Marktschellenberg zu handeln.“ Florian Kosatschek, Geschäftsbereichsleiter des Bauamts im Landratsamt Berchtesgadener Land, sagt, dass er bis kommenden Freitag eine Stellungnahme der Gemeinde erwartet, die nun die Fakten auf den Tisch legen muss. „Warum das so lange dauert, weiß ich nicht.“ Kreisbrandrat Rudi Zeif indes ist mit der angestrebten Lösung alles andere als zufrieden.

Landrat Georg Grabner drängt auf eine schnelle Lösung in Sachen Kirchgasse: „Es liegt nun an der Gemeinde Marktschellenberg zu handeln.“

Seit Wochen, seit Monaten, seit Jahren sucht man nach einer geeigneten Lösung bei der Kirchgasse, einer schmalen Durchfahrt zwischen einem Privathaus und der Marktschellenberger Kirche. Derzeit ist die Stelle 2,4 Meter breit. Sie soll aber aufgeweitet werden. Auf 2,94 Meter. Das ist möglich, weil sich Kirche und der direkt an die Kirchgasse angrenzende Bewohner darauf verständigt haben. Im Raum steht, dass die Kirchgasse drei Meter lichte Breite laut DIN 14090 aufweisen müsste. Bauamtsleiter Kosatschek: „Das gilt nur für Feuerwehrzufahrten und -durchfahrten bei Grundstücken.“ Da die Kirchgasse aber eine öffentliche Straße sei, gelten die drei Meter Breite nicht. Zwar könne man sie zur Auslegung heranziehen, „eine feste Regel ist das aber nicht.“ Kosatschek sagt, dass in der Angelegenheit wie bei der Kirchgasse garantiert sein müsste, dass im Fall der Fälle Hilfe möglich sei. „Es ist die Pflichtaufgabe der Gemeinde, dass sie sicherstellt, dass auch die hinter der Engstelle liegenden Grundstücke im Notfall erreicht werden können.“ Auch der Brandschutz müsse garantiert werden.

Mit den 2,94 Meter ist Kreisbrandrat Rudi Zeif nicht zufrieden: „Tatsache ist, dass die Feuerwehr eine Straßenbreite von drei Metern braucht, um problemlos durchzukommen“, sagt Zeif. An der Engstelle wurde bereits vor mehreren Monaten der Versuch unternommen, ein Rettungsfahrzeug durch das Nadelöhr zu lotsen. „Mit zugeklappten Spiegeln ist das Fahrzeug 2,93 Meter breit“, sagt Zeif. Der Spielraum an jeder Seite belaufe sich auf einen halben Zentimeter. „Wenn die Witterung nicht mitspielt, ist ans Durchkommen gar kein dran zu denken.“ Der Gemeinderat in Marktschellenberg müsse sich im Klaren sein, was er möchte. Da man im Notfall auch wasserführende Fahrzeuge brauche, komme man um die drei Meter einfach nicht herum. Unverständnis äußert er darüber, wenn es heißt: „Fahrt halt mit kleineren Fahrzeugen.“ Die notwendige Hilfe könne dann nicht garantiert werden. Und überhaupt: „Die zehn Minuten, in denen wir beim Einsatzort sein müssen, sind bei den geplanten Gegebenheiten unter Umständen gar nicht möglich“, weiß Zeif. „Vielleicht muss erst was passieren, bevor die Einsicht kommt“, sagt er. Soweit soll es laut Kosatschek gar nicht erst kommen. Denn die Einigung auf die Kirchgassen-Aufweitung ist beschlossene Sache. „Es wird sich zeigen, wie es in der Praxis ausschaut und ob die 2,94 Meter reichen“, sagt der Landratsamt-Mitarbeiter.

Warum dann nicht gleich auf drei Meter aufweiten? „Die Gemeinde Marktschellenberg geht davon aus, dass es auch so geht.“ Selbst wenn dieses Problem gelöst sein sollte: Weitere Engstellen, die hinter der Kirchgasse liegen, tun sich bereits jetzt auf. Glocken- und Neuhäuslweg sind ebenfalls deutlich schmaler als es gesetzlich notwendig wäre. Allerdings gibt es Zusagen der Grundstückseigentümer, die eine Grundabtretung erklärt haben, wenn die Causa „Kirchgasse“ umgesetzt und abgeschlossen wurde. Immerhin: Eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis, um an der Marktschellenberger Kirche Veränderungen zugunsten der Kirchgassen-Aufweitung vorzunehmen, liegt laut Florian Kosatschek dem Landratsamt bereits vor.

Was noch nicht vorliegt, ist die Stellungnahme der Gemeinde selbst. Das Landratsamt hatte anfragen lassen, wie der Fahrplan detailliert aussehe, wann es zu einer Umsetzung komme und welche Maßnahmen angestrebt würden, wenn sich in der Praxis herausstellen sollte, dass eine Aufweitung auf 2,94 Meter nicht ausreicht. All das soll Bürgermeister Franz Halmich bis zu diesem Freitag beantworten. Die Stellungnahme soll öffentlich einsehbar sein, so Kosatschek. „Ich wüsste nicht, was dagegen spricht“, sagt er. Es gebe doch nichts zu verheimlichen.

kp

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